Olympische Kultur im Pilsener Umland

Eishockey- und Fußballfan: Jirí Strucek, Pilsens stellvertretender Bezirkshauptmann, ist gelernter Ökonom, war in der Industrie beschäftigt und später Berufsschulrektor. Erste Erfahrungen mit der Politik machte der 47-Jährige in der Verwaltung, dann als Bürgermeister der Stadt Tachov. Sein Wunsch für Pilsen 2015: "Alle Veranstaltungen mögen uns gut gelingen." Bild: Herda

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper: Der Bezirk Pilsen steuert eine Kinder- und Jugend-Olympiade zum Jahresprogramm bei. Der stellvertretende Bezirkshauptmann Jirí Strucek (CSSD) sieht bei der Umsetzung der "bedeutendsten Kulturauszeichnung in der Geschichte" Stadt und Land Hand in Hand.

Herr Strucek, welche Bedeutung hat das Kulturhauptstadtjahr 2015 für die Region Pilsen und was ist Ihre Rolle dabei?

Strucek: Dieser Titel ist die bedeutendste Kulturauszeichnung in der Geschichte der Stadt. Deshalb haben wir uns entschlossen, uns gegenseitig zu unterstützen. Stadt und Region gehören zusammen. Es wäre verschenkt, wenn dieses Jahr nur in der Stadt Spuren hinterlassen würde. Unsere Rolle als Bezirk ist dabei, die regionalen Programmpunkte auszuwählen und zu organisieren.

Sie haben bei der Entwicklung des Programms mitgewirkt?

Strucek: Vor zwei Jahren haben sich Stadt und Bezirk in einem Memorandum auf eine programmatische Grundlinie geeinigt. Dazu gehören die Themenkomplexe "Westböhmischer Barock" und die sogenannte "Lebendige Kultur". Wir steuern eine Kinder- und Jugendolympiade im Juni 2015 bei, die auch die Europäische Kommission positiv gewürdigt hat. Bei der größten Veranstaltung ihrer Art werden 2500 junge Sportler im Alter von 11 bis 17 Jahren die tschechischen Bezirke präsentieren. Insgesamt sind 3000 Leute beteiligt, ein auch im Rahmen der EU einzigartiges Projekt, das einer richtigen Olympiade sehr nahe kommt - inklusive Entzünden des Feuers.

Unter Einbeziehung aller olympischen Disziplinen?

Strucek: Wir haben 18 Disziplinen im Programm - Fußball, Handball, auch Disziplinen für Sportler mit Handicap und ein Begleitprogramm mit Fotowettbewerb und einem Vergleich im "Schreiben an der Tastatur" - da geht's um Geschwindigkeit und Qualität. Immerhin kommt die neunfache Weltmeisterin im Tastaturenschreiben, Helena Zaviacicová, aus Tschechien. Die schreibt schneller als ich spreche, mit 928 Anschlägen pro Minute. Und für alle Sportarten laden wir einen eigenen Botschafter ein - Welttorwart Petr Cech für Fußball, Olympiasiegerin Katerina Emmons für den Schießsport, Filip Jícha, der bei THW Kiel spielt, für Handball - guter Mann, ich war neulich auf Einladung in Kiel.

Wann holen Sie Petr Cech ganz zurück nach Pilsen?

Strucek: (lacht) Dafür reicht wahrscheinlich das komplette Budget von Viktoria nicht aus.

Was ist unter dem Programmpunkt "Lebendige Kultur" zu verstehen?

Strucek: Eine breite Mischung aus Amateur- und Profikultur von Musik über Theater bis zur bildenden Kunst. Dazu zählen auch die Veranstaltungen im Rahmen des Festivals "Neun Wochen Barock". Ein Gesamtkunstwerk mit Musik, Festen aber auch einem Barockfeuerwerk wie in Schloss Manetín. Überhaupt ist die Resonanz auf die Veranstaltungen in der Region sehr gut. Es gibt Vorverkaufsstellen und regionale Infozentren für alle Veranstaltungen.

Wie viele der 600 Veranstaltungen finden außerhalb der Stadt Pilsen statt?

Strucek: Schwer zu sagen, teilweise finden sie in der Stadt und auch in der Region statt. Ich würde sagen, ein Drittel findet in den Städten und Dörfern des Bezirkes statt. Exklusiv haben wir zum ersten Mal seit 300 Jahren eine barocke Krönungsoper in der Reithalle Svetce.

Erwarten Sie durch das Kulturhauptstadtjahr auch mehr Besucher in der Region?

Strucek: Da bin ich sehr zuversichtlich. Wir arbeiten eng mit der Gesellschaft Pilsen-Tourismus zusammen. Wir haben die Gründung dieser Institution stark unterstützt und deshalb kein eigenes Büro eröffnet. Den Besuchern werden Pakete angeboten, so dass sie oft nicht nur in unserer Region herumkommen, sondern sogar im Böhmerwald landen. Umgekehrt bewerben wir, wenn wir als Bezirk auf Messen gehen, auch die Stadt.

Funktioniert die Zusammenarbeit mit dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister noch besser?

Strucek: Die Zusammenarbeit war schon bisher ausgezeichnet, und ich will hoffen, dass es dabei bleiben wird. So haben wir das bedeutende Baudenkmal der Reithalle Svetce als gemeinsamen Veranstaltungsort von Pilsen 2015 auserkoren - ein Symbol der guten Zusammenarbeit.

Haben die Kulturpolitiker der CSSD eine etwas andere Herangehensweise, etwa den Wunsch nach einem Programm für den Geschmack breiter Bevölkerungsschichten?

Strucek: Ja, wir haben uns dafür eingesetzt, dass Programmpunkte für Normalbürger nicht zu kurz kommen. Aber auch alternative Veranstaltungen haben ihren Platz. Also Rock für breite Massen und ein Workshop "Singende Gärten" für Liebhaber.

Nennen Sie uns Ihre drei Lieblingsveranstaltungen?

Strucek: Chronologisch ist das die feierliche Eröffnung am 17. Januar, dann eines der vielen Rockfestivals und die Aufführung mit den riesigen Marionetten. Es sind vielleicht nicht die wichtigsten Veranstaltungen, aber es sind die, die ich mir sicher nicht entgehen lasse.

Was bleibt von Pilsen 2015?

Strucek: Was blieb von Marseille, Kosice, Graz? Die Erfahrungen aus Linz zeigen, die Besucherzahlen gingen nach oben und blieben auch danach auf hohem Niveau. Ich gehe davon aus, dass das auch bei uns so sein wird. Die Leute kommen wieder, wie auch nach Kosice, die Bürger identifizieren sich stärker mit ihrer Stadt und Region, der Titel bleibt.

Sind Sie für eine Institutionalisierung der P15-Gesellschaft?

Strucek: Ein kleines Koordinierungsteam wird es auch weiter geben.
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