Polizist wegen Notwehr freigesprochen
Bei Kontrolle eins auf die Nase

Eine Verkehrskontrolle war aus dem Ruder gelaufen. Bild: dpa

Am Ende war die Nase der Frau gebrochen. Der Polizist, der so heftig zuschlug, kommt straflos davon. Denn handgreiflich wurde der kräftige Mann nur aus Notwehr.

Düsseldorf. "Eine herzliche Bitte" hatte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer, nämlich - man staune - "den Angeklagten freizusprechen". Eine gute Stunde widmete das Amtsgericht Düsseldorf am Dienstag dem aufsehenerregenden Fall: Ein Motorradpolizist schlägt eine Frau und bricht ihr die Nase. Körperverletzung im Amt wird ihm vorgeworfen. Der 55-jährige Beamte ist groß wie ein Kleiderschrank und seit 1977 bei der Polizei. Er verfolgt die Verhandlung sehr ernst und konzentriert.

Der Prozess dreht sich um eine aus den Fugen geratene Verkehrskontrolle im Oktober 2014 in Benrath, einem Nobel-Vorort von Düsseldorf. Der Motorradpolizist erwischte eine Frau, als sie mit ihrem Auto gegen die Einbahnstraße fuhr. Er habe ihr ein Verwarngeld von 20 Euro angeboten, schilderte er dem Gericht. Doch die Frau, die drei Kinder im Auto hatte, sei wie von Sinnen gewesen, habe herumgeschrien. Sie habe zuerst nicht zahlen wollen, gab die Frau zu.

Polizist fürchtete, zu fallen


Als der Polizist auf seiner bereits abgebockten, 250 Kilogramm schweren Maschine wegfahren wollte, so berichteten Zeugen, kam sie von hinten und packte ihn an die Schulter. Weil er fürchtete, mit dem Motorrad umzustürzen, habe er mit einer Handschuh-Hand gegen den Kopf der Frau geschlagen. "Ich war in einer angreifbaren und verletzbaren Situation", sagte der Polizist. Es sei nicht abzuschätzen gewesen, was die Frau tun würde. Äußerlich war nur eine Rötung im Gesicht zu sehen.

Hysterischer Ausbruch


Für die Anklage war die Sachlage klar: "Die Zeugin wollte ihn dazu zwingen, dazubleiben, um die Sache bis Ultimo auszudiskutieren." Der Anklagevertreter zitierte Zeugen, die Frau habe sich wie ein Kleinkind gebärdet und sei zunehmend in Hysterie verfallen. Es sei bedauerlich, dass die Nase gebrochen worden sei.

"Sie wusste schon, dass sie sich nicht richtig verhalten hat", sagte die Strafrichterin über den Auftritt der Geschädigten vor Gericht. Die Frau bekommt kein Schmerzensgeld. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Er habe in Notwehr gehandelt. Ob es sich dabei um eine überdrehte kleine Frau oder einen Bodybuilder handele, sei für den Angeklagten egal, meinte das Gericht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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