Platz in der Mitte der Gesellschaft verdient

Eine weitere Meinung zum Kommentar "Geht es auch kleiner?":

In der Rubrik "Angemerkt" der Montagsausgabe kommentiert die AZ die Beteiligung der Bundeswehr an der Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertags am Amberger Marktplatz. Aus den Beobachtungen werden Schlussfolgerungen gezogen, die ich jedoch nicht teile.

So wird im Kommentar der vermeintlich militaristische Charakter der Feier kritisiert ("glänzende Stahlhelme, Fackelschein, Trommelwirbel"), eine Fokussierung auf "alte Kameraden" moniert und darüber hinaus ein grundsätzlicher Ausschluss der Bundeswehr von den Veranstaltungen am Volkstrauertag gefordert ("Uniformen und Stahlhelme brauchen wir dazu nicht").

Eine solche Sichtweise halte ich für problematisch. Als Parlaments-Armee ist die Bundeswehr fest im demokratischen Gefüge unserer Republik verankert. Gerade aufgrund der dunklen Geschichte ist sich auch das Militär seiner besonderen Verantwortung bewusst, die Bundeswehr zeigt diesbezüglich einen sensiblen und aufmerksamen Umgang mit der deutschen Historie. Mit der Ehrenformation am Amberger Marktplatz gewährleistete die Panzerbrigade 12, dass der Toten, dem Leid und der Zerstörung vergangener Kriege in angemessen feierlichem Rahmen gedacht wurde.

Die Soldaten der Bundeswehr verteidigen Deutschland und seine Partner und leisten weltweit in gefährlichen Einsätzen wichtige Beiträge zur Sicherheitsprävention. Dieser Dienst am Land wird bis heute von Teilen der Gesellschaft nicht honoriert. Bei Naturkatastrophen als gerngesehene Helfer akzeptiert, wird die Bundeswehr ansonsten schnell mit "freundlichem Desinteresse" bis hin zu offener Ablehnung bedacht.

Dem Dienst, den die Soldaten dabei für die Sicherheit Deutschlands leisten, wird eine solche Haltung nicht gerecht. Gerade in Zeiten zunehmender globaler sicherheitspolitischer Herausforderungen, einem internationalen Einsatzprofil und einschneidenden Strukturreformen ist die Bundeswehr auf festen Rückhalt in der Bevölkerung angewiesen. Sie hat einen Platz in der Mitte der Gesellschaft verdient, weil sie Teil dieser ist und ihren Schutz gewährleistet.

Wer der Bundeswehr die feierliche Teilnahme am Volkstrauertag verweigern will, untergräbt damit deren Rückhalt, den sie benötigt und erweist Deutschland einen Bärendienst.

Tobias Gräf, Sulzbach-Rosenberg

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