Offensive Kreditpolitik führt zum Erfolg

"Banken-Hochzeit abgeblasen" über die gescheiterte Fusion der Volksbank Nordoberpfalz mit der VR Bank Amberg:

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über strukturelle Änderungen in der "Bankenlandschaft" berichtet wird. Angesichts des schwierigen Umfelds ist von Stellenabbau, Filialschließungen, Änderungen der Öffnungszeiten u. a. zu lesen. Es geht schlichtweg um erhebliche Kosteneinsparungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Vor Jahren hat das noch niemand für möglich gehalten, mit welchen Herausforderungen die Kreditinstitute seit geraumer Zeit konfrontiert sind.

Den Aussagen in der Berichterstattung ist zu entnehmen, dass bei den Verhandlungen zwischen der Volksbank Nordoberpfalz und der VR Bank Amberg der Stolperstein das Kreditgeschäft gewesen sein soll. Die VR Bank Amberg beschreite einen zurückhaltenden Weg mit einer niedrigen Ausleihquote, während die VB Nordoberpfalz einen offensiven, expansiven Kurs mit einer hohen Ausleihquote verfolge. Nach meiner Einschätzung zeigen die Banken derzeit insgesamt ein defensives Verhalten bei der Kreditvergabe, da bei dem aktuellen Zinsniveau nur geringe Margen erzielbar sind und die Risikobereitschaft niedrig ist. Höhere Margen ergeben sich nur bei entsprechenden Risiken. Daran ändern auch die enormen Vertriebsaktivitäten der KfW Mittelstandsbank sowie der LfA Förderbank Bayern nichts, wenn die Hausbanken eine eher konservative Kreditvergabe verfolgen. Die Beraterschaft des Mittelstands (Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater) dürften aufgeatmet haben, dass die VB Nordoberpfalz ihr Geschäftsmodell der offensiven Kreditpolitik nicht zugunsten einer Fusion geopfert hat. Nur der Weg der offensiven Kreditpolitik führt zum Erfolg. Es geht darum, den Unternehmen das Geld zur Verfügung zu stellen, das sie brauchen, um Investitionen zu tätigen und Arbeitsplätze zu schaffen. Es ist kaum nachvollziehbar, wenn Banken davon ausgehen, dass mit Einlagengeschäft ("Sammelstelle für Kundengelder", Direktor Ludwig) das notwendige "Kleingeld" verdient werden kann, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Die Beraterschaft wendet sich vertrauensvoll an die Kreditinstitute, mit denen das Kreditgeschäft möglich ist. Dabei ist selbstverständlich, dass diese Institute nicht nur das "Risikogeschäft", sondern auch die "sicheren Geschäfte" machen werden. Der Mittelstand muss sich auf die Kreditversorgung verlassen können. Die Praxis zeigt, dass viele Unternehmen unterschiedlicher Branchen unterfinanziert sind. Das beginnt schon beim Existenzgründer, der oftmals nur ein Mindestmaß an Krediten erhält. Bei unvorhersehbaren Ereignissen, wie z. B. Forderungsausfällen sind oftmals die Zahlungsunfähigkeit und damit eine Insolvenz des Existenzgründers programmiert. Die Suche nach Kapitalgebern ist häufig eine Katastrophe.

Im Ergebnis ist Direktor Gerhard Ludwig uneingeschränkt zuzustimmen, dass die Geschäftspolitik der offensiven Kreditvergabe die einzig Richtige ist. Es ist festzustellen, dass die einen bestimmte Entwicklungen früher und die anderen eben später erkennen. Insoweit stellt sich nur die Frage, "wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Geschäftspolitik" ist. Vor diesem Hintergrund sollten sich die Unternehmen mit ihrer mittelfristigen Finanzplanung auseinandersetzen. Auch Unternehmen, die derzeit keine finanziellen Sorgen haben, sind aufgefordert, ihre Finanzierungssituation zu prüfen.

Das Zinsniveau hat den Tiefpunkt erreicht und die Kreditvergabepraxis wird kontrovers diskutiert. Jeder ist gut beraten, seine Unternehmensplanungen zu überarbeiten und die Sicherung der Liquidität in den Vordergrund zu stellen, um nicht "zum falschen Zeitpunkt auf dem falschen Fuß" erwischt zu werden.

Harald Bächer, 92637Weiden
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