Sachlich auseinandersetzen

Zum Kommentar "Die Windkraft und ihr verbreitetes Akzeptanzproblem":

Richtig ist, dass es einen Einspeisevorrang von regenerativer Energie im Netz gibt. Diese politische Entscheidung sollte Prioritäten für Klimaschutz und nachhaltige Energieversorgung setzen. Das betrifft auch Windräder. Wenn gleichzeitig Kohlekraftwerke ihre Produktion nicht drosseln, sondern ausbauen, kann man auch sagen, dass zu viel Kohlestrom im Netz ist, der dann angeblich "verramscht" wird.

Diesem Begriff "verramschen" möchte ich aber gerne einige Zahlen entgegensetzen: Deutschland hat z.B. 2012 tatsächlich 22 Terrawattstunden mehr Energie exportiert als importiert. Dafür erzielte Deutschland auch Einnahmen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Das macht pro Kilowattstunde 6,36 Cent aus. Der Preis pro Kilowattstunde Strom an der Leipziger Strombörse bewegte sich im gleichen Jahr zum größten Teil zwischen 2 und 6 Cent, bei einem Mittel von etwa 4 Cent. Wenn also Deutschland Strom zu einem 50 Prozent höheren Preis ins Ausland verkauft als die Versorger im Inland erzielen können, würde ich von einem guten Geschäft sprechen, nicht von Verramschung.

Es ist sicher richtig, dass sich für insgesamt sehr wenige Stunden im Jahr auch ein negativer Strompreis ausgebildet hat und ausbilden wird. Der ist aber schon in dem mittleren Preis von 6,36 Cent enthalten. Ich teile die Meinung, dass Windkraft die Bevölkerung stark polarisiert. So stark, dass oftmals emotional heftig gestritten wird, aber die Fakten entweder keine Rolle mehr spielen oder stark verdreht werden.

Dabei sollte man durchaus artikulieren können, dass man sich von Windrädern oder regenerativen Energien im Allgemeinen in seiner Lebensqualität beeinträchtigt fühlt. Das wäre ein Faktum, das Ernst zu nehmen und demokratisch zu würdigen ist. Dazu sollten wir beitragen, indem wir uns weiterhin sachlich mit dem Thema auseinandersetzen.

Siegfried Schröpf, Geschäftsführer Grammer Solar, 92224 Amberg
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