Orkantief Niklas - Feuerwehren im Dauereinsatz - Bahn stoppt Zugverkehr [mehrfach aktualisiert]
Schlechtwetterfront durchquert die Oberpfalz

Unter anderem im Landkreis Amberg-Sulzbach gab es bis Dienstagnachmittag bereits etliche Alarmierungen wegen des Wetters, hier auf der B 85 zwischen der Abfahrt Europastraße und Happy Rock. (Bild: gf)
 
Bei Pegnitz in Oberfranken fuhr ein mit 140 Passagieren besetzter DB-Regionalexpress auf im Gleis liegende Baumstämme. Bild: dpa
 
Dieser vom Sturm umgekippte Baum lag am Dienstagvormittag gegen 11 Uhr auf der St.-Peter-Straße in Tirschenreuth. Das Foto hat uns Lukas Bergauer bei Facebook zukommen lassen. Danke dafür!

Weiden/Amberg. Das Orkantief «Niklas» ist mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 190 Stundenkilometern über Bayern gefegt und hat Bäume umgerissen, Lastwagen umgekippt und Dächer abgedeckt. Mehrere Menschen wurden verletzt.

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) wurde am Nachmittag komplett eingestellt. Bei den Regionalbahnen waren einzelne Strecken gesperrt. Der Münchner Hauptbahnhof wurde wegen Orkanschäden geräumt. Dort hatten sich Dachfenster durch den Sturm verschoben und drohten herabzustürzen.

Mehrere Verbindungen sind wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt. Im gesamten Regionalverkehr gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der "Alex Nord" zwischen München und Hof sowie der "Alex Süd" zwischen München und Kempten / Oberstdorf sowie die Oberpfalzbahn zwischen Marktredwitz und Regensburg wurden vorübergehend eingestellt. Aktuelle Informationen gibt es auf den Websites von Alex (Link) und Oberpfalzbahn (Link).



Besonders schlimm wütete der Sturm zunächst in Schwaben und Oberbayern. Aber auch die Rettungskräfte in der Oberpfalz waren im Dauerstress. Bilder von gf und Wolfgang Steinbacher.


Mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 150 Stundenkilometern hat Orkantief «Niklas» Bayern heimgesucht und für massive Verkehrsbehinderungen und auch für Gebäudeschäden gesorgt. Bilder: dpa

Einsatzflut

Besonders schlimm wütete der Sturm zunächst in Schwaben und Oberbayern. «Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um», beschrieb ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd die Einsatzflut. Meldungen gab es aber auch aus den anderen Landesteilen. Im Allgäu wurde ein Mensch leicht verletzt, als ein Baum auf ein fahrendes Auto krachte. In Kaufbeuren wurde das Dach eines Supermarktes teilweise weggerissen. Die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz mit Sitz in Weiden registrierte bis 16 Uhr 606 Mitteilungen und Notrufe über Unwetterschäden. Zu 307 Einsätzen rückten die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk ausrücken. Größtenteils wurden Bäume entwurzelt und Straßen blockiert.

Wie die Bahn berichtete, kam es wegen witterungsbedingten Störungen in Bayern zu Verspätungen und auch Zugausfällen im Regional- und ICE-Verkehr. Davon war besonders die Fernstrecke zwischen München und Stuttgart betroffen. Zunächst war zwischen München-Pasing und Olching ein Baum ins Gleis gestürzt. Später gab es einen Oberleitungsschaden bei Mering. Es stand nach Angaben eines Bahnsprechers zunächst nicht fest, wann der Verkehr im Bereich zwischen München und Augsburg wieder freigegeben kann.

Auf den Autobahnen und anderen Straßen kam es nicht nur durch abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume zu Behinderungen, es wurden auch Fahrzeugteile über die Fahrbahnen geweht. Im Münchner Norden wurde auf der A9 ein Verkehrsleitsystem demoliert, die Fahrer wurden vor herunterhängenden Metallteilen gewarnt.

Auf der 2962 Meter hohen Zugspitze wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes schon am Morgen Böen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde erreicht. «Da spricht man schon von extremen Orkanböen», sagte ein Meteorologe. Auch in München wurden Böen mit mehr als Tempo 100 gemessen.

