Publikation aus dem Buch & Kunstverlag erzählt von den Türmern in der Oberpfalz
Kein einfaches Leben

VierStädtedreieck. Pressath hatte einen. Grafenwöhr ebenso. Auch in Eschenbach, Kirchenthumbach, Parkstein, Erbendorf und Auerbach ist einer nachgewiesen. Die Rede ist von den Türmern, einem mittlerweile ausgestorbenem Berufsstand, der in der Oberpfalz weit verbreitet war und von dem ein Bildband aus dem Buch & Kunstverlag erzählt.

An über 70 Orten der Oberpfalz waren nachweisbar Türmer tätig. Die Belege reichen von bloßen Namensnennungen in alten Unterlagen bis hin zu ausführlichen und lückenlosen Untersuchungen über jahrhundertalte Entwicklungen. Das mit viel Akribie erarbeitete Buch "Glockenschlag und Hörnerklang" von Barbara Polaczek und Johann Wax beleuchtet ausführlich die Aufgaben und das Leben der Türmer. Viele historische Quellen belegen, dass dies sehr abwechslungsreich, aber keinesfalls einfach war.

Die Autoren spannen einen Bogen von den ersten Erwähnungen im ausgehenden Mittelalter bis hin zum Niedergang der Türmer im 20. Jahrhundert. Hoch droben auf den Kirch- und Stadttürmen wachten sie bis vor gar nicht so langer Zeit über die Unversehrtheit und das Wohl der Städte und Märkte und ihrer Einwohner. Was auf den ersten Blick recht romantisch anmutet, war im Alltag oft nicht sehr angenehm. Von den Türmen hat man zwar eine gute Aussicht und kann das Geschehen im Ort gut überblicken, allerdings ist der Weg hinab und hinauf recht beschwerlich und der Platz oben sehr, sehr begrenzt. Vor allem im Winter war es zudem sehr zugig.

Trotzdem waren die meisten Türmer keine Kinder von Traurigkeit. Sie meldeten die Ankunft Fremder, verkündeten aufziehende Unwettern und machten auf Feuergefahren aufmerksam. Dazu benutzten sie verschiedene Instrumente, mit denen sie sich erstaunliche Fertigkeiten aneigneten.

Die Türmer waren oft vortreffliche Musiker und deshalb gefragte Gäste bei allerlei weltlichen und kirchlichen Feiern, bei denen sie für die festliche Umrahmung sorgten und damit ihr oft sehr karges Einkommen aufbesserten. Denn gut bezahlt war die Tätigkeit nicht. Mancherorts wird diese musikalische Tradition übrigens heute noch weitergeführt. Die Anfänge des Türmerwesens in der Oberpfalz liegen im Dunkeln. Informationen über ihrer Arbeit und Tätigkeit tauchen meist ohnehin nur in den Akten auf, wenn es Probleme gab, sei es in finanzieller Hinsicht oder weil einer seinen Dienst nicht ordentlich versah. Auch davon weiß das Buch zu berichten.

In Vilseck wird die Erinnerung an die Türmer übrigens besonders wach gehalten. Im Vogelturm ist nämlich das Erste Deutsche Türmermuseum untergebracht, von dem das Buch natürlich ebenfalls erzählt. Autorin Barbara Polaczek hat das Museum konzipiert und mit eingerichtet. Das Museum wurde am 30. Juni 2000 eröffnet. Der Vogelturm war übrigens einst Dienstsitz der Nachtwächter. Seinen Namen hat er von Bartholomäus Vogel, der im 19. Jahrhundert dort seinen Dienst versah.

Das reich illustrierte Buch "Glockenschlag und Hörnerklang" hat 120 Seiten, kostet 16,80 Euro und ist in jeder Buchhandlung oder versandkostenfrei im Onlineshop des Buch & Kunstverlags Oberpfalz erhältlich (www.buch-und-kunstverlag.de). Für unsere Leser verlosen wir drei Exemplare unter den richtigen Einsendungen des Lösungswortes des Kreuzworträtsels dieser Ausgabe.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.