Pilsen hat sich als Industriestandort im universitären Umfeld etabliert
Nicht nur Urquell und Skoda

Pilsener Technik in London: Die Firma Skoda hat zum "London Eye", dem höchsten Riesenrad Europas, die Drehachse sowie die Stütze aus Rohren und Spann-Elementen beigesteuert. Bild: dpa
Pilsen ist mehr als die Stadt des Bieres, wenngleich "Pilsener Urquell" neben "Skoda" wohl der bekannteste Markenname sein dürfte. Längst hat sich die Stadt als internationaler Industriestandort etabliert. Zudem gibt es hier eine Universität mit genauso vielen Studenten wie in Regensburg. Auch in vielen anderen Bereichen ist der Vergleich mit Regensburg interessant.

Während Pilsen als Kulturhauptstadt erst jetzt so richtig in den Mittelpunkt gerückt ist, gilt die Stadt schon seit zwei Jahrzehnten als bevorzugter Produktionsstandort für tschechische und vor allem für internationale Konzerne. Längst ist Pilsen auch zur Wirtschaftsmetropole für die gesamte Region geworden - rund 40 Prozent aller industriellen Arbeitsplätze des Bezirks Pilsen sind im Stadtgebiet angesiedelt. Die Partnerstadt Regensburg kommt bei dieser Betrachtung nur auf die Hälfte.

Bei einer Fahrt durch Pilsens Industriegebiete, darunter auch den neuen Industriepark Borská pole, sind bekannte Namen internationaler Konzerne zu lesen, wie etwa Panasonic und Siemens. Auch Automobilzulieferer Borgers und Fliesenhersteller Rako, der zum österreichischen Lasselsberger-Konzern gehört, sind hier vertreten. Hinter jedem Namen stehen mehr als 2000 Mitarbeiter.

Skoda größter Arbeitgeber

Genaue Auskunft gibt das Arbeitsmarktportal der Eures-Partnerschaft Bayern-Tschechien. Hier sind alle Unternehmen im Grenzraum Bayern-Böhmen teilweise schon ab 50 Beschäftigten gelistet. Größter Arbeitgeber in Pilsen ist nach wie vor die Unternehmensgruppe Skoda Transportation, laut Homepage mit mehr als 4000 Beschäftigten. Zu deren Schlüsselprodukten gehören unter anderem sogenannte Niederflur-Straßenbahnen, elektrische Lokomotiven, U-Bahnen und Omnibusse. Nicht umsonst formulierte Bayerns Sozialministerin Emilia Müller bei einer IHK-Tagung: "Die Region Pilsen und die Oberpfalz sind wirtschaftliche Kraftzentren mit hohem Entwicklungspotential."

Was Stadt und Region Pilsen als Betriebsstandort so interessant macht, ist auch in dem vom Regionalmarketing Oberpfalz veröffentlichten Bericht "Potenzialanalyse Fachkräftesicherung Pilsen-Oberpfalz" der ÖAR Regionalberatung GmbH nachzulesen. So betrugen im Jahre 2013 die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde in Tschechien 10,3 Euro - in Deutschland dagegen 36,5 Euro. Ein Arbeitnehmer im Bezirk Pilsen verdiente im ersten Quartal 2014 pro Monat durchschnittlich 932 Euro, in Bayern 3598 Euro.

Wie interessant der Raum Pilsen für deutsche Unternehmen ist, wird an einer anderen Stelle des Gutachtens ausgeführt: "Mit 231 Direkt-Investitionsprojekten im Bereich Produktion von Unternehmen mit deutschen Firmenzentralen liegt der Bezirk Pilsen an der Spitze aller tschechischen Regionen."

In dem Gutachten wird auch "die Technologie-Offensive Pilsen" als Zusammenschluss von Unternehmen im Bereich Forschung und Entwicklung vorgestellt. Bekannte deutsche Firmennamen wie Grammer, ZF oder Kermi sind hier dabei. Der tschechische Unternehmensstandort profitiert auch in besonderem Maße von der Verbindung zwischen westböhmischer Universität mit 18 000 Studenten und der Pilsener Wirtschaft. Äußerlich ist dies schon durch die nachbarschaftliche Nähe beider im Industriepark Borská pole sichtbar. Bei der jährlichen Karrieremesse an der Universität präsentieren sich tschechische und internationale Konzerne und finden hochqualifizierte Fachkräfte.

Wer sich genauer mit den Wirtschaftsdaten Pilsens beschäftigen will, sollte sich die Standortkarte Ostbayern-Westböhmen der IHK Regensburg besorgen. Hier ist nachzulesen, dass die Wirtschaftsgruppe "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteile" mit 6100 Beschäftigten noch immer die größte Industriegruppe in Pilsen bildet. Mit über 30 000 Industriebeschäftigten liegt Pilsen noch vor der Stadt Regensburg (28 000), die bei der Beschäftigtenzahl von 11 000 gegenüber 2100 von Pilsen in der Elektrotechnik dominiert. Unterschiedlich sind auch die Einwohnerzahlen mit 168 000 in Pilsen gegenüber 136 000 in Regensburg. Die Arbeitslosenquote in Pilsen-Stadt von 5,5 Prozent im Oktober 2014 ist für Tschechien insgesamt ein niedriger Wert. Die Boomtown Regensburg freilich hat mit 2,5 Prozent faktisch Vollbeschäftigung.
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