Rechte kennen und Grenzen setzen: Den eigenen Urlaub ernst nehmen
Erholung unabdingbar

Bei der Arbeit ist viel zu viel zu tun. Soll man deshalb den Urlaub ausfallen lassen? Laut einer Befragung von Arbeitnehmern hat das jeder Dritte schon gemacht. Dabei ist die Sache rechtlich eigentlich klar.

Ist im Job Not am Mann, steckt so mancher Berufstätige mit seinem Urlaub zurück. Doch das ist in vielen Fällen eine freiwillige Sache, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin. Wurde der Urlaub gewährt, kann der Arbeitgeber ihn in der Regel nicht rückgängig machen.

Ein Beispiel: Wenn plötzlich ein großer Auftrag zusätzlich reinkommt, berechtigt das den Arbeitgeber nicht dazu.

Das geht nur in wirklichen Extremfällen, zum Beispiel wenn dem Arbeitgeber ein sehr großer Schaden droht, der so vorher nicht abzusehen war. Verzichten Mitarbeiter auf ihren Urlaub, haben sie einen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber ihnen den entstandenen Schaden ersetzt.

Wer etwa bereits eine Pauschalreise gebucht hat, kann sich die Kosten erstatten lassen. Mitarbeiter sollten das sofort mit dem Arbeitgeber klären, rät Bredereck. Gibt es einen Betriebsrat, lohnt es sich auch, diesen zu kontaktieren. Denn er hat ein Mitbestimmungsrecht, wenn es um Streitigkeiten rund um den Urlaub gibt.

Laut dem Bundesurlaubsgesetz haben Arbeitnehmer bei einer Fünf-Tage-Woche einen gesetzlichen Anspruch auf 20 freie Arbeitstage pro Jahr, bei einer Sechs-Tage-Woche sind es 24. Der Arbeitgeber ist außerdem dazu verpflichtet, den Urlaub grundsätzlich zusammenhängend zu gewähren. Mindestens stehen Mitarbeitern zwölf Werktage im Jahr am Stück zu (Paragraf 7 Bundesurlaubsgesetz). Mitarbeiter müssen ihre Rechte allerdings auch einfordern.

Berufstätige sollten sich mindestens einmal im Jahr zwei Wochen Urlaub am Stück gönnen. Erste Anzeichen, dass Berufstätige sich zu viel zumuten und in den Urlaub müssen, sind Reizbarkeit und Schlafstörungen.

Typisch ist oft auch, dass deutlich häufiger als sonst Fehler unterlaufen. (dpa)
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