Noch Chance auf moderne Umgehung
Briefe an die Redaktion

"Viele Bürger wollen die Umgehung wegen der Verkehrsbelastung in der Ortsmitte - die Anlieger der neuen Straße wollen sie nicht". Diese Aussage des Kirchenthumbacher Bürgermeisters Jürgen Kürzinger in der Bürgerversammlung in Sassenreuth, zitiert in unserer Ausgabe vom 26. November, stößt bei einem Leser auf Widerspruch:

Als einer der betroffenen Anlieger der geplanten Ortsumgehung möchte ich meine Nachbarn und mich gegen die Darstellung verteidigen. Tatsache ist vielmehr, dass nach unserem Kenntnisstand alle Anlieger die dringende Notwendigkeit der Verkehrsentlastung sehen und grundsätzlich für eine Ortsumgehung sind.

Allerdings haben viele Anlieger Bedenken gegen eine Trasse, die in großen Teilen auf einer Flächenplanung der 1960er Jahre beruht und direkt an der Wohnbebauung entlang führt. Bei der Anhörung zum Planfeststellungsverfahren am 9. Oktober 2014 in Kirchenthumbach wurden diese Bedenken gegenüber der Regierung der Oberpfalz geäußert und eine Linienführung vorgeschlagen, die zirka 20 Meter von der Wohnbebauung abrückt - Stichwort "Bürgertrasse".

Dies führte dazu, dass das Straßenbauamt Amberg-Sulzbach mit der Ausarbeitung einer Variantenplanung beauftragt wurde. Besonderes Gewicht wurde dem Vorschlag dadurch verliehen, dass der anwesende Bürgermeister Jürgen Kürzinger als Vertreter des Marktes Kirchenthumbach diese Lösung ebenfalls befürwortete. Im August 2015 wurde den Anliegern von der Regierung der Oberpfalz bestätigt, dass die "Bürgertrasse" technisch machbar ausgearbeitet worden sei und man die betroffenen Grundstückseigentümer, unter anderem die Marktgemeinde, um eine Stellungnahme gebeten habe.

Selbstverständlich gingen die Anlieger davon aus, dass der Markt Kirchenthumbach, entsprechend der Aussage von Bürgermeister Jürgen Kürzinger, die Anfrage der Regierung positiv beantwortet hat. Auf Nachfrage bei der Marktgemeinde erhielten die Anwohner allerdings nur die Auskunft, dass die Anfrage in einer nichtöffentlichen Sitzung des Bauausschusses behandelt worden sei und man weder zum Inhalt der Diskussion, noch zum Ergebnis Stellung nehme.

Am 4. November hat die Regierung der Oberpfalz - völlig überraschend und ohne jegliche Vorankündigung - den Planfeststellungsbeschluss für die "60-Jahre"-Trasse bekannt gegeben. Auf Anfrage in der Bürgerversammlung, wie es denn zu einer Ablehnung der "Bürgertrasse" kommen konnte und wie sich der Markt Kirchenthumbach im Bauausschuss dazu geäußert habe, wurde mitgeteilt, dass man für die Sitzung keine Kenntnis über den genauen Verlauf der "Bürgertrasse" eingeholt habe.

Vielmehr sei lediglich über den Teilabschnitt entschieden worden, der die Marktgemeinde als Grundeigentümerin betraf. Eine Aussage, ob die Kommune die Grundstücksabtretung für die "Bürgertrasse" positiv oder negativ beschieden habe, wurde mit Verweis auf die Nichtöffentlichkeit der Sitzung erneut verweigert.

Aus den zwischenzeitlich verfügbaren Planfeststellungsunterlagen geht hervor, dass die "Bürgertrasse" mit einem gewissen Mehraufwand, aber auch mit Vorteilen für die Bürger (zum Beispiel verringerte Lärmbelastung) möglich wäre. Die Entscheidung dagegen wird unter anderem mit der Weigerung des Marktes Kirchenthumbach begründet, Flächen für die "Bürgertrasse" zur Verfügung zu stellen.

In der Zusammenfassung beurteilen die Anlieger die Situation so, dass mit ihrem Vorschlag bei vertretbarem Aufwand eine Linienführung möglich wäre, die eine zügige Realisierung der Ortsumgehung bei gleichzeitiger Berücksichtigung ihrer Interessen ermöglichen würde. Dafür wurde ihnen öffentlich von Bürgermeister Jürgen Kürzinger die Unterstützung des Marktes Kirchenthumbach zugesichert.

Tatsächlich wurde dieser Entwurf dann aber in nichtöffentlicher Sitzung abgelehnt, ohne dass man sich seitens der Verwaltung überhaupt um einen vollständigen Plan bemüht oder die beteiligten Bürger informiert hatte. Über dieses Vorgehen sind wir Anwohner logischerweise enttäuscht. Wir finden es deshalb besonders verletzend, nun von Bürgermeister Jürgen Kürzinger auch noch als Verhinderer, denen die Belange der anderen Marktbewohner egal seien, dargestellt zu werden.

Für die Gemeinde Kirchenthumbach besteht nach wie vor die Möglichkeit, es tatsächlich allen Bürgern recht zu machen und eine Ortsumgehung zu erhalten, die modernen und zukunftsträchtigen Anforderungen genügt: Weil sie zum Beispiel Platz für die Weiterführung des Radweges bietet, was bei der jetzigen Planung nicht berücksichtigt ist.

Wir Anlieger hoffen, dass der Marktgemeinderat in seiner Sitzung am 2. Dezember eine Entscheidung im Interesse und zum Wohle aller Bürger des Marktes Kirchenthumbach findet.

Bruno GeyerKirchenthumbach

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