Wegen des aufziehenden Orkans schlossen die Tierparks in München und Augsburg kurzfristig. «Bei orkanartigen Böen besteht beim alten Baumbestand Hellabrunns eine starke Gefahr vor herunterfallenden Baumteilen», sagte der Münchner Zoodirektor Rasem Baban. In den deutschen Alpen wurden zahlreiche Skigebiete dicht gemacht. Zudem herrschte erhebliche Lawinengefahr.

In Weiden hielt eine Kiefer an der Straße zwischen dem Orstschild und dem Schützenhaus Alpenrose gegen 10 Uhr „In der Weiding“ nicht stand. Der Baum krachte auf die Straße und blockierte die Gleise. Die Feuerwehr Neunkirchen räumte die Bahnlinie. Die Bahnpolizei, die ebenfalls am Einsatzort war, rückte anschließend zu einem weiteren Sturmeinsatz nach Schwarzenbach bei Pressath ab.

Entwurzelte Bäume

Am späten Montagabend gab das Polizeipräsidium Oberpfalz bekannt, zwischen 11.35 Uhr und 20.15 Uhr seien am Montag über die integrierten Leitstellen und den Notruf etwa 25 Mitteilungen über Unwetterschäden an die Einsatzzentrale Oberpfalz gemeldet worden. Mehr als die Hälfte der Anrufe habe sich auf entwurzelte Bäume bezogen, die durch die Feuerwehren zu beseitigen waren. Auch Bauzäune und Werbeeinrichtungen hielten dem Sturm nicht stand, heißt es in einer Pressemitteilung.

Auf der B 85 im Bereich Sulzbach-Rosenberg drückte laut Polizei gegen 14.30 Uhr eine Windböe einen Laubbaum um, der in der Nähe einer Bahnunterführung auf die Fahrbahn und unmittelbar vor einen in Richtung Edelsfeld fahrenden Pkw fiel. Der 70-jährige Pkw-Lenker blieb unverletzt. An seinem Pkw entstand allerdings ein Sachschaden von rund 10.000 Euro.

Dach abgelöst

Gegen 18 Uhr löste sich vom Dach einer stillgelegten Brauerei in Neunburg vorm Wald ein etwa zwei mal fünf Meter großes Blechteil teilweise ab und drohte herunterzufallen. Die vorbeiführende Straße „Am Aign“ musste gesperrt werden. Die Arbeiten an dieser Stelle wurden am Dienstagmorgen fortgesetzt.

In Neutraubling versetzte der Wind ein Spargelverkaufshäuschen auf die Fahrbahn. In Regenstauf wurde ein Teil des Freisitzmobiliars einer Eisdiele auf die vorbeiführende Straße gefegt. Doch der Schaden hält sich in Grenzen und verletzte Personen sind der Polizei nicht bekannt. Gegen 20.15 Uhr beruhigte sich das Wetter zunächst. Doch die Wettervorhersagen verheißen für die folgenden Tage nichts Gutes.

Orkanartige Böen halten an

Am Dienstag zieht das Sturmtief "Niklas" von der Nordsee zur Ostsee. Die Kaltfront überquert dabei auch Bayern von Nord nach Süd. Am Dienstagvormittag müsse im Flachland mit schweren Sturmböen mit einer Geschwindigkeit um 90 km/h gerechnet werden, heißt es vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Im Alpenvorland sowie in freien Lagen seien auch orkanartige Böen mit bis zu 110 km/h möglich. Extreme Orkanböen seien zudem in Kammlagen und auf den Alpengipfeln zu erwarten. Ab Mittag seien einzelne Gewitter mit Orkanböen möglich.

Die Entwicklung des Orkantiefs im DWD-Video:


In der Nacht zu Mittwoch lasse der Wind dann allmählich nach, heißt es vom DWD. Dennoch seien auch dann noch Böen, Sturmböen sowie Graupel- und Schneeschauer möglich, mit bis zu 20 Zentimetern Neuschnee an den Alpen. Mit Regen müsse vor allem an den Alpen und am Bayerischen Wald gerechnet werden.

Die Unwetterzentrale hat bis Donnerstag die zweite Warnstufe herausgegeben (siehe Links rechts oben).
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