Rentner bei illegalem Rennen getötet
Mordprozess gegen Raser

Nach dem illegalen Autorennen mit einem Toten in der Berliner Innenstadt hat nun ein Mordprozess begonnen. Bild: dpa

Berlin. Zwei Männer rasen in Sportwagen über den Berliner Ku'damm. Bis einer von ihnen mit Tempo 160 den Tod eines Unbeteiligten verursacht, wie es die Anklage sieht. Die Fahrer sind nun wegen Mordes vor Gericht - in Deutschland ein Novum. Einer der mutmaßlichen Raser weint, als die Anklage vor dem Berliner Landgericht verlesen wird. Der zweite Angeklagte sitzt regungslos zwischen seinen Anwälten.

Der Fall der "Ku'damm-Raser" war ein Unglück, bei dem das Opfer keine Chance hatte. Mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde sollen die Sportwagenfahrer durch die Innenstadt von Berlin gejagt sein. Bis einer einen Jeep rammte, der 70 Meter weit geschleudert wird. Der 69-jährige Fahrer stirbt noch im Fahrzeug.

Der Medienandrang ist groß, als am Donnerstag der Prozess beginnt. Der tödliche Unfall hat die Debatte über härtere Strafen gegen Teilnehmer illegaler Autorennen angekurbelt. Als Ordnungswidrigkeit sind sie bislang eingestuft - mit 400 Euro Buße und einem Monat Fahrverbot. Ein Sohn des Getöteten sitzt den Angeklagten gegenüber. Die Männer (24 und 27) weichen seinen Blicken aus. Der Vorwurf des Mordes sei haltlos, meinen alle Verteidiger. "Die Angeklagten versuchten das illegale Straßenrennen zu gewinnen und sich die damit verbundene und angestrebte Selbstbestätigung zu sichern", verliest Ankläger Christian Fröhlich. Tödliche Folgen hätten sie billigend in Kauf genommen. Zwei Mordmerkmale sieht Fröhlich: Ein Handeln aus niedrigen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln.

Die rechtliche Bewertung ist umstritten. "Der Raserei ein Ende machen darf man nicht, indem man die Gesetzeslage unzulässig ausweitet und verschärft", so ein Anwalt. Der Vorsatz, ein Rennen zu fahren, sei nicht mit einem Tötungsvorsatz gleichzusetzen. Ob eine Verurteilung wegen Mordes möglich ist, wird nicht vor November entschieden.
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