r Soko „Alaska“ ermittelt im Fall Manfred S.
Psyche eines Serienmörders

Bilder des mutmaßlicher Serienmörders aus mehreren Jahrzehnten hängen bei einer Pressekonferenz im hessischen Landeskriminalamt (LKA) an einer Stellwand. Der 2014 verstorbener Rentner könnte möglicherweise mehr Taten begangen haben als die bislang untersuchten Fälle. Bild: dpa

Grausam zugerichtete Leichen und Zehntausende von Bildern mit Gewaltpornografie: Die Beamten der Soko "Alaska" müssen in die sexuellen Abgründe des möglichen Serienmörders Manfred S. blicken.

Wiesbaden. Als die Ermittler 2014 die zerteilte Leiche von Britta D. in der Garage von Manfred S. sehen, ist schnell klar: Das ist vermutlich keine Einzeltat. "Bei einem solchen Delikt ist dies nahezu ausgeschlossen", sagt Fahnder Frank Herrmann (45). Sofort wurde nach Parallelen zu anderen ungeklärten Fällen gesucht. Seit September 2015 arbeitet sich die Sonderkommission "Alaska" des hessischen Landeskriminalamtes akribisch durch unzählige Akten, sucht bundesweit nach möglichen Verbindungen zu anderen Bluttaten.

Die Gruppe besteht aus acht Beamten, zeitweise kommen noch DNA-Analytiker und andere Experten zur Verstärkung hinzu. "Wir sind in unseren eigenen Aktenbeständen zurück gegangen bis zu den Fällen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg", berichtet Herrmann am Freitag. Dadurch seien die Fahnder auf die Fälle von 1971 gestoßen, die mit Manfred S. in Verbindung gebracht werden. Die verstümmelten Leichen der Arbeitskolleginnen Gudrun E. und Hatice E. waren in Bad Vilbel und Frankfurt entdeckt worden.

Alle möglichen Taten des inzwischen gestorbenen Rentners vereine, dass sie deutlich über ein typisches Maß hinausgingen. "Da ist etwa die besondere Grausamkeit", sagt Kriminalhauptkommissar Holger Thomsen (46). Anders als bei spontan ablaufenden Sexualdelikten sei der Täter bei der mutmaßlichen Serie sehr stringent vorgegangen. "Die sexuelle Komponente liegt auf einer anderen Ebene", so Herrmann. "Die eigentliche Tat fängt nach der Tötung an."

Horrorfilme als Vorlage?


Alle Fälle der mutmaßlichen Serie haben gemeinsam, dass den Opfern Organe oder Leichenteile herausgeschnitten oder abgetrennt und vom Täter mitgenommen wurden. Auffällig: Es fehlt jeweils ein Körperteil. Womöglich hat sich der Täter einschlägige Horrorfilme zum Vorbild genommen, in denen aus den Teilen von Toten neue Körper gebildet werden, so eine Hypothese. Auch Kannibalismus schließe man nicht aus.

Die Ermordung von Britta D. werde als "High End Delikt" betrachtet. Vermutlich anders als zuvor habe der Täter hier die ganze Leiche in Fässer gepackt und in seiner Garage lange Zeit aufbewahrt. Fast die ganze Leiche - der linke Arm fehlt. "Obwohl er ohne Probleme noch in ein Fass gepasst hätte", sagt Herrmann.

Die tägliche Arbeit mit den vielen, blutigen und grausigen Details bewältigen die Ermittler mit einer "professionellen Distanz", wie Herrmann sagt. Thomsen ergänzt: "Man kommt ja um diese Arbeit nicht herum, man muss eine Mauer drumherum bauen." Dies heiße nicht, dass man kein Mitgefühl zeige. "Als Mordermittler muss man sich nur täglich vor Augen führen, dass es nicht das eigene Schicksal ist, was man dort bearbeitet", sagt Thomsen.

Bei den Angehörigen von Manfred S. herrsche "tiefe Betroffenheit", so der 46-Jährige. Es bestehe für die Ermittler kein Zweifel, dass sein privates Umfeld vom Doppelleben nichts wusste. "Dass für sie eine Welt zusammenbricht, liegt auf der Hand." Für die Familie sei es eine Tragödie.

Spitzname "Alaska"


Der Name "Alaska" bezieht sich auf einen Spitznamen von Manfred S., wie Herrmann berichtet. Er sei von seinen Freunden aus der Musikerszene so genannt worden. Dass er nicht befragt werden könne, mache die Sache nicht einfacher, erklärt Thomsen. "Das wäre natürlich ein Traum, wir würden uns brennend wünschen, mit ihm reden zu können." Andererseits sei es auch nichts Ungewöhnliches, dass Verdächtige nichts sagen.
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