Pilsener Lichtfestival mit Signalwirkung

Caitlind Brown und Wayne Garretts Wolke im Fluss. Bild: Pilsen 2015/Lubos Wisniewski/SignalFestival

Dunkelheit macht auf Dauer depressiv. Es sein denn, man ist Vampir. Die Finnen hängen deshalb im Winter UV-Leuchten ins Café. Pilsen beleuchtet gleich die ganze Stadt. Und wie!

Den Vorgeschmack gaben Regisseur Petr Forman und sein Partner Roberto Magro bei der offiziellen Eröffnungsfeier für die Europäische Kulturhauptstadt. Während Seiltanz-Magier David Dimitri am Pilsener Platz der Republik in 60 Metern Höhe sein Seil betrat und zu den Klängen der eigens für diesen Anlass komponierten Glockensymphonie von Marko Ivanovic seinen 240 Meter langen Husarenritt bis zum Turm der Bartholomäus-Kathedrale bewältigt, projizierten die Meister der Illusion die Zeitläufe der Stadt an die Fassaden und Großbildschirme.

Das Lichtkunstfestival am Freitag (20. Februar) und Samstag (21. Februar) verwandelt gleich die ganze Stadtkulisse in ein mehrdimensionales Kino. Wände wechseln ihre Gewänder, auf den Millimeter genau legen sich bunte Schablonen auf die Mauern, Werbeschilder längst vergangener Epochen, die beängstigenden Schatten von Panzern rollen über die Ziegel, Fahnen der Besatzer und Befreier entrollen sich aus den Fenstern. Von kubistischer Dekonstruktion bis zu Jirí Trnkas Schmetterlingen setzen die Mauern Geschichten frei.

An acht Standorten zwischen dem Depot und der Brauerei Pilsner Urquell entlang der Radbuza zaubern die derzeit weltbesten Lichtkünstler - wie die Macher des international renommierten Prager Signal-Festivals - Lichtinstallationen, Video-Mapping, Lichtobjekte und interaktive Leuchtkörper auf Fassaden, Straßen und in den Fluss. "Das Signal-Festival war voriges Jahr mit 250 000 Besuchern der meistbesuchte Kulturevent Tschechiens", erklärt PR-Managerin Katerina Kombercová. Die britische Tageszeitung "The Guardian" zählt das Event zu den besten in Europa. "Bei den interaktiven Installationen können die Passanten durch Bewegungen mit Armen und Beinen die Farben steuern", erklärt der Prager Signal-Programmdirektor Pavel Sedlák. Standorte der leuchtenden Kunstwerke:

Depo 2015: David Cerný Speederman, ein leuchtender Supermann. Die Skulpturen des Prager Bildhauers, wie der überdimensionale Stinkefinger in der Moldau, provozieren Politik und Gesellschaft. Ebenfalls im ehemaligen Depo der Verkehrsbetriebe: Prokop Bartoníceks Lichtinstallationen und eine After-Show-Party im Gewächshaus.

Milleniumbrücke und Eisenbahnbrücken: Der mehrfach ausgezeichnete Prager Objektkünstler Jakub Nepras (Euromobile Preis für die beste IT-Arbeit in der Arte Fiera Bologna 2007; 3. Preis bei der Internationalen Biennale Florenz) lässt die Brücken der Stadt lodern.

Westböhmisches Museum: AV-Ecciters, eine Gruppe von Architekten und Designer, nutzt die Projektionsfläche des Neorenaissance-Gebäudes für ihr beeindruckendes Video-Mapping.

Lichtorgel am Fluss: Licht-DJ Vladimír518 in der Unterführung unter der Brücke in der Rokycanská Straße; Japonici erleuchten das Flussufer an der Brauerei mit LED.

Brauerei Pilsner Urquell: Der Weidener Künstler Axel T Schmidt hat im Tempelkeller des Bieres "Die Herde" installiert (wir berichteten).

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/pilsen2015
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