Raue Liebe tief in der Erde reift
Der Schatz im Weingarten

Stefan Lang verteilt die erste Fassprobe der Rauen Liebe.
 
Drei Fässer Raue Liebe des Jahrgangs 2011 sind jetzt mit vereinten Kräften ausgelagert worden. Wenig später wird der neue Schatz, drei Fässer des Jahrgangs 2012, vergraben. Ein Jahr ruht die Raue Liebe nun in der Erde - bis zur Sonnenwende 2017. Bilder: Sebastian Philipp/hfz (3)

"Es ist Nervenkitzel auch dabei", gesteht Stefan Lang vor dem großen Augenblick an dem einzigartigen Ort im Blaufränkischland. Wenig später ist die letzte Schraube des Deckels über dem Fass-Spund gelöst. Die Raue Liebe dringt blutrot ans Licht. Die Anspannung löst sich langsam.

Neckenmarkt. "Voriges Jahr eine Premiere und heute wieder eine", unterstreicht Stefan Lang vor den Gästen beim "Fest der Rauen Liebe" kurz nach der Sonnenwende die Besonderheit des Augenblicks. Ein illustres Völkchen - Freunde und Bekannte der Familie in dem Weinbauern-Ort im Mittelburgenland - sind gekommen, um in einer Gemeinschaftsaktion drei Weinfässer auszulagern. Sie sind vergraben, wie ein Schatz. Ruhen seit zwölf Monaten in der Erde des Weinbergs in rund zwei Meter Tiefe - gefüllt mit Wein, der die edelsten und ältesten Rebsorten des traditionsreichen Weinguts vereint: Der Hauptanteil der einzigartigen Cuvée bildet der Blaufränkische. Er ist dreieinhalb Jahre im Barriquefass gereift. Jetzt wird dieser Schatz mit vereinten Kräften wieder gehoben. Der fest installierte Schwenkarm und der Flaschenzug erleichtert die Aktion. Doch bei Temperaturen um 35 C ist schweißtreibende Arbeit angesagt. Im selben Arbeitsgang sind am Platz der Rauen Liebe drei Fässer des Jahrgangs 2012 wieder zur einjährigen Ruhe zu bringen. Unter der Regie von Stefan und Sohn Stefan jun., der wie früher sein Vater die Weinbauschule in Klosterneuburg besucht, füllen Helfer die Grube mit Schaufeln mit Erde bis zur Höhe der Fässer auf. Den Rest erledigt der Traktor. Nach getaner Arbeit öffnet Stefan Lang eines der Fässer, zieht eine Probe und lässt sie in die Gläser fließen, die die Gäste erwartungsvoll entgegen stecken. Beifall, nachdem Dr. Walter Kutscher das Ergebnis beurteilt hat. Der Vizepräsident des Wiener Sommeliervereins, ist beeindruckt. Fast im embryonalen Stadium sieht der Weinexperte die Raue Liebe, "... ein Baby, das auf seinen ganz großen Auftritt wartet." In einigen Jahren wäre der Wein "in Vollform". Denn die Ehe von Holz und Wein, von Toasting und Frucht sei noch nicht vollzogen. "Aber das ist ein Fehler, der jeden Monat weniger wird." Doch schon jetzt zeige der Wein Struktur. Von einer "Liaison zwischen den Sorten", schwärmt der Professor, "ein großer Wein, am Beginn seiner Entwicklung."

Guter Wein braucht lang: Das Wortspiel unterstreicht raffiniert die Qualität der Erzeugnisse des Familienbetriebs im Mittelburgenland und lässt erahnen: Je länger im Holzfass, desto besser die Qualität. Stefan Lang erzählt, dass er sich schon seit einigen Jahren mit der ältesten Art des Weinmachens befasst und lange experimentiert hat. Konstante Luftfeuchtigkeit und Temperatur wirkten sich auf den Geschmack des Weines aus. Erde und Wein, sagt Stefan Lang, könnten sich auf natürliche Weise austauschen - über die halbdurchlässigen Zellmembranen des Holzes. Dadurch sinke zwar der Alkoholanteil - um 0,5 Prozent im Jahr auf 14 Prozent. "Aber das ist kein Nachteil", sagt Stefan Lang. Denn dadurch werde der Tanningeschmack abgerundet. (Hintergrund)
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