Rathaus-Leuchten wie Kino in 50ern
Briefe an die Redaktion

Zum Bericht "Sie tun es seit 20 Jahren" vom 2. September über ein Treffen von Angehörigen der Familie Ortlieb in Weiden:

Wir waren am Wochenende zum Familientreffen der Ortliebs in Ihrer Stadt Weiden und waren begeistert von der Schönheit der Altstadt. Nur sollten im Alten Rathaus die zwei hässlichen Leuchtstoffleuchten aus dem mittelalterlichen Flur gegen passende Leuchtkörper ersetzt werden. Im Sitzungssaal sind sogar die Kienspanhalter angepasst, aber der Flur sieht aus wie Kino der 50 Jahre, unmöglich. Sie haben sicher passende Laternen in Ihrem Fundus, die mit ein wenig Geschick dem Haus angepasst werden.

Karl Ortlieb PanekMünchen

Betriebsführung nach Gutsherrenart

Zum Thema "Polytec - 100 Arbeitsplätze in Gefahr"

Interessiert habe ich den Bericht über die verfahrene Situation des Weidener Werkes des Automobilzulieferers Polytec zu Kenntnis genommen.

Der Sohn des Firmengründers ist besorgt darüber, dass es am Standort Weiden keine Neuaufträge mehr gibt. Diese Sorge ist wahrscheinlich berechtigt. Nur sollte er sich aber auch die Frage stellen, woran das wohl liegen mag. Nicht nur der Konkurrenzdruck, nicht die Verlagerung von Standorten ins billige Ausland, wie es die bösen Mitbewerber im Autozuliefersegment praktizieren, sondern der Hochlohnstandort Oberpfalz ist schuld, meint Markus Huemer. Fehler des Managements unter der Führung des "Hoferben" sind es keinesfalls. Trotzdem müssen die exorbitanten Einkommen der Weidener Beschäftigten der Situation "angepasst" werden. Eine feine Umschreibung dessen, was man im Sprachgebrauch Lohnverzicht nennt, dieses hässliche Wort aber nicht aussprechen möchte. Wenn sich dann die Arbeitnehmervertretung, also Betriebsrat und Gewerkschaft, dagegen aussprechen, sind diese Institutionen stur und riskieren den Standort und dessen Arbeitsplätze? Auch wird eine fehlende notwendige Motivationsoffensive beklagt. Bei diesen Aussagen eigentlich keine Überraschung.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass man bewusst eine weisungsgebundene Personalverantwortliche in Weiden installiert hat, mit dem Auftrag, das ohnehin nicht prickelnde Betriebsklima gänzlich zu vergiften. So wurde eine etwas übergewichtige Mitarbeiterin angehalten, sich einer gesünderen Lebensweise zu befleißigen, wohl aber die Tatsache übersehen, dass auch in der Führungsebene längst nicht alle mit Traumfiguren herumlaufen.

"Vice-Chairman" Huemer sollte nicht vergessen, dass die Arbeitnehmervertreter das Mandat der Belegschaft haben, Kronprinzen aber nicht. Falls der notwendige Sozialplan zu teuer werden sollte, steht noch dessen Drohung im Raum, dass dann der Standort verlagert wird. Eine Drohung, die ins Leere geht, denn dies hat noch nie eine Stilllegung oder eine Verlagerung verhindert. Man möchte sich nur dezent vor den Kosten drücken.

In Deutschland gilt der verfassungsmäßige Grundsatz, dass Eigentum verpflichtet. Dies gilt auch für ein österreichisches Familienunternehmen mit einem "Vice-Chairman" an der Spitze. Betriebs- und Menschenführung nach Gutsherrenart sollte verpönt sein und dies auch bleiben.

Horst Maschke,ehemaliger BR-Vorsitzender diverser Rechtsvorgängerfirmen

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