Papst Franziskus folgt in seinen Reden Jesus Christus nach

Zum KNA-Artikel "Ich will keinen Polit-Papst" vom 17. Dezember 2014 über die Einschätzung von Papst Franziskus durch den Schriftsteller Martin Mosebach:

Aus den Äußerungen von Martin Mosebach ("Ich habe seinen [Benedikts] Rücktritt sehr bedauert") ist unschwer die Enttäuschung eines älteren Mannes abzulesen, dessen konservative Vorstellungen nicht im Einklang mit dem Verhalten eines Papstes Franziskus stehen. Dabei hat dessen Pontifikat doch erst begonnen. Außerdem ist es für Papst Franziskus bestimmt nicht leicht, in einer Umgebung von lauter Superprofessoren, die mit ihrer Meinung (auch über ihn) nicht unbedingt hinterm Berg halten, Position zu beziehen.

So ist es wohl verständlich, dass er auch zu Maßnahmen greift, mit denen manche nicht gerechnet haben und ihn dann als "Herrscher" entlarven. Der eine oder andere Kurienkardinal wird ihn allerdings verstehen, wenn er an seine Zeit denkt, als er noch Diözesanbischof war. Andererseits lässt die nicht ganz uneigennützige Interviewfreudigkeit seiner Kurienkardinäle doch auch die ihm zur Last gelegte "Verschlossenheit" und schwere "Einschätzbarkeit" verstehen (sh. "Die fünfzehn Krankheiten der Römischen Kurie", vorgestellt von Papst Franziskus bei dessen Weihnachtsempfang am 22. Dezember 2014). Nur so nebenbei: Ein "Herrscher" führt keine Befragungen durch und bittet auch nicht die Bischöfe der ganzen Welt um Vorschläge, damit eine möglichst gute Lösung gefunden wird. Papst Franziskus ist sich offensichtlich bewusst, dass der Geist des Herrn weht, wo er (Gott) will, und nicht, wie vielleicht manche meinen, nur dort weht, wo sie es für richtig halten.

Papst Benedikt XVI. hat eine Entscheidung getroffen, die zu respektieren ist, auch wenn manche Leute glauben zu erkennen, dass seine Rücktrittserklärung nicht ordnungsgemäß erfolgt ist und sich so vielleicht eine Rückkehrmöglichkeit eröffnet (wie man dem Internet entnehmen kann).

Der "Bergoglio-Style": Ist es so schlimm, wenn man als Papst keine roten Schuhe trägt? Hat Jesus oder haben die Apostel eine Kleidervorschrift oder wenigstens Empfehlung hinterlassen, auch im Hinblick auf seine Wiederkunft? Ist er als Sohn Gottes in mit Gold verwebten Gewändern und purpurnen Schuhen aufgetreten? Wenn man aber will, kann man für so manchen Schwachsinn eine plausible Begründung konstruieren, um dahinter die eigene Eitelkeit zu verbergen.

Und wenn man unter dem Gebot des Gehorsams auch andere dazu verpflichtet, dann scheint die Pracht (auch das ist eine Frucht des Zeitgeistes, wenn auch vergangener Jahrhunderte) notwendig zu sein, und der wahre Grund wird dann noch weniger deutlich. Ich wundere mich, dass nicht auch die Tiara gefordert wird, denn nichts verdeutlicht den gläubigen Kindern mehr den König als eine Krone. Natürlich steht den "Königsvertretern" auch ein Palast zu. Wer darf sich dann noch an dessen Kosten stoßen?

Der Menschensohn (Gottessohn) aber hatte keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen konnte (sh. Mt 8,20). Übrigens, in der Offenbarung des Johannes las ich, dass die Heiligen im Himmel nur in weißen Gewändern vor Gottes Thron stehen. Sind angesichts dessen für manche die "schweren Brokatmäntel" auf Erden so wichtig, weil im Himmel es damit offensichtlich vorbei ist? Außerdem sollte man jemand, bei dem Bescheidenheit sichtbar wird, nicht eine vorgetäuschte Askese unterstellen.

Franziskus - ein Polit-Papst? "Ich hätte lieber einen Papst, der gar keine Reden hält." (Mosebach)

Wenn ich die Evangelien lese, dann hat Jesus, bevor er die Eucharistie eingesetzt hat, drei Jahre lang bei den verschiedensten Gelegenheiten (auch außerhalb des Tempels oder der Synagoge) Reden gehalten, wobei er natürlich dabei auf Gottes Willen eingegangen ist. Ja, sogar bei Zöllnern und Sündern ist er eingekehrt. Haben nicht auch ihm die Menschen zugejubelt, wenn auch nicht immer?

Was ist daran so schlimm, wenn ein Papst dem Beispiel Jesu zu folgen versucht? Haben dies nicht auch Benedikt XVI. und Johannes Paul II. probiert? Ich glaube, dass manche Leute selbst an Jesus einiges auszusetzen hätten, wenn er heute unerkannt auftreten würde. Wer nichts versucht, hat von vornherein verloren. Papst Franziskus sollte daher nicht der Vorwurf gemacht werden, dass er "die Kirche neu erfinden" will. Von dem abgesehen setzt jeder andere Prioritäten. Für manchen Dogmatikprofessor sind z. B. Bücher sehr wichtig. Wenn der Hirte aber seine ganze Aufmerksamkeit der Herde widmet, bleiben ihm viele Überraschungen erspart.

Einen Rückgang an Gläubigen oder geistlichen Berufungen würde ich aber keinem Papst anlasten. Trotzdem denke ich, dass die Kirche ihre heutige Situation neben vielen anderen Einflüssen auch der Karnevalstheologie ("Wir kommen alle, alle in den Himmel") der letzten Jahrzehnte, gepaart mit einer kumpelhaften Ehrfurcht vor dem höchsten Gut, verdankt. Wer verstümmelte Samenkörner aussäen lässt, sollte sich über eine Missernte nicht wundern.

"Päpste sind Hüter der Kontinuität" (Mosebach)

Ich glaube, dass dies auch Papst Franziskus für sich in Anspruch nimmt, soweit er dies für angebracht hält. Trotzdem schließe ich nicht aus, dass er die eine oder andere Veränderung vornimmt, ohne dabei gegen das Evangelium zu verstoßen. Er sorgt sich nicht nur um die gesunden, sondern auch um die kranken Schafe und will, dass auch letztere bei der Herde bleiben und das Ziel erreichen, selbst wenn er sich dabei auf eine Gratwanderung zwischen "geht noch" und "geht nicht mehr" begeben muss.

Ich kann mir vorstellen, dass Papst Franziskus so manches auf den Prüfstand stellen wird. Nicht jede Tradition entspricht dem Beispiel, das uns der Herr hinterlassen hat. "Wonach verlangt die Seele denn brennender als nach der Wahrheit" (Papst Benedikt XVI. in "Sacramentum Caritas").

Hans Winter,S. Diakon i. R.,92526 Oberviechtach
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