Rücksichtslose Gier nach immer mehr Konsum das eigentliche Problem

Zum UN-Klimagipfel in New York:

Die Energiewende wird mit der Gewinnung von Energie aus Sonne und Wind verbunden. Die Alternativen sind Kohle, Atomstrom, Öl, Gas oder Fracking. Die Meinung ist deshalb: Jeder muss ein Opfer bringen. Und darum müssen auch wir Oberpfälzer eben unsere Landschaft opfern. Das ist doch eh nichts Greifbares. Jetzt zählt nur eines: WKAs statt AKWs. Ökostrom statt Artenvielfalt. Warum aber hat auf den Plakaten und Bannern nicht der Satz "Energie einsparen und Konsum drosseln" Priorität?

Seit über 40 Jahren (Club of Rome) weiß man, dass Energie eingespart werden muss. Auch Jimmy Carter hat dies bereits in den 1970er Jahren eindringlich angemahnt. Stattdessen hat in den letzten Jahrzehnten der Primärenergieverbrauch weltweit um 123 Prozent zugenommen. Der CO2-Ausstoß stieg in den vergangenen Jahren mehr denn je. Ein Umdenken der materialistischen Gesellschaft ist seit der Ölkrise, seit Tschernobyl oder Fukushima nicht erfolgt und wird auch in Zukunft nicht erfolgen. Denn nur durch Wachstum, Beschleunigung und immer noch mehr Konsum funktioniert die globale Wirtschaft. Gerade die Entwicklungsländer haben eine Gier nach Wachstum und Wohlstand.

Es wird immer noch mehr Stromverbrauch geben und es werden dafür immer noch mehr Windräder benötigt. Dort, wo schon welche stehen, können dann ohne komplizierte Genehmigungsverfahren weitere aufgestellt werden. Stromtrassen und Fracking werden dann auch für uns Realität, denn die WKAs werden nicht ausreichend Energie liefern können.

"Klimaschutz ist nicht möglich ohne eine grundlegende Reform des Kapitalismus", sagt Naomi Klein, eine Aktivistin für den Klimaschutz. Und Kapitalismus ist Materialismus.Wir als Verbraucher hätten es in der Hand - durch weniger Konsum weltweit und in allen Bereichen. Ein Umdenken ist unabdingbar. Früher oder später wird die Menschheit nicht mehr darum herum kommen. Stattdessen graben wir uns selber den letzten Tropfen Lebenssaft ab, indem wir neben dem Klima auch noch die letzten intakten Landschaften, unsere Identität und die Biodiversität opfern - durch den Bau von hässlichen Energielieferanten aus rücksichtsloser Gier nach immer noch mehr Konsum.

So lange Schotter statt vielfältige Staudenbeete in den Vorgärten als reizvoller empfunden wird, so lange Bäume nur als Dreckproduzenten und Gefahr für Passanten gesehen werden, so lange man sich über die Pkw-Maut aufregt und noch mehr energie- und flächenverschlingende Neubau- und Gewerbegebiete ausgewiesen werden, sehe ich keine Chance für ein Umdenken zum Klimaschutz hin. Windkraftanlagen wirken da auf mich eher wie ein Mittel für wenige, sich zu bereichern.

Und die ausblutende Provinz? Wer will schon in einem Ort wohnen, in dem der Ortskern verödet und verfallen ist und außen herum keine nennenswerten Landschaften und lebenswerten Erholungsgebiete mehr vorhanden sind, weil dort Energiegewinnung und grässliche Konsumtempel vorherrschen?

Wahrscheinlich braucht der Mensch die Klimakatastrophe, um endlich zu verstehen.

Christine Schreiber, 92685 Floß
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