Ruth Maria Kubitschek feiert Geburtstag
Das „Spatzl“ wird 85

Ich fühle mich hier wirklich zu Hause, ich ticke inzwischen auch wie die Schweizer.
 
Ruth Maria Kubitschek 1968 als Helena in "Die Troerinnen des Euripides" in den Münchener Kammerspielen. Seither wurde die Wahlschweizerin, die heute 85 Jahre alt wird, vor allem durch ihre TV-Rollen bekannt. Bild: dpa


Ich fühle mich hier wirklich zu Hause, ich ticke inzwischen auch wie die Schweizer.Ruth-Maria Kubitschek über ihre Wahlheimat

Als Ruth Maria Kubitschek 80 wurde, war für eine Party keine Zeit. Drehs, Buchlesungen, Ausstellungen - der Terminkalender war übervoll. Heute wird die Grande Dame des deutschen Fernsehfilms 85. "Und diesmal wird mit der Familie wirklich gefeiert, darauf freue ich mich sehr", sagt sie.

Salenstein. Inzwischen ist ihr Leben ruhiger geworden. Ort der Handlung ist Kubitscheks Anwesen samt "Garten der Aphrodite" in Salenstein auf der Schweizer Seite des Bodensees. Einer der schönsten Flecken Europas. Für die Schauspielerin, Buchautorin und Malerin aber auch ein Ort stiller Trauerarbeit: "Ich versuche immer noch, mich von dem Verlust von Wolfgang Rademann zu erholen", berichtet sie. Ihr Lebensgefährte - Schöpfer von Erfolgsserien wie "Das Traumschiff" und "Die Schwarzwaldklinik" - war mit 81 Jahren gestorben. Trost findet die vielseitige Künstlerin in der Beschäftigung mit einem literarischen Projekt, für das sie wegen der langen Krankheit Rademanns nicht die Zeit und Kraft gefunden hatte. Dass es in ihrem neuen Buch wieder um große Fragen des Lebens geht, lässt sich ahnen. Vorerst will sie nichts verraten.

Unzählige Anekdoten


Fans der "Kubi" würden sich wohl über weitere Schmunzel-Details aus ihrem reichen Künstlerinnenleben freuen. 2014 hatte sie in "Liebeserklärung an die Natur" unter anderem von einer Begegnung mit Gina Lollobrigida berichtet. Dabei habe die Italienerin anfangs Kubitscheks Sohn Alexander zur Erheiterung für ihren Liebhaber gehalten. 2014 war auch das Jahr, in dem Kubitschek den Schlussstrich unter eine der aufregendsten Filmkarrieren Deutschlands zog. Hat sie das je bereut?

Am Anfang sei ihr der Rückzug von einem Leben mit eiserner Termin- und Studiodisziplin durchaus schwer gefallen, berichtet Kubitschek am Telefon. Aber heute sei sie froh, alles mit großer Gelassenheit angehen und "mit Publikumsaugen" Filme verfolgen zu können. Jegliches Konkurrenzdenken sei verflogen. "Ich freue mich, wenn eine gut ist. Ich schaue mir die Abendkleider an und wie sie alle über den roten Teppich rutschen - und ich muss das nicht mehr, das ist wunderbar."

Das ist freilich die Souveränität einer großen Künstlerin, die Deutschland über viele Jahre begeistert hat. Besonders als "Spatzl" ist sie heute noch berühmt. Wie Kubitschek 1983 in der ARD-Serie "Monaco Franze" Film-Ehemann Helmut Fischer (mit dem berühmten Dackelblick) alle Eskapaden verzieh, war Spitze. Man sah sie in der Schickeria-Satire "Kir Royal", im "Traumschiff", im "Tatort" oder in "Das Erbe der Guldenburgs" sowie in vielen Kinofilmen. Immer wieder spielte sie auch Theater.

Vielleicht hat Kubitscheks Vielseitigkeit auch etwas mit ihrem Lebensweg zu tun. Geboren 1931 in Komotau (heute Tschechien) floh sie mit ihrer Familie gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren". Ihren Bühnenwunsch musste sie gegen den Willen der Eltern durchsetzen. Nach dem Besuch von Schauspielschulen in Halle und Weimar gab sie ihr Debüt in Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti". Innerhalb weniger Jahre wurde sie zum Star des DDR-Fernsehens und des DEFA-Films.

Doch die junge Frau wollte mehr, andere Rollen spielen, als es in der DDR möglich war. Immer wieder sei ihr das verwehrt worden. 1959 ging sie ohne ihren Mann, Regisseur Götz Friedrich, mit dem Sohn in den Westen. Doch als endgültige Heimat wählte Kubitscheck schließlich die Schweiz. Dort lebt sie seit mehr als 20 Jahren, 2013 wurde sie eingebürgert. "Ich fühle mich hier wirklich zu Hause, ich ticke inzwischen auch wie die Schweizer", sagt sie.
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