Prozess gegen Silvio S.
Mutmaßlicher Mörder von Mohamed und Elias vor Gericht

Die Mutter des getöteten Jungen Mohamed im Gerichtssaal (Mitte). Der Angeklagte soll ihren Sohn aus einer Berliner Flüchtlingsunterkunft entführt, missbraucht und getötet haben. Bild: dpa

Die Mütter der getöteten Kinder Elias und Mohamed treffen vor Gericht auf den Mann, der so unendlich viel Leid über ihre Familien gebracht haben soll. Silvio S. sieht sich vorverurteilt. Jetzt schweigt er.

Potsdam. Das Gesicht der Mutter von Mohamed scheint fast nur aus dunklen Augenringen zu bestehen. Von Schlafmangel, Trauer und Schmerz gezeichnet, schaut die Frau lange Zeit ins Leere. Dann blickt sie geradeaus durch den Saal auf Silvio S. - den Mann, der den vierjährigen Mohamed 2015 entführt, missbraucht, ermordet und eiskalt unter Katzenstreu versteckt haben soll.

Zwischen den beiden verhandelt das Landgericht Potsdam den grausigen Fall. Es geht zugleich um die brutale Tötung des sechsjährigen Elias. Dessen Mutter tritt ein, eine zweite gebrochene Frau. Die 26-Jährige trägt Schwarz. Sie stützt sich auf eine Krücke. Sie meidet den Blick zu dem Mann auf der Anklagebank, der ihr Kind auf dem Gewissen haben soll.

Kindlicher Angeklagter


Das blasse Gesicht Silvio S. wirkt hinter der Nickelbrille kindlich. "Der sieht aus wie Messdiener", sagt ein Zuschauer aus dem Saal. Silvio S. hat bei der Polizei ein Geständnis abgelegt. Doch in seinem Mordprozess, der bis Ende Juli gehen soll, will er schweigen. Er fühlt sich angeblich von den Medien vorverurteilt. Sein Anwalt will daher zu Beginn des Verfahrens den Ausschluss der Öffentlichkeit aus dem Prozess erreichen. Das Landgericht lehnt das ab.

Warum Elias im Juli 2015 auf einem Spielplatz in Potsdam mit einem Fremden mitging, ist rätselhaft. Immer wieder betont seine Mutter, dass sie ihn wiederholt vor Erwachsenen mit bösen Absichten gewarnt habe. "Ich habe ihm erklärt, dass es sein kann, dass ... jemand ihn austricksen und ihm wehtun will", sagt die 26-Jährige. Sie hatte ihren Sohn mit dem Auto zur Schule gebracht, weil er erst in die erste Klasse ging.

Und sie habe ihn immer nur im Hof des Hauses spielen lassen, dort wo sie ihn im Blick hatte. Dann der Nachmittag, als er verschwand: "Alle 10 bis 15 Minuten habe ich nach ihm gesehen. Ich bin dann zum Rauchen hinuntergegangen und habe festgestellt, dass er weg ist."

Wochen der Ungewissheit


Die Frau wirkt auf den ersten Blick gefasst und muss dennoch schließlich unterbrechen. Sie erinnert sich, wie sie damals zunächst verzweifelt den Wohnblock abgesucht und schließlich den Notruf gewählt hatte. Es folgten Tage und Nächte, in denen sie und ihre Familie bis halb drei Uhr morgens alles in der Umgebung absuchten. Die Polizei rückte mit Streifenwagen und Helikopter an. Spürhunde bekamen den Sportbeutel von Elias zu schnuppern, um Fährte aufzunehmen. Erst viele Wochen später dann die schreckliche Gewissheit: Elias ist tot.

Da hatte Silvio S. der Anklage zufolge bereits Mohamed ermordet, den er im Oktober 2015 vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt haben soll. Am Ende war es die Mutter von Silvio S. gewesen, die die Polizei auf ihren Sohn aufmerksam machte. Sie hatte ihn auf Bildern einer Überwachungskamera erkannt.
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