Prozess gegen Silvio S.
Missbrauch gefilmt

Beim Prozess lässt das Gericht ein schwer erträgliches Handyvideo vorführen. Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. hält sich die Ohren zu und hat oft die Augen geschlossen. Das Urteil wird Ende Juli erwartet.

Potsdam. Im Landgericht Potsdam sind am Montag minutenlange Videos vom Missbrauch des vierjährigen Mohamed kurz vor seinem gewaltsamen Tod gezeigt worden. Der Laptop mit Aufnahmen vom Handy des Angeklagten war nur für die unmittelbar Beteiligten einsehbar.

Unverständliche Worte


Zu hören waren Atmen, Schnaufen, Flüstern und einzelne schwer verständliche Satzfetzen. Einer dieser Fetzen lässt sich nach Einschätzung des Vorsitzenden Richters Theodor Horstkötter als "Da haben wir den Kleinen. Lias nenn' ich ihn mal" deuten.

Dem Angeklagten wird neben dem Missbrauch und dem Mord an Mohamed auch der Mord an Elias (6) aus Potsdam vorgeworfen. Silvio S. (33) schien sich auf der Anklagebank während der Vorführung zeitweise die Ohren zuzuhalten, sein Kopf war mit häufig geschlossenen Augen auf die Tischplatte gerichtet.

Für die Ermittler im Fall Mohamed wurde der Mann Ende Oktober 2015 unvermittelt zum Tatverdächtigen. Mutter und Ex-Schwager hatten nach Veröffentlichung neuer Bilder die Polizei angerufen, dass sie ihn erkannt hätten. Es seien bei der dann eingeleiteten Überprüfung in bundesweiten Datenbanken keine einschlägige Treffer aufgetaucht, sagte der Leiter der Mordkommission aus.

"Es gab nur einen Verkehrsunfall - eine fahrlässige Körperverletzung, keine Straftaten im sexuellen Bereich", sagte der Ermittler. Nach den Anrufen habe er sofort einen Beamten hingeschickt. Denn Hinweise aus der Familie, gerade einer Mutter, seien besonders ernst zu nehmen. Er wurde kurz darauf festgenommen.

Täter-Profil unpräzise


Mohamed war am 1. Oktober am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit verschwunden. Die Ermittler hatten ein Profil des Entführers entworfen und waren erst davon ausgegangen, dass ein solcher Täter eher im Nahbereich zuschlägt. Dementsprechend wurden 200 Menschen in Berlin persönlich besucht und überprüft, die wegen Sexualdelikten oder verdächtigem Ansprechen von Kindern erfasst waren. S. wohnte in einem Dorf 90 Kilometer vom Lageso entfernt.

In seinem Auto wurde DNA von Mohamed gefunden - und Haare, die nach Experteneinschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit von Elias stammen. DNA von Elias wurde an einem Kabelbinder im Haus des Angeklagten entdeckt. Im Prozess verweigert er die Aussage, hat aber bei der Polizei ein Geständnis abgelegt. Das Urteil wird Ende Juli erwartet.
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