Pflegende Angehörige: Kümmern mit Opfer verbunden

Zum Thema: "Volle Teilhabe auch im Rollstuhl":

Als gebürtige Oberpfälzerin, zwar in München lebend, verfolge ich auch immer wieder Ihre Artikel im Oberpfalznetz.de - so auch heute beispielsweise den Bericht zum Thema "Volle Teilhabe auch im Rollstuhl!"

Ich freue mich darüber, dass ein derart gelungenes Projekt in Sachen Inklusion in der Stadt und im Landkreis Amberg-Sulzbach gestartet wurde und hierbei auf die unterschiedlichsten Arten der Behinderung hingewiesen werden konnte. Die Auftaktveranstaltung mit dem Ziel, "allen Menschen mit Beeinträchtigungen in der Region volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen", machte die Notwendigkeit dieses Anliegens sicherlich deutlich.

Dieses wurde verstärkt durch die Beiträge der Behindertenbeauftragten der bayerischen Staatsregierung und bekräftigt durch Oberbürgermeister Cerny und Landrat Richard Reisinger. Die Aufmerksamkeit seitens der Politik finde ich sehr bemerkenswert. Eine Anmerkung sei mir hier jedoch erlaubt: Es verwundert mich immer wieder, dass in solchen Veranstaltungen, so auch hier - eine wesentliche Gruppierung nicht genannt wurde: Die der Pflegenden - überwiegend sind es ja die pflegenden Angehörigen.

Behinderung und Krankheit springen meist ins Auge, die Pflegenden sind nicht sichtbar. Diese treten bei der Mehrheit der Bürger erst aufgrund eigener schmerzhafter Erfahrung ein wenig in den Vordergrund...Pfleger sind ja dafür da: Sie werden als Pflegekräfte (gut!?) bezahlt oder sind ohnehin verpflichtet, sich um ihre Angehörigen und Freunde zu kümmern. Diesen Dienst (je nach Pflegestufe rund um die Uhr) verrichten sie von Herzen gern und durchwegs aus uneigennützigen Motiven.

Dass dieses Kümmern mit großen Opfern verbunden ist, an der Gesundheit zehrt, oft über die psychischen und physischen Grenzen geht und schließlich mit Armut und Altersarmut belohnt wird, wer - außer den Betroffenen selbst - hat dies bisher wahrgenommen? Wer möchte in ihrer Haut stecken, diese Mühen, oft über viele Jahre hinweg, nachempfinden, geschweige denn mittragen?

Die pflegenden Angehörigen, die den größten und billigsten Pflegedienst unseres Landes darstellen, bedürfen der politischen Absicherung und Wahrnehmung. Diese Gruppe, ohne die unser Pflegesystem zusammenbrechen würde, muss endlich Mitspracherecht erhalten und in ihrer enormen Leistung für unsere Gesellschaft - nicht nur mit schönen Worten - gesehen und auch wirtschaftlich gewürdigt werden.

Brigitte Hald-Hübner,München
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