Peter Lustig gestorben
Seine Welt, der Bauwagen

Ohne Latzhose: Peter Lustig und seine Frau Astrid beim "ZDF-Sommertreff" 2012 in Berlin. Bild: dpa

Latzhose, Nickelbrille und der Bauwagen waren seine Markenzeichen. Peter Lustig moderierte ein Vierteljahrhundert die Kindersendung "Löwenzahn" - und erklärte auf ganz eigene Art die Welt. Jetzt starb Lustig nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren bei Husum im Kreise seiner Familie.

Kiel/Bohmstedt. Neben der "Sendung mit der Maus" (ARD) gehört "Löwenzahn" (ZDF) bis heute zu den Kultsendungen im deutschen Fernsehen. Peter Lustig prägte seit Anfang der 80er Jahre in mehr als 200 Sendungen mit seiner eigenwilligen Art dieses Wissensformat, das Kindern Natur, Physik, Biologie, Erdkunde und mehr näherbringen sollte.

Zu seinem Tod twitterte am Mittwoch sogar das Bundesenergieministerium: "Er erklärte uns die erneuerbaren Energien schon lange bevor es die Energiewende gab." Und der Ex-FDP-Vorsitzende Philipp Rösler (43) würdigte den TV-Moderator als "Hero of my childhood".

Über die Entstehung von "Löwenzahn" sagte Lustig rückblickend in einem Interview 2013: "Ehrlich gesagt hatten die in Mainz die Idee selbst was für Kinder zu machen, die ARD hatte ja die ,Sesamstraße' und ,Die Sendung mit der Maus'." Zuschauer aus allen Altersgruppen und Schichten, "vom Müllmann bis zum Professor, beziehungsweise deren Kinder", sähen die Sendung, sagte Lustig 2005, als er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit die Sendung an Nachfolger Guido Hammesfahr übergeben musste. "Löwenzahn" und Peter Lustig gehören auch zu meinen Kindheitserinnerungen. Er war für mich ein unkopierbares Vorbild, genauso wie für viele andere Löwenzahn-Fans", sagte Hammesfahr. "Das ganze Team ist sehr traurig."

Was war das Geheimnis des Erfolgs von "Löwenzahn", wo es um Fragen ging wie "Wo bekommen die Schnecken ihre Häuser her?" oder "Warum hat der Hund vier Beine?" "Ehrlich gesagt habe ich die Sendung nicht für Kinder gemacht, aber auch nicht für Erwachsene - ich habe das vor allem mir selbst erklärt", so Lustig.

Tonmeister und Kneipier


Und er brachte mit seiner vielseitigen Ausbildung und Lebenserfahrung dafür beste Voraussetzungen mit: Dreher, Fräser und Elektromechaniker, Kneipier, Tonmeister (etwa 1963 bei der legendären "Ich bin ein Berliner"-Rede von US-Präsident John F. Kennedys in der damals geteilten Stadt), Hörspielautor, Elektrotechnikstudium.

Vieles, was in seiner Sendung die Fantasie anregte, schuf er selber: "Unsinnsmaschinen", so etwa die sprechende Ukulele mit Armen, die auf den Namen Klaus Dieter hörte. "Was ich für die Sendung gebastelt habe, waren meine eigenen Dingerchen, das war wirklich ein Traumjob." Er habe sich nie verstellen müssen und das machen können, was er wollte, sagte er wiederholt.

Geärgert hat ihn aber, wenn man ihn in als Öko abstempelte. Nur weil er in "Löwenzahn" eine Latzhose trug, in einem Bauwagen (ohne Fernseher) hauste, vieles im Freien erforschte und sich der modernen Welt zu verweigern schien. Er habe nicht immer Einfluss auf die Themen gehabt, "manche gingen mir zu sehr in Richtung Öko", sagte er 2007. Müsli soll er gehasst, aber sonst gern gegessen haben. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" verriet er, dass er ins Drehbuch für "Löwenzahn" als Getränk statt Limonade Rotwein schreiben ließ. Der Produzent habe sich daran gehalten.

Krieg und Krebs


Der Krieg in der Kindheit hat Lustig zugesetzt. "Ich war immer da, wo die Bomben fielen", sagte er einmal. 1937 im schlesischen Breslau (heute Polen) geboren, musste der Junge, der bei Kriegsende sieben Jahre alt war, mit seiner Mutter fliehen. In den 80ern erkrankte er an Krebs und hatte nur noch einen Lungenflügel.

Drei Mal war Lustig verheiratet, er hatte drei Kinder und neun Enkel. In Bohmstedt bei Husum erwarben die Lustigs 2002 den reetgedeckten Fresenhof, jenes wunderschön in der Landschaft gelegene Anwesen, das früher Liedermacher Knut Kiesewetter gehörte. Lustig, der auch in Berlin wohnte, soll zuletzt viel Zeit dort verbracht haben. (Nachruf)
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