Präsident Poroschenko ernennt Jamala zur „Volkskünstlerin der Ukraine“
Großer Bahnhof für ESC-Siegerin

Sängerin Jamala wird von ihren Fans bei der Ankunft am Flughafen in Kiew fast erdrückt. Die - auch politischen - Diskussionen um ihren Siegertitel "1944" beim Eurovision-Song-Contest dauern indes an. Bild: dpa

Kiew. Nach ihrem Sieg beim Eurovision-Song-Contest ist die ukrainische Sängerin Jamala von Staatschef Petro Poroschenko mit dem Titel "Volkskünstlerin der Ukraine" geehrt worden. "Man kann sagen, dass du einen großen Beitrag dafür geleistet hast, dass die Frage der Krim erneut auf den ersten Zeitungsseiten auftauchte", sagte Poroschenko laut einer Pressemitteilung.

Die Schwarzmeerhalbinsel Krim war 2014 handstreichartig von Nachbar Russland besetzt und annektiert worden. Gleichzeitig solle die 32-Jährige Ehrenbotschafterin beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen werden, sagte Poroschenko.

Freude für die Menschen


"Wir haben in letzter Zeit so gelitten, dass ich den ukrainischen Menschen irgendeine Freude bringen wollte", sagte die Krimtatarin, die bürgerlich Susana Dschamaladinowa heißt. Sie hatte am Samstag in Stockholm in Schweden mit dem Lied "1944" den europäischen Gesangswettbewerb gewonnen. Es handelt von der Zwangsumsiedlung der krimtatarischen Minderheit unter Sowjetdiktator Stalin nach Zentralasien.

Aus Russland kam Protest nach dem Sieg der ukrainischen Kandidatin Jamala. Der Musikwettbewerb verwandele sich in ein politisches Schlachtfeld, sagte etwa der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow. Der Text war bereits im Vorfeld von Moskau kritisiert worden. Er könne auch als Kritik an der russischen Krim-Annexion verstanden werden kann.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) als ESC-Veranstalter hatte aber nach einer Prüfung entschieden, dass weder Titel noch Text des Songs politische Botschaften enthielten. Somit stehe "1944" nicht im Widerspruch zu den Wettbewerbsregeln. In der Ukraine beginnen nun die Planungen für den ESC 2017. "Kiew ist bereit für die Durchführung", sagte Bürgermeister Vitali Klitschko. Aber auch andere ukrainische Städte haben Interesse angemeldet. Kiew war schon 2005 Gastgeber des ESC.

Indes machte sich die Gesellschaft für deutsche Sprache nach dem letzten Platz von Deutschland für ein deutschsprachiges Lied beim nächsten Musikwettbewerb stark. Seit Jahren spiegele der ESC immer weniger die kulturelle und sprachliche Vielfalt Europas, erklärte Geschäftsführerin Andrea Ewels am Dienstag in Wiesbaden. (Angemerkt)
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