Nur Nachteile für die Oberpfalz
Strom durch die Heimat: Mega-Monstertrasse

"Sämtliche Monstertrassen sind vom Tisch", sagte Horst Seehofer nach dem Koalitionsgipfel. Die einzige künftige Stromtrasse in Bayern soll demnach entlang des Ostbayernrings, also über Marktredwitz, Mitterteich, Windischeschenbach, Etzenricht, Schwandorf, Deggendorf nach Landshut führen. Die Tennet GmbH plant bekanntlich, diese Leitung auszubauen und in zwei bis drei Jahren auf die etwa doppelte Kapazität zu erweitern. In diese Planungen sind erfreulicherweise Bürgergruppen in den betroffenen Gemeinden einbezogen. Um bei der Wortwahl von Seehofer zu bleiben, es entsteht also auf jeden Fall eine "halbe" Monstertrasse. Ich weiß nicht, wie man das nennt, wenn jetzt auf diesen Trassenverlauf nochmals die - schätzungsweise - doppelte Kapazität draufgepackt wird.

In den bisherigen Aussagen der Politiker wird so getan, als ob es keine weitere Stromtrasse gäbe, die in die gewünschte Richtung führt. Wer im Internet beim Umweltbundesamt nachschaut, wird eine Karte über das deutsche Verbundnetz finden. Auch ohne Hintergrundwissen sieht man zwei weitere Trassen, eine 220kV-Leitung, die von Erlangen, vorbei an Nürnberg, die Donau nördlich Ingolstadt kreuzend bis Landshut führt. Eine weitere 400kV-Leitung kommt vom nordbayerischen Redwitz (Ende des Ostbayernringes), macht einen weiten westlichen Bogen um dem Raum Nürnberg und geht bis in die Nähe von Ingolstadt, wo sie bestimmt mit einem kurzen Leitungsstück an die erst genannte Variante angeschlossen werden könnte.

Das Argument, es werde bei weitgehender Benutzung des bisherigen Ostbayernringes nur wenige zusätzliche Kilometer an neuen Leitungen geben, ist nicht tragfähig. Ebenso dürfte unstrittig sein, das auch Stromleitungen außerhalb der Oberpfalz technisch aufgerüstet werden können.

Die Politik macht es sich wieder sehr leicht und hofft, dass die Oberpfälzer in ihrer ruhigen Art auch diese Kröte schlucken. Ministerin Aigner sagte in Regensburg, dass die Oberpfalz die Hauptlast tragen muss. Die befragten CSU-Mandatsträger, insbesondere die der nicht betroffenen Landkreise (z. B. Neumarkt), äußerten sich zufrieden über den gefundenen "Kompromiss". Ein Ausnahmefall ist MdL Tobias Reiß aus dem Landkreis Tirschenreuth, der die technische Machbarkeit anzweifelte. Ich möchte betonen, dass ich nicht prinzipiell dagegen bin, den Windstrom durch die Oberpfalz zu leiten. Ich fände es aber nur recht und billig, wenn auch andere Alternativen geprüft würden und dann auch andere Regionen Nachteile in Kauf nehmen und nicht nur die Vorteile fordern. Hoffentlich hört man in nächster Zeit noch mehr Gegenstimmen.

Gerhard Häring, 92665 Altenstadt

Dezentraler Ausbau Erneuerbarer Energien

Wo bleibt der Aufschrei? Horst Seehofer hat den Bürgern versprochen, Monstertrassen zu verhindern - und wieder einmal nicht Wort gehalten. Klimapolitisch ist auch die Förderung von Gaskraftwerken unsinnig. Sie liefern wesentlich teurer den Strom als moderne PV-Großanlagen und Landwindkraftwerke. Und sie sind klimaschädlich. Denn Erdgas ist Methan (CH4) und ein CH4-Molekül hat etwa die dreißigfache Klimawirkung wie ein Kohledioxidmolekül (CO2). Man muss annehmen, dass wegen des bei Förderung und Transport und eventuell auch noch im Kraftwerk unverbrannt entweichenden Methans Erdgasstrom genauso klimaschädlich ist wie Kohlestrom. Das gilt für konventionelles Gas ebenso wie für gefracktes Gas.

