Rosenmontagsumzug unter dem Eindruck der Silvester-Übergriffe
Keine Armlänge im Kölner Karneval

Der Kölner Rosenmontagszug setzt bei Mottowagen auf harmlosere Motive im Vergleich zu Städten wie Braunschweig (im Bild). Die niedersächsische Großstadt sagte 2015 seinen Umzug nach einer Terrorwarnung ab. Bild: dpa

Die Silvester-Übergriffe sind gerade für den Karneval, wie er in Köln praktiziert wird, eine große Gefahr. Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass man nicht mehr unbeschwert feiern gehen kann, wäre der Markenkern bedroht.

Köln. Jedes Jahr spotten die Düsseldorfer über die kreuzbraven Kölner Rosenmontagswagen. Echte Kölner können darüber nur den Kopf schütteln. Wer so redet - sagen sie - hat das Wesen ihres Karnevals nicht begriffen. In Köln geht es nicht um Satire, sondern um die Stimmung, ums gemeinsame Feiern. Es geht darum, die ganze Welt ins "Kölsche Hätz" einzuschließen - das viel besungene große Herz der Kölner. Genau deshalb sind die Übergriffe der Silvesternacht für das Image des Karnevals so gefährlich.

Wenn sich der Eindruck verfestigen sollte, dass man in Köln nicht mehr unbeschwert feiern gehen kann, wenn man künftig lieber eine Armlänge Abstand hält, anstatt sich beim Nebenmann zum Schunkeln einzuhaken, dann wäre der Karneval beschädigt. "Die Ereignisse der letzten Wochen haben schon dafür gesorgt, dass wir eine andere Wahrnehmung haben", erklärt Zugleiter Christoph Kuckelkorn am Freitag im Karnevalsmuseum.

Satire und Bussis


Voller Stolz stellt Kuckelkorn die Motive für die wichtigsten Prunkwagen vor. Angela Merkel ist gleich mehrfach dabei, zum Beispiel mit schlaffer Europa-Flagge und beim Knacken harter Nüsse in der Flüchtlingskrise. Gleichwohl hat die Präsentation etwas Festliches. Die Teilnehmer bekommen anschließend einen Orden umgehängt, und es gibt Bützjes. Bützje ist ein Wangenkuss mit geschlossenen Lippen. Eine von vielen Besonderheiten des Kölner Karnevals. Man muss nicht aus Syrien kommen, um hier erst einmal einen gewissen Schulungsbedarf zu haben. Castrop-Rauxel reicht da auch schon.

Flyer mit Karneval-Regeln


Deshalb hat das Festkomitee jetzt für Flüchtlinge und andere Neu-Kölner einen Flyer herausgebracht, der ihnen den Karneval erklärt - auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Auf die Frage "Darf ich einfach so mitfeiern?" bekommt man dort zum Beispiel die Antwort: "Auf jeden Fall! Die Kölner sind ziemlich offen und neugierig Fremden gegenüber. Der Umgang ist sehr locker, Freundlichkeit und Respekt sind oberstes Gebot."

Dazu muss man sagen, dass es beim Alkoholkonsum in der Innenstadt mit dem Respekt oft nicht so weit her ist. Aber in den Vierteln jenseits des Zentrums, da lebt er noch: der Karneval, "der tief aus dem Volk kommt", wie es die Wahl-Kölnerin Elke Heidenreich formuliert. Der Karneval der Eckkneipen und Pfarrheime, der selbst geschneiderten Kostüme. Bei dem auch Muslime ganz selbstverständlich dazugehören, weshalb es auch undenkbar wäre, einen islamkritischen Wagen im Rosenmontagszug mitfahren zu lassen. Es soll sich niemand ärgern an diesem wunderschönen Tag

Köln verstärkt KommunikationsnetzDie Kölner Karnevalisten reagieren mit einem erweiterten Kommunikationsnetz beim Rosenmontagszug auf die Übergriffe der Silvesternacht. In diesem Jahr würden über 100 zusätzliche Kontaktpunkte im Funknetz geschaffen, kündigte Zugleiter Christoph Kuckelkorn am Freitag an. Insgesamt gebe es dann etwa 200 Funkpunkte. Wenn es irgendwo ein Ereignis geben sollte, das Anlass zur Sorge gebe, könne man die Einsatzzentrale sofort informieren. "Wir wollen mehr Kommunikation rund um den Rosenmontagszug", so Kuckelkorn. (dpa)
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