Oberflächenablauf ist nur Kosmetik
Leserbrief

Zu den jüngsten Berichten über die Blaualgenblüte im Eixendorfer Stausee (NT-Ausgaben vom 9. und 26. September) erreichte die Redaktion eine Zuschrift des Fischereivereins Neunburg vorm Wald:

"Mit Interesse hat der Fischereiverein die Berichterstattung über die ,grüne Brühe' verfolgt. Verwundert stellen wir fest, dass mit dem Oberflächenabzug alljährlich der gleiche Vorschlag der Tourismusfraktion zur Verbesserung der Gewässerqualität vorgetragen wird. Dies dient aber bestenfalls der Kosmetik, die Ursachen werden damit nicht angegangen. Ganz nebenbei - wir hätten uns ein ähnliches Engagement gegen den geplanten Wasserkraftneubau an der Vorsperre erwartet. Die derzeitige Situation ist nur ein kleiner Vorgeschmack, was uns bei einer möglichen Realisierung der Anlage erwartet. Der Fischereiverein favorisiert mit der Reduzierung der Nährstoffe im Einzugsgebiet des Sees eine nachhaltige Lösung. Leider konnte der Verein seinen Sachverstand in die aktuelle Diskussion nicht einbringen, weil wir zu keinem der Ortstermine eingeladen wurden.

Bereits in den 90er Jahren hatte der Verein über die damalige Staatssekretärin Marianne Deml Runde Tische angestoßen, wobei verschiedene Vorschläge diskutiert und Sofortmaßnahmen eingeleitet wurden. Beispielsweise wurde vom Wasserwirtschaftsamt die Vorsperre durch Verschließen der beiden Durchlässe als ,Nährstofff-Allee' umgestaltet. Die Fischerei versucht durch jährliche Entnahme von Brachsen und Güstern das Wachstum von algenfressendem Zooplankton zu fördern. Doch alle diese Maßnahmen können bestenfalls nur minimal flankierend wirken.

Mehr Erfolg versprachen sich die Experten damals von dem Beitrag der Landwirtschaft. Untersuchungen, Feldversuche und Beratungen sollten den Landwirten einen Weg zur gewässerschonenden Bewirtschaftung aufzeigen. Scheinbar sind diese Bemühungen an der ,Freiwilligkeit' gescheitert. Nach wie vor ist eine Zunahme der ,Vermaisung' auf ufernahen landwirtschaftlichen Flächen im Einzugsgebiet der Schwarzach zu beobachten. Die Agrarumweltprogramme des KULAP und der Vertragsnaturschutz, aber auch der geförderte Grundstückserwerb zur Ausweisung dringend notwendiger Uferstreifen, können gegen gewinnversprechende subventionierte Biogasanlagen nicht ,anstinken'. Eine spürbare Verbesserung der Situation im Stausee rückt damit in weite Ferne, da hilft auch kein Oberflächenabzug."

Michael ThronerVorsitzender des Fischereivereins92444 Rötz

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