Schatzkiste Oberpfalz

Bild: spi

Eine Schweißperle rollt den Nasenrücken von Bergmann Georg Schaller entlang. Sie bleibt kurz an der Spitze hängen. Dann tropft sie ins Wasser - tief unter der Erde. Es ist heiß in den Oberpfälzer Bergwerksstollen. Was ist vom Ruhrgebiet des Mittelalters noch übrig?

Im 14. bis 17. Jahrhundert hatte der Oberpfälzer Bergbau seine Blütezeit. Davon sind in der Amberger Landschaft noch stille Zeitzeugen zu finden. Einige bewahrt das Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern in Theuern auf. "Die Oberpfalz ist mit Bodenschätzen wie Eisenerz gesegnet. Die Menschen förderten die Rohstoffe und verarbeiteten sie" , erklärt Michael Ritz, Leiter des Museums. Die Oberpfälzer Bergbauindustrie, die vor rund zwei Jahrtausenden entstanden sei, habe mit den Wäldern das Landschaftsbild geprägt. "Bei uns produzierten die Menschen Eisen für den Weltmarkt", meint Ritz.

Holz als Warnsignal

Bis 1987 wurde Erz in rund 100 Meter tiefen Schächten abgebaut. Aus den Stollen brachten Kumpel zentnerweise Eisenerz, Ton, Kaolin und Kupfer ans Tageslicht. "Mit einer Grubenlampe, Helm, Pickel und Schaufel ausgerüstet, arbeiteten sie sechs Tage jeweils bis zu zehn Stunden unter der Erde", erzählt Hans Prem aus Witzlhof. "Es war heiß, staubig, dunkel und die Arbeit schwer." Die Leidenschaft für die Bergwerksgeschichte entdeckte Prem in der Schule. "Ich hing an den Lippen meines Lehrers, wenn er über die Arbeit in den Stollen redete."

Das Eisenerz hätten die Bergarbeiter mit dem Pickel aus dem Stein gehackt und die Brocken in Wägen verladen, die "letzter Hunt" genannt würden. "Im Mittelalter brachten die Menschen die Rohstoffe mit Eimern und Flaschenzügen ans Tageslicht", weiß Jörg Gebert, Mitarbeiter des Museums. "Die Arbeiter spannten Pferde ein, um das Drehkreuz zu bewegen." Überirdisch schmolzen Männer das Erz in Schachtöfen zu Roheisen. Die Kumpel lieferten Nachschub. "Es war gefährlich. Das Erdreich drückte auf die Stollen", sagt Prem. Die einzige Absicherung seien Holzstützen gewesen. "Wenn die knarzten, veränderte sich der Druck der Erde. Der Schacht könnte einstürzen", erklärt er.

Mit einer Münze sei kontrolliert worden, ob alle aus dem Stollen zurück waren. Beim Einfahren hängte jeder seine Münze an die Wand, beim Ausfahren nahm er sie wieder mit. War keine Münze mehr da, war kein Arbeiter mehr unten. "Die heilige Barbara ist die Schutzpatronin. Sie passte unter Tage auf die Männer auf", sagt Gebert. "Die Kumpel stellten sie in eine Nische im Stollen. Statuen von der Schutzpatronin gibt es heute noch hier." Im Innenhof des Museums steht eine Grubenbahn. "Früher fuhren die Kumpel damit in den Schacht."

Die Bergleute hätten sich nicht nur der Enge unter der Erde ausgesetzt, sondern auch der Gefahr, verletzt oder lebendig begraben zu werden. "Es hat mich als Kind erstaunt, wie stolz die Bergarbeiter auf ihren Beruf waren", erinnert sich Ritz. "Sie waren angesehen, weil sie Erz für die Herstellung von Eisen lieferten."

Eisen schon bei Kelten

Das Eisen sei so wertvoll gewesen, dass sie es gegen das damals rare Salz tauschen konnten. "Auf der Vils brachten Plätten - Holzfloße - das Eisen nach Regensburg: Vils abwärts Eisen, Vils aufwärts Salz, das war der Handel der Oberen Pfalz." Wasser- und Waldreichtum seien laut Gebert entscheidende Faktoren für die Oberpfälzer Eisenindustrie gewesen. Der Wald lieferte den Rohstoff für die Holzkohlegewinnung, die wichtig für die Verarbeitung des Eisens war. Das Wasser war der Transportweg. Neben den Museumsexponaten sind noch andere Spuren sichtbar. "Auf dem Mariahilfberg gibt es Kuhlen - Absenkungen der Erde - aus dem mittelalterlichen Bergbau", sagt Gebert. "Dort gruben die Arbeiter rund zehn Meter tief nach Erz." Der Schaustollen "Max" in Sulzbach-Rosenberg zeige, wie die Arbeit unter der Erde gewesen sei.

Vom Pulverturm auf dem Amberger Erzberg sei noch das Fundament zu sehen. "Dort wurde das Pulver für die Sprengungen beim Bergbau gelagert", weiß Prem. Der Reiz liege für ihn darin, ein Stück Heimatgeschichte zu bewahren. Vor zwei Monaten seien in Amberg Erz- und Schlackebrocken aus dem 8. Jahrhundert gefunden worden. "Die Kelten müssen damals schon Erz zu Eisen verschmolzen haben", schwärmt Prem.
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