Oberpfalz nicht so trostlos
Briefe an die Redaktion

Hohe Wellen schlägt der BR-Beitrag "Schöne Oberpfalz" nicht nur im Landkreis. Viele ehemalige Stiftländer haben sich die Sendung angeschaut - und ihre Heimat nicht wiedergefunden:

"Tief traurig habe ich den Beitrag gesehen. Ich bin in diesem Teil der Oberpfalz aufgewachsen und dann beruflich bedingt in Rheinland-Pfalz ansässig geworden. Noch heute habe ich die Verbindung zu meinem Tirschenreuth nicht abreißen lassen. So war ich umso entsetzter, diese schlecht recherchierte Sendung sehen zu müssen!

Wo sind die schönen Bilder des wieder entstandenen Stadtteiches? Dieses Gelände der Landesgartenschau 2013 wurde nur durch eine Holzbrücke mit einer ,Miss Tirschenreuth' thematisiert. Hier hätte sich eine schöne Gelegenheit geboten, die in Tirschenreuth sehr rührigen Segelflieger ins Spiel zu bringen und interessante Luftaufnahmen des Geländes zu zeigen.

Bei der Gelegenheit hätte man auch die Aussichtsplattform (die im Volksmund: Himmelsleiter genannt wird besser zeigen können und dabei auf den "Vizinalbahnradweg von Wiesau nach Bärnau (also fast bis an die tschechische Grenze) hinweisen können. Hier wiederum fehlte auch ein Hinweis auf den Geschichtspark, der durch eine Privatinitiative bei Bärnau entstanden ist.

Keine Erwähnung auch des Wintersportzentrums Silberhütte. Keine Bilder auch von der wunderschönen Basilika in Waldsassen mit ihrer berühmten Bibliothek. Auch die Stadtpfarrkirche von Tirschenreuth, wo schon seit vielen Jahren das "ewige Gebet" Tag und Nacht stattfindet, hätte eine Erwähnung verdient gehabt.

Keine Bilder auch von einer der schönsten Burgen Bayerns, der Burg Falkenberg, nicht Falkenstein. Kein Bild aus dem wunderschönen Waldnaabtal zwischen Falkenberg und Windischeschenbach

Zu Falkenberg wäre noch zu sagen, dass hier die Tradition der Zoigl-Wirtschaften besonders ausgeprägt ist und die "Falkenberger Zoiglmusikanten" mit Auftritten in Davos und Einladungen in das Reich der Mitte sicher eine Erwähnung verdient hätten. Hier hat man stattdessen auf eine Musikrichtung längere Aufnahmezeit verwandt, die z.B. in Krakau mit seiner reichen jiddischen Tradition seine Berechtigung hat. Hier aber in der nördlichen Oberpfalz hat die "Klezmer-Musik" keine lange Tradition, die es rechtfertigen würde, dermaßen langatmig auf diese Musikrichtung einzugehen.

Kein Wort auch zum sehr rührigen Kulturverein der mit seinen vielen Reisen - auch in das benachbarte Tschechien zu Opernbesuchen in Pilsen - zum kulturellen Leben von Tirschenreuth beiträgt.

Am Schluss sei noch auf zwei große Firmen hingewiesen, die durchaus auf Weltniveau angesiedelt sind: Die Firma "Hamm" in Tirschenreuth und die Firma "IGZ" in Falkenberg, die den Namen Tirschenreuth in der Welt bekannt gemacht haben. Wenn die nördliche Oberpfalz so trostlos wie in dem Bericht wäre, könnte einem Angst und Bange werden für diese wunderschöne Gegend.

Hubert Wystrichowski67141 Neuhofen

Städtische Arroganz und schlampige Arbeit

"Unter dem Titel ,Schöne Oberpfalz - im Norden' wurde am Neujahrstag eine kleine Sequenz meinem Heimatdorf Pirk, Markt Falkenberg, gewidmet. Durch das Aufzeigen ausschließlich negativer Elemente, wie sie in jeder bäuerlichen und städtischen Siedlung anzutreffen sind, ist der Eindruck eines verfallenen, vergammelten und ungepflegten Dorfes vermittelt worden. Es gibt schöne Bilder von meinem Geburtsort, die dem Titel "Schöne Oberpfalz" und dem üblichen Standard des Bayerischen Fernsehens gerecht würden.

Einige Dorfbewohner sind empört und einige sogar beleidigt über diese einseitig negative Darstellung ihres Dorfes. Aber nicht nur wegen der abfälligen Darstellung, sondern auch wegen des überfallartigen Vorgehens des Filmteams vor Ort. Eingefallen wie mediale Raubritter, ohne Kontakt mit den Bewohnern aufzunehmen. Keine Spur von Empathie, Kultursensibilität oder Respekt. Das erinnert mich an die oft respekt- und skrupellosen Touristen in Afrika, die ich als Plagegeister während meiner zehnjährigen Tätigkeit - auch als Repräsentant der Konrad Adenauer Stiftung - in Afrika ertragen musste.

Über Formulierungsstile kann man geteilter Meinung sein, aber nicht bei der geografischen Einordung. Es ist Pirk, Markt Falkenberg, und nicht Falkenstein. Diese falsche Einordnung wiederholte sich später auch bei der Aufzählung wichtiger Zoiglorte in der Oberpfalz. Ein Blick auf die Landkarte oder das Navi hätte ausgereicht.

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier inhaltlich mit einer gewissen hauptstädtischen Arroganz schlampig gearbeitet und technisch mit eilig-heißer Kamera vorgegangen wurde. Dies entspricht aber keineswegs dem beim bayerischen Fernsehen üblichen hohen Qualitätsstandard. Zu fordern ist deshalb zumindest eine Korrektur der Fakten.

Karl Weis71088 Holzgerlingen

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