Roadster in Reinkultur

Leicht, agil, offen, ehrlich und sympathisch. Nicht ohne Grund ist der MX-5 der meistverkaufte Roadster weltweit. Und das soll auch bei der vierten Generation so bleiben.

Da kann kein Mercedes SLK, kein Porsche Boxster, kein BMW Z4 kann mithalten. Mehr als 950 000 Stück hat Mazda in 26 Jahren abgesetzt. Auf diese Menge kamen selbst die britischen Oldies nicht, wie sie in den 60er- und 70er-Jahren bei Triumph, Lotus oder MG vom Band liefen. Doch mit ihrer puristischen und lässigen Art waren genau diese leichtgewichtigen Cabrios einst Vorbild.

Am 11. September rollt der neue MX-5 an den Start. Manche sorgten sich bereits, er könnte womöglich seine Fahrspaß-DNA verlieren, weil er nicht wie seine Vorgänger nur weiterentwickelt, sondern vom ersten Zeichenstrich komplett neu konzipiert wurde. Doch Mazda weiß um die Bedeutung des MX-5. Daher lautete die Stallorder: nicht größer, nicht schwerer, sondern leichter, agiler, knackiger, praktischer und obendrein sparsamer.

Wo ist die nächste Kurve?

Nach einer ersten Testfahrt lassen sich alle diese Punkte bestätigen. Der MX-5 bietet Fahrfreude in Reinkultur: Motor vorn, Antrieb hinten, dazwischen zwei Sitze und eine optimale Achslastverteilung von 50:50. Mehr geht. Es gibt nur wenige Autos, die sich so leichtfüßig, handlich und direkt bewegen lassen, einen so guten Kontakt zur Straße haben und in denen man sich stets auf die nächste Kurve freut wie beim Mazda MX-5.

Zudem machen - wie schon beim Vorgänger - die Gangwechsel einen Riesenspaß. Knackiger und präziser geht es kaum. Da spielt es auch keine große Rolle mehr, ob man sich jetzt für den kleineren oder größeren Motor entschieden hat. Mazda bietet den MX-5 mit einem 1,5-Liter-Benziner und 131 PS sowie einem Zweiliter mit 160 PS an. Beide sind hochverdichtete Sauger und hängen gut am Gas, wenn auch der 1,5-Liter nach mehr Drehzahl verlangt.

Wirklich Mühe aber haben die sogenannten "SkyActive"-Vierzylinder nicht. Kein Wunder: Der Roadster bringt einschließlich Fahrer nur gut 1000 Kilo auf die Waage, rund 100 Kilo weniger als der Vorgänger.

Nicht nur äußerlich ist der MX-5 sofort als Neuauflage auszumachen, auch im Cockpit blieb kein Stein auf dem anderen. Das Armaturenbrett wurde komplett neu gestaltet. Glücklicherweise verzichteten die Entwickler auf ein elektronisches Mäusekino und entschieden sich für klassische Rundinstrumente. Alles wirkt sauber verarbeitet, die Materialen sind hochwertig. Auch an genügend Ablagen wurde gedacht. Einziges Manko ist das nicht in der Tiefe verstellbare Lenkrad.

Sehr gut gelöst wurde dagegen die Mechanik des Verdecks. Ein Griff nach oben genügt, Entriegelung lösen und einfach das Softtop nach hinten schmeißen und einrasten lassen. In das vordere Verdeckteil ist eine Hartschale eingearbeitet. Sie bildet gleichzeitig die Abdeckung hinter den Sitzen. Keine fünf Sekunden vergehen, und der MX-5 ist offen. Schneller und einfacher geht's nicht. Ein faltbares Hardtop ist im Gespräch. Es kommt vermutlich nächstes Jahr.

Mazda bietet seinen Roadster in vier Ausstattungslinien an. Bereits die Basis ab 22 990 Euro verfügt über Voll-LED-Scheinwerfer, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, Klimaanlage und ein Audio-System mit USB-Buchse. Wer LED-Tagfahrlicht, ein dicker gefüttertes Verdeck, etwas Leder und vor allem eine bessere Konnektivität im Cockpit haben möchte, sollte die Center-Linie für 1000 Euro Aufpreis wählen.

Erstmals Assistenten

Exclusive-Line wartet zusätzlich mit Spurhalteassistent, Sitzheizung, Lederausstattung und Leichtmetallfelgen auf. "Die meisten werden dennoch zur Top-Version greifen", sagt Mazda Deutschland Geschäftsführer Josef Schmid. Sie kostet mindestens 27 490 Euro. Man darf gespannt sein, ob diese Kunden dann Assistenzsysteme wie Spurhaltung, Ausparkhilfe und dynamisches Kurvenlicht ordern werden, die Mazda erstmals für den MX-5 anbietet. Zur puristischen Philosophie wollen diese allerdings nicht so recht passen. (mid)
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