Sauber und erneuerbar ist lediglich "Wind-Gas", das durch Methanisierung mit Hilfe von überschüssiger Windenergie gewonnen wird und das bereits heute 10 000 Haushalte beziehen. Die Bezieher sind allerdings Überzeugungstäter, denn gefördert werden solche zukunftsweisenden Projekte vom Staat nicht. Da steckt man lieber Milliarden in Monster-trassen, die angeblich Windstrom aus dem Norden transportieren sollen, aber voraussichtlich Kohlestrom nach Bayern liefern werden. Dieses Geld - das die Stromkunden bezahlen müssen - wäre besser angelegt in der Gebäudesanierung und im dezentralen Ausbau von Solar- und Windanlagen (in Bayern), die unschlagbar günstig und umweltfreundlich Strom erzeugen.

Sonja Schuhmacher, 92637 Weiden

Peinliches Ergebnis schön geredet

Tobias Reiß hat vollkommen Recht, wenn er sagt, dass die Verlegung der Strom-Seile eine Masthöhe von mindestens 80 Metern erfordert. Auch Albert Rupprecht hat die Meinung vertreten, dass durch die Nutzung von Bestandstrassen der Verlauf auf dem Ostbayernring immer wahrscheinlicher wird. Dies bedeutet, dass dadurch die Süd-Ost-Gleichstromtrasse quer durch die Oberpfalz verlaufen würde. Er riet Seehofer, diesen "vergifteten" Vorschlag Gabriels abzulehnen. Der Vorschlag kam aber ursprünglich von Ilse Aigner und Horst Seehofer, das liegt schon einige Wochen zurück. Hier der Wortlaut der Verlautbarung: "Wir sehen ja auch die nationale Aufgabe. Die Wechselstromtrasse nach Grafenrheinfeld, der Ostlink unter Nutzung bestehender Trassen nach Ingolstadt oder Landshut als Endpunkt, und von dem Südlink ein Stumpf nach Gundremmingen. Das ist unser Gesprächsangebot."

Das Ergebnis wäre nicht nur eine Monstertrasse, sondern eine Mega-Monstertrasse. Hier von einem geringeren Eingriff in die Landschaft zu sprechen, ist zynisch. Die Erdverkabelung kann nicht als Erfolg der CSU gewertet werden, denn die hat Gabriel schon vor Wochen durchgewunken. Noch vor wenigen Tagen betonten Seehofer, Aigner, Rupprecht und Reiß, dass der Bedarf bislang nicht festgestellt sei. Davon nun kein Wort mehr, obwohl mittlerweile das Gutachten des renommierten DIW vorliegt, welches eindeutig ist, "Die Süd-Ost-HGÜ-Passage wird nicht aus Gründen der Versorgungssicherheit benötigt, sondern dient der Aufnahme zusätzlicher Braunkohlestrom-Überschüsse; daher ist sie nicht nur energiewirtschaftlich nicht notwendig, sondern sie schadet den energiepolitischen Zielen Bayerns," lautet das Resümee der Wissenschaftler. Schlimm ist, dass Politiker auf der Ebene von Aigner oder Seehofer eine Niederlage nicht eingestehen können. Das wirkt um so peinlicher, je mehr sie versuchen, das Ergebnis schön zu reden.

Richtig peinlich sind die Auftritte von Alois Karl (Neumarkt) und Karl Holmeier (Cham). Beide sind nie als Widerständler gegen die Trasse in Erscheinung getreten, auch Reiner Meier und Barbara Lanzinger haben sich in dieser Beziehung nicht gerade hervorgetan. Desgleichen Uli Grötsch und Marianne Schieder, die vor einigen Wochen verkündeten, dass die nördliche Oberpfalz und somit die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/Waldnaab von der Trasse verschont bleiben würden, nachdem ihr Kollege Florian Post gesagt hatte, dass die Trassenführung entlang der A 93 käme. Mit Reiß und Rupprecht kann keiner der Genannten mithalten. Das wurde den BI-Aktiven nur zu oft schmerzlich bewusst.

Maria Estl, 95704 Pullenreuth
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