Schirmherr Andreas Meier über die Bedeutung und Wirtschaftlichkeit der schönen Künste
Unschätzbar wertvoller Kulturträger

Landrat Andreas Meier.
Ins Theater geht Andreas Meier eher selten. Der Neustädter Landrat bevorzugt in seiner knapp bemessenen Freizeit eher Rockkonzerte. "Als Bürgermeister von Windischeschenbach war ich regelmäßig beim Freilichttheater der Laienspielschar in Neuhaus", erzählt Meier. "Die Burgfestspiele kannte ich vorher nur von einer Schulaufführung."

Bereits zum zweiten Mal begleitet das Landkreisoberhaupt nun als Schirmherr die Burgfestspiele Leuchtenberg. Und obwohl der 37-Jährige nicht besonders theateraffin ist, gelang dem Landestheater Oberpfalz (LTO) mit ihm ein Glücksgriff.

Bedeutung immens

Hat die überregional bekannte Veranstaltungsreihe in ihm doch einen energischen Fürsprecher. Zuweilen in der Sache konstruktiv-kritisch misst er den Aufführungen auf der Burgruine Leuchtenberg und der Vohenstraußer Friedrichsburg eine immens hohe Bedeutung bei.

"Das LTO ist einer der zentralen Kulturträger in der Region, der eine starke Strahlkraft hat und noch mehr haben könnte", so Meier. Als Konkurrenz zu Laientheatern sieht er es nicht, auch wenn dies öfter bei der Zumessung von Kultur-Etats thematisiert wird. Hier widerspricht der Politiker: "Anspruch, Ausrichtung und Finanzierung sind nicht vergleichbar. Wir brauchen aber natürlich beide Theaterarten."

Die schwieriger werdende Theaterförderung beschäftigt die Politik zunehmend. Beispiele wie das Augsburger Stadttheater, dessen Sanierung eine Viertelmilliarde Euro kosten soll, werfen grundsätzliche Richtungsfragen auf. Auch wenn das Landestheater, das sich in einem Prozess der Umstrukturierung befindet, seine Hausaufgaben machen müsse, sei auch die öffentliche Hand in der Pflicht. "Kultur muss sich nicht rechnen", bekräftigt Meier. Sie werde immer ein Zuschussbetrieb sein.

Alle an einem Strang

Die Probleme, kulturelle Angebote zu erhalten, kennt auch das LTO. 2014 war die Lage sehr angespannt. Ebenso wie der Freistaat habe sich der Landkreis "weit aus dem Fenster gelehnt" und mitgezogen, erläutert Meier die Erhöhung der Fördergelder. "Wir zeigen damit, dass wir großes Vertrauen in das Landestheater haben."

Der Landrat sieht darin noch eine weitere wirtschaftliche Komponente: "Das Thema Kultur ist mittlerweile auch ein Ansiedelungskriterium."

Was ehemals nur als softer Standortfaktor galt, sei nun für die Attraktivität der Region im Wettbewerb um junge Familien ungleich wichtiger. Dies habe zuletzt wieder die Behördenverlagerung in die ländlichen Regionen des Freistaates gezeigt.

Ziel: Breites Angebot

"Freizeit ist ein knappes Gut. Es ist wichtig, den Zugezogenen und ihren Familien die Möglichkeit zu bieten, ihren kulturellen Neigungen auch auf dem flachem Land nachzugehen", hebt der Landrat hervor.

Das vielfältige Angebot des Landestheaters wie Volksstücke, klassische Stoffe, Jugend- und Kinderstücke sowie Musiktheater findet Meier deshalb den richtigen Weg: "Ich denke, dass es Zukunft hat, wenn man verschiedenste Ansprüche bedient." Eine Spezialisierung wäre für die Entwicklung des LTO ungünstig.

Er selbst habe bei seinen überschaubaren Theaterbesuchen eine Vorliebe für ein bestimmtes Genre bisher nicht entwickelt. "Meistens waren es Volksstücke, die ich gesehen habe." Auch das nächste wird eines sein, ein musikalisch aufgