Prozess um das Schicksal von Leila aus Rothenburg
Elf Jahre und neun Monate Gefängnis für Täter

Der Hauptangeklagte wurde für den gewaltsamen Tod der neunjährigen Leila zu elf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Bild: dpa

Für Leila waren die Sommerferien 2014 die Hölle. Unter den Augen von Verwandten in Jena wurde das Mädchen misshandelt und verblutete nach massiven Verletzungen innerlich. Das Gericht setzt jetzt ein Zeichen.

Gera. Aus jenem Urlaub kehrte die Neunjährige nicht mehr an ihre Schule in Rothenburg ob der Tauber zurück. Weit über ein Jahr hat das Landgericht Gera Leilas Tod nun aufgearbeitet. Am Donnerstag schickte die 4. Strafkammer den Hauptangeklagten für elf Jahre und neun Monate ins Gefängnis - und ging damit über die Anträge von An- und Nebenklage hinaus.

Das Kind sei ihm schutzlos ausgeliefert gewesen, er sei rücksichtslos vorgegangen, konstatierte der Vorsitzende Richter Gerhard Rassier. Weil ihre Mutter mit ihrem Partner ins Ausland gefahren war, verbrachte Leila die Ferien in Thüringen. Dort lebte sie meist in einer Neubauwohnung, die sich ihr Uropa, ihre Tante und deren Lebensgefährte, der heute 25-Jährige, teilten. "Leila war während ihres gesamten Aufenthalts in Jena körperlichen Misshandlungen ausgesetzt. Dies rechnen wir dem Angeklagten zu", erklärte Rassier.

Bauchspeicheldrüse gerissen


Doch bei diesen Misshandlungen ist es nach Überzeugung des Gerichts nicht geblieben. Vielmehr hat der Angeklagte das Kind auch sexuell missbraucht. Mehr als 170 Verletzungen hatten Rechtsmediziner bei der Obduktion der Kinderleiche gezählt. Gestorben ist Leila an inneren Blutungen nach einem Abriss der Bauchspeicheldrüse. Ursache war laut Rassier massive Gewalt des 25-Jährigen gegen Leilas Bauch am Abend des 3. September. Der Notarzt wurde erst am nächsten Morgen gerufen - zu spät für die Neunjährige. Sie starb um 10.15 Uhr.

Den Missbrauch hat der Angeklagte im Prozess bestritten. Er hat nur eingeräumt, Leila an jenem Abend ungezielt aus dem Liegen einen Tritt verpasst zu haben. Dieser Version hat das Gericht nicht geglaubt. Dass er das Kind töten wollte, habe der Prozess aber nicht ergeben, so Rassier. Verurteilt wurde der Mann nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Oma und Tante verurteilt


Bei der Urteilsbegründung sitzt der 25-Jährige lässig auf seinem Stuhl. Derweil verfolgen Leilas Oma und Tante auf der Anklagebank gebeugt die Worte des Richters. Für das Gericht steht außer Zweifel, dass sie von den Misshandlungen des Mädchens gewusst haben. Das Kind habe in ihrer Obhut gestanden, sie hätten einschreiten müssen. Deswegen wurden sie wegen Körperverletzung durch Unterlassen zu einer Geld- und einer Bewährungsstrafe verurteilt.
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