Papst wird Mutter Teresa heiligsprechen
Heilung als Wunder anerkannt

Mutter Teresa kämpfte für die Armen, wie auch Papst Franziskus. Der Argentinier bewundert ihre Stärke, nun wird er die Ordensfrau heiligsprechen. Ausschlaggebend war die Heilung eines Todkranken.

Rom. Knapp 20 Jahre nach ihrem Tod will der Papst die Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa heiligsprechen. Der Pontifex billigte nach Vatikan-Angaben vom Freitag ein Dokument, in dem der Nonne albanischer Herkunft das dafür notwendige zweite Wunder zugesprochen wird. Dabei soll es sich um die unerklärliche Heilung eines damals 35 Jahre alten Mannes 2008 in Brasilien handeln, der unter einem bösartigen Gehirntumor gelitten und bereits im Sterben gelegen haben soll.

Mutter Teresa, die von vielen schon zu Lebzeiten als Heilige verehrt wurde, war bereits 2003 vor 300 000 Gläubigen in Rom nach einem der kürzesten Verfahren der Geschichte von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen worden. Nur zwölf Jahre später ist nach der Entscheidung des Papstes der Weg für ihre Heiligsprechung frei. Die Zeremonie wird wahrscheinlich im kommenden Jahr stattfinden, das Datum muss noch bei einem Treffen des Papstes mit den Kardinälen (Konsistorium) festgelegt werden. Die katholische Zeitung "Avvenire" berichtete, die Heiligsprechung solle am 4. September als ein Höhepunkt des außerordentlichen Heiligen Jahres in Rom erfolgen.

Franziskus beeindruckt


Ihr Einsatz für die Armen machte die 1910 als Tochter albanischer Katholiken geborene Mutter Teresa weltbekannt. 1979 erhielt sie für ihr Engagement den Friedensnobelpreis. Die Ordensfrau hatte 1950 im indischen Kolkata ihren Orden "Missionarinnen der Nächstenliebe" gegründet, weil die Armut sie dort erschüttert hatte. Papst Franziskus, der den Einsatz für die Armen zu einem Schwerpunkt seines Pontifikats gemacht hat, gilt als großer Fan von Mutter Teresa. Die beiden hatten sich 1994 im Vatikan kennengelernt. Er habe ihre Kraft und Entschiedenheit ihrer Wortmeldungen bewundert, sagte Franziskus später. "Sie sagte immer das, was sie sagen wollte." Die Zahl der Heiligsprechungen in der katholischen Kirche hat sich in jüngster Zeit extrem erhöht. Während Johannes Paul II. in seinem mehr als 25 Jahre langen Pontifikat 482 Selige heiliggesprochen hat, kommt Franziskus seit seiner Wahl im März 2013 schon auf insgesamt 838 neue Heilige. Allerdings befinden sich darunter auch Antonio Primaldo und die mehr als 800 Märtyrer von Otranto, die Franziskus im Jahr 2013 heilig sprach.

Das für die Heiligsprechung notwendige Wunder soll Mutter Teresa 2008 mit der Heilung eines todkranken Mannes vollbracht haben. Laut "Avvenire" lag der Brasilianer im Sterben, als seine Frau Mutter Teresa im Gebet um Hilfe bat. Der Mann wurde geheilt, die medizinischen Gutachter der zuständigen Kongregation im Vatikan beurteilten das nun als wissenschaftlichen nicht erklärbar. Nach Ansicht der katholischen Kirche sind Wunder durch Selige oder Heilige auch nach deren Tod möglich. Mutter Teresa war 1997 gestorben. In Indien löste die Entscheidung des Papstes Begeisterung aus. "Die Ankündigung wurde mit großer Freude und Dankbarkeit entgegen genommen", sagte Schwester Christie, die Sprecherin des Ordens von Mutter Teresa. "Wir sind sehr aufgeregt und glücklich." Zur geplanten Heiligsprechung im kommenden Jahr werden Hunderttausende Pilger in Rom erwartet.

Mutter Teresa von KalkuttaDie Ordensgründerin und Friedensnobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) ist als "Mutter der Armen" weltweit bekannt. Als Albanerin mit bürgerlichen Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu im heute mazedonischen Skopje geboren, wollte sie schon als Schulmädchen Missionsschwester werden. Mit 18 Jahren trat sie bei den Loreto-Schwestern ein, die sie als Lehrerin nach Kalkutta sandten.

1948 verließ sie diese Gemeinschaft, um ihrer nach eigenem Empfinden eigentlichen Bestimmung nachzugehen. In einen weißen Sari, die übliche indische Frauentracht, gekleidet, siedelte sie in eines der schlimmsten Elendsviertel von Kalkutta über, um dort das Leben der Armen zu teilen. Schon ein Jahr später konnte sie dort mit einheimischen jungen Frauen, die sich ihr anschlossen, eine Gemeinschaft bilden, die "Missionarinnen der Nächstenliebe". Vor allem ihre Heime für Findelkinder und ihre Sterbehäuser für todgeweihte Obdachlose machten sie über Indien hinaus bekannt.

Für ihr Werk, das auf allen Kontinenten Fuß fasste, wurden ihr viele Ehrungen zuteil, darunter 1979 der Friedensnobelpreis. Am 5. September 1997 starb Mutter Teresa 87-jährig in Kalkutta. Bereits sechs Jahre später, am 19. Oktober 2003, sprach Papst Johannes Paul II. sie selig. Der Heiligsprechungsprozess wird noch andauern. Laut italienische Medien werde Teresa im September 2016 heiliggesprochen. (KNA)
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