Ostern in Böhmen und Mähren
Skurrile Bräuche zwischen Böhmerwald und Prag

Eierfärben mit Jana Slámová (links) nach alter tschechischer Tradition lernen die Kinder im Pilsener Volkskundemuseum. Bild: Museum

Skurrile Bräuche zwischen Böhmerwald und Prag: Ein Streifzug durch das Land böhmakelnder Eierkünstler und Rutenflechter.

Pilsen/Prag/Prachatitz/Liboteinitz. Velikonoce, die groß(artig)e Nacht, wie Ostern jenseits der Grenze heißt, wurde bei unseren Verwandten in Prachatice bereits vor der politischen Wende groß gefeiert, erzählt Jarda Soukup. Auch das Regime hatte nichts dagegen, wenn die Bürger Südböhmens den Frühling willkommen hießen. An Ostern zu Besuch bei der Familie heißt aber vor allem Schlemmen: Lammbraten, pecené jehnecí, kommt bei Tante Brennerová auf den Tisch. Das Deftige muss ins Runde. "Noo, hast erscht drei knedliky, smekt dir hajte nicht?" Und ehe man die Hand aufs Glas legen kann, hat Onkel Brenner schon wieder ein Stamperle Slivovice nachgeschenkt: "Muss sich gut nachspylen."

Inzwischen wird der Braten oft von symbolischen Osterlämmern (Velikonocní beránek) verdrängt - ein Kuchen aus Biskuit, gefüllt mit Nüssen und Rosinen - postsozialistisch auch beliebt in Hasen-, Bären- oder Herzform. In den meisten Osternestern finden sich bunte Häschen, Küken und Lämmer aus Lebkuchenteig.

Nicht von ungefähr nennen die Tschechen ihre handbemalten Ostereier "kraslice ", von krasný (schön). Traditionell dekorieren die Mädchen die hohlen Schalen und verschenken sie am Ostermontag an begehrte Burschen - mit Bienenwachs, Stroh, Zwiebelschalen oder Abziehbildern werden Klischees für die Muster fabriziert. Der Ehrgeiz, das Ei des Kolumbus zu gestalten, führt zu nationalen Osterei-Schönheitswettbewerben in vielen tschechischen Städten.

Batik ist bei deutschen Kunden am beliebtesten, sagt Milena Rudolfová . Sie verkauft ihre Kleinode am Prager Ostermarkt . "Mit heißem Wachs skizziere ich Ornamente und mit diesem Grundmuster tauche ich das Ei in gelbe Farbe." Auf Stellen, die gelb bleiben sollen, trägt sie mit einer Stecknadel Wachs auf. "Dann tauche ich das Ei in rote Farbe und bin mit dem Färben fertig." Letzter Arbeitsgang: "Ich hänge es über ein Flämmchen, das Wachs tropft ab und das mehrfarbige Ei wird sichtbar." Das fertige Ei fädelt sie auf eine Schnur.

"1998 haben wir die ,Vereinigung der Ostereimaler ' gegründet", sagt Olga Hovorková . "In unserer Galerie sind 1200 Eier ausgestellt, insgesamt umfasst die Sammlung 3000 Stück." Die Vorsitzende des Vereins ist auch Leiterin des kleinen Museums, der Eier-Galerie im nordböhmischen Libotenice (Termin per Telefon 00420-416-848 088). "In Mähren gibt es die meisten Maler." Dort wurden die Eier gezielt für den Verkauf produziert.

Das sanfte Auspeitschen von Mädchenwaden mit frischen Weidenzweigen wird von den jungen Frauen geduldet: "Seit Jahrhunderten ziehen die Burschen am Ostermontag singend durchs Dorf auf der Jagd nach schönen Beinen", sagt lachend Uni-Absolventin Jana Slámová vom Národopisné muzeum, dem Pilsener Volkskundemuseum (nám. Republiky 106/13, täglich außer Montag, 10-18 Uhr). "Die symbolische Geißelung soll den Damen im kommenden Jahr Schönheit und Gesundheit verleihen." Die Ruten, pomlázky, werden aus acht Weidenästen geflochten und mit bunten Bändern geschmückt - heute bekommt man sie saisonal in den meisten Geschäften. Eine Variante des Brauchs in Mähren ist, die Mädels nass zu spritzen. Jarda aus Prachatice kann der Sitte einiges abgewinnen: "Es sieht besser aus und man muss sich nicht so anstrengen." Der Effekt soll ähnlich sein.

Diesseits und Jenseits der Grenze

Mitterteich: Beim traditionellen "Oierhiartn" am Johannisplatz am Ostersonntag, 13 Uhr, schlagen die Teilnehmer ihre hartgekochten Ostereier solange gegeneinander, bis nur noch eines mit intakter Schale übrig ist.

Bärnau: Der Geschichtspark Bärnau-Tachov lädt am Ostermontag (28. April) zum Osterfest auf mittelalterliche Art. Darsteller zeigen österliche Bräuche und Traditionen aus dieser Zeit.

Neusath-Perschen: Am Ostermontag ab 12 Uhr zeigen Alena Mrázková und Pavel Koželousek aus dem Bezirk Pilsen im Freilandmuseum, wie sie Ostereier in Wachs- und Madeiratechnik verzieren und Osterpeitschen herstellen. Anschließend von 13 bis 15 Uhr kostenlose Führungen. Ab 13 Uhr sind alle Kinder zur Ostereiersuche eingeladen.

Prag: Ostermärkte mit Kunsthandwerk, Volksmusik und Tanz haben sich in der Hauptstadt am Altstädter Ring und am Wenzelsplatz etabliert (bis 11. April). In der Kinderwerkstatt darf der Nachwuchs das Flechten von Osterruten oder Eierfärben üben. Das Ständetheater lädt am 2.4. zum Osterkonzert mit Musik des Barockmeisters Antonio Vivaldi www.narodni-divadlo.cz

Pilsen: Ostermarkt (bis 30. März) auf dem Námestí Republiky mit Kunsthandwerk und im Zoo Pilsen, Pod Vinicemi 9, Vorführung traditioneller Bräuche vor den Bauernhäusern.

Ceský Krumlov (Südböhmen): Das kleine Weltkulturerbe stellt einen Ostermarkt (bis 28. März) auf die Beine - das pittoreske Städtchen mit dem historischen Freilichttheater samt Drehbühne im Schlossgarten hat Passionsspiele im Klostergarten im Programm (www.ckrumlov.info).

Schloss Krivoklát (Mittelböhmen) lädt zum "Königlichen Ostern" (bis 28. März) mit Markt, Konzerten und Theatervorstellungen (www.krivoklat.cz).

Schloss Veltrusy (Mittelböhmen): Ostermarkt (bis 31. März) mit historischen Ständen und Kulturprogramm im Schlosspark (www.zamek-veltrusy.cz).

Pelhrimov (Südböhmen): Das Museum der Rekorde und Kuriositäten beherbergt ein Osterei aus 4877 Streichhölzern und 9988 Streichholzköpfen, eine knapp 6 Meter lange und eine winzige Osterrute aus Haaren geflochten (www.dobryden.cz).

Prerov nad Labem (Mittelböhmen): Das Freilichtmuseum lädt zum "Frühling auf dem Dorf". So wurde Ostern früher gefeiert (Ausstellung bis 10. Mai, http://polabskemuzeum.cz).
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