NSU und der Fall Peggy
Spektakulärer Fund

In einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis an der Grenze von Bayern zu Thüringen hat ein Pilzsammler im Juli die sterblichen Überreste der kleinen Peggy gefunden. Nun gibt es Hinweise auf mögliche Querverbindungen zur rechten NSU-Terrorgruppe. Archivbild: dpa

Vor 15 Jahren verschwindet die neunjährige Peggy. Erst im Juli dieses Jahres haben Ermittler ihre sterblichen Überreste gefunden. Und nun das: Spuren eines Rechtsextremisten am Fundort.

Bayreuth. Es sind zwei Verbrechen, die zunächst wohl niemand zusammengebracht hätte: den Mord an der neunjährigen Peggy und jene Taten an den Opfern der rechten Terrorgruppe NSU. Doch jetzt haben Ermittler bei der Suche nach dem Mörder der Schülerin DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden - einem Mitglied des selbst ernannten "Nationalsozialistischen Untergrunds".

Diese Überraschung im Fall Peggy folgt nur wenige Monate auf den Fund der sterblichen Überreste des Mädchens aus Oberfranken. Erst im Juli entdeckte ein Pilzsammler ihr unvollständiges Skelett in einem Waldstück in Thüringen - 15 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens. Die Neunjährige aus Lichtenberg nahe Hof ist im Mai 2001 auf dem Heimweg von der Schule, aber nicht zu Hause angekommen. Kurz darauf nimmt die Polizei einen geistig behinderten Mann fest, den die Ermittler als den mutmaßlichen Mörder der Schülerin präsentieren. Der Mann wird 2004 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt - zehn Jahre darauf aber wieder freigesprochen. Ende September suchen Ermittler erneut die Umgebung um den Fundort der Skelettteile von Peggy ab - geben aber zunächst keine Erkenntnisse bekannt. Bis jetzt.

Ganz am Anfang


Im Rahmen der Spurensuche am Fundort werden derzeit zahlreiche Spurenträger untersucht, wie die Ermittler mitteilen. "Hierbei wurde jetzt DNA festgestellt, die Uwe Böhnhardt zuzuordnen ist." In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur zustande kam, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy steht, bedürfe weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen. Diese führten die Ermittler derzeit - und stünden dabei ganz am Anfang.

Der Rechtsextremist Böhnhardt hatte sich den Ermittlungen zufolge mit seinem Komplizen Uwe Mundlos im Sommer 2011 das Leben genommen. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Beate Zschäpe - sie ist das einzige noch lebende Mitglied des rechtsextremistischen NSU. Sie soll gemeinsam mit Böhnhardt und Mundlos laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. Das Trio aus Jena tauchte demnach nach einer Razzia in seiner Bombenwerkstatt 1998 ab und gründete eine Terrorgruppe.

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses verwiesen auch darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar ist. Die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König, fordert, nun müsse es einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

Keine Hoffnung auf Ruhe


Als im Juli die Knochen der kleinen Peggy gefunden wurden, hatte es in Lichtenberg, ihrer Heimat im Frankenwald, Hoffnung gegeben: dass der Ort zur Ruhe kommt, dass es einen Schlussstrich gibt. Mit dem Nachweis einer DNA-Spur von Uwe Böhnhardt dürfte diese Hoffnung vorerst ein Ende haben. Denn auch die Geschichte des NSU ist noch nicht zu Ende erzählt.
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