Organspenden: kaum Transparenz

Zum Thema Organspende:

Es wird sehr viel von Aufklärung über den Bereich Organspende und über Transparenz im ganzen Transplantations-Wesen gesprochen. Bis heute habe ich noch in keinem Aufklärungs-Artikel einer Krankenkasse zum Thema Organspende oder durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO ) davon gehört, wie es mit der Bezahlung der weiteren Intensiv-Behandlungskosten für den Todkranken steht, wenn dieser in seinem Organspendeausweis oder wenn seine Angehörigen bei Befragung eine Organspende ablehnen, aber eine Weiterbehandlung trotz "Hirntoddiagnose" wünschen.

Der Ausdruck "Hirntod" soll seit dem 30. 3. 2015 nicht mehr gebraucht werden, sondern stattdessen der Begriff "irreversibler Hirnfunktionsausfall". An jenem Tag wurde das neue Regelwerk zum Transplantationsgesetz durch das Bundesministerium für Gesundheit genehmigt.

Der ärztlicherseits festgestellte "irreversible Hirnfunktionsausfall" eines Patienten wird in einer amtlichen Sterbeurkunde als Tod des Patienten dokumentiert. Ein Schwerstkranker mit irreversiblem Hirnfunktionsausfall kann aber ohne Organ-Explantation noch Stunden bis Wochen weiterleben (oder im Extremfall überleben). Werden in dieser Zeit pflegerische und ärztliche Maßnahmen beansprucht, haben deren Kosten der Sterbende/Verstorbene bzw. seine Angehörigen zu tragen. Das Bundesministerium für Gesundheit, die Krankenkassen, die DSO und die Bundesärztekammer schweigen über dieses Übereinkommen.

Organmangel ist ein strukturelles Problem. Mit Aussagen wie "wegen mangelnder Organspendebereitschaft sterben täglich drei Patienten, die auf ein Organ warten" wird moralischer Druck aufgebaut. Diese Patienten auf der Warteliste sterben primär, weil sie eben sterbenskrank sind. Der Organbedarf selbst steigert sich systemimmanent. Die Gründe sind: 1. Für immer mehr Krankheiten wird ein neues Organ als effektivste Therapie angesehen. 2. Alle schon transplantierten Patienten landen nach Organabstoßung bevorzugt wieder auf der Warteliste, um eine neuerliche Organtransplantation zu erfahren (d.h. ein einziger Nierentransplantierter bekommt möglicherweise mehrere Nieren im Laufe seines Lebens transplantiert) 3. Die Anzahl von Multi-Organtransplantationen steigt (d.h. ein Patient bekommt bei einer Operation mehrere Organe gleichzeitig implantiert).

Die Warteliste wird aus allen diesen Gründen immer viel länger sein bzw. der Organbedarf größer, als die Zahl gespendeter Organe. Aufklärung und Transparenz sehen anders aus als das, was die Krankenkassen und die DSO dazu anbieten.

Dr. Maria Macht, 92637 Weiden
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.