Reporter Philipp traut sich

Zum Fallschirmspringen braucht man schon Mut.Bild: dpa

Sie stürzen sich aus Flugzeugen, von Klippen und von Hochhäusern: Sind die denn verrückt, diese Fallschirm-Springer? Wer so etwas macht, muss Profi sein und eine gute Technik haben. Unser Reporter Philipp Brandstädter hat sich getraut - aber nicht allein.

Ein bisschen doof bin ich ja schon, denke ich mir noch. Da öffnet sich auch schon die Tür des Flugzeugs, in 4000 Metern Höhe.

"Wenn das Licht da vorn grün wird, geht's los", ruft mir Lutz zu und zeigt auf eine kleine Ampel vor uns. Lutz ist mein Tandem-Pilot. An dem bin ich mit meinem Gurtzeug festgeschnallt. Das ist auch gut so. Denn ich habe keinen Fallschirm dabei. Lutz schon. Wir springen gleich gemeinsam aus dem Flugzeug.

Zum ersten Mal

Das ist mein erster Sprung, habe ich Lutz bei der Begrüßung gesagt. "Meiner auch", hat er geantwortet und mir zugezwinkert. War natürlich nur Spaß. Lutz ist Profi und ist schon Tausende Male Fallschirm gesprungen. Kurz vor dem Abflug war Lutz dann ernst. Er hat mich auf den Sprung vorbereitet und mir die richtige Körperhaltung erklärt. Kopf in den Nacken, Hohlkreuz, Beine anwinkeln. "Verbiege dich wie eine Banane", hat Lutz gesagt. Dann bin ich in einen Anzug geschlüpft, bekam Gurtzeug angelegt und bin rein ins Flugzeug.

Jetzt baumeln meine Beine aus dem Flugzeug. Unter mir Felder, Wälder, Dörfer, alles winzig klein. Mir wird ein bisschen komisch im Bauch. Dann geht es los: Lutz stößt sich von der Kante ab und wir stürzen aus dem Flugzeug.

Eine Minute freier Fall. Mit unheimlicher Geschwindigkeit rasen wir hinab. Noch schneller als die meisten Autos auf einer Autobahn unterwegs sind. Es rauscht sehr laut. Die Aussicht ist super. Die dünne Luft hier oben und der heftige Gegenwind rauben mir den Atem. Alles kribbelt. Ich könnte die ganze Welt umarmen. Ich genieße den Augenblick, während Lutz seinen Höhenmesser am Arm kontrolliert.

Schirm öffnet sich

Als das Gerät anzeigt, dass wir in 1500 Metern Höhe sind, greift Lutz an seinen Rucksack und zieht die Reißleine. Unser Fallschirm öffnet sich, es gibt einen leichten Ruck - und da ist der Rausch vorbei. Plötzlich ist alles still um uns herum. Wir hängen sicher am Schirm, schweben langsam hinab. Ich atme tief durch.

Weitere fünf Minuten hängen wir am Fallschirm. Genügend Zeit, sich die Gegend von oben anzuschauen. Lutz zeigt mir die Orte, die wir unter uns sehen, und den Flugplatz, von dem wir gestartet sind. Als wir landen, nehme ich meine Beine hoch, damit Lutz zuerst aufkommt.

Dann habe auch ich wieder festen Boden unter meinen Füßen. Ich finde es schade, dass der Sprung schon vorbei ist. Aber ein bisschen bin ich auch froh, dass wir sicher unten angekommen sind.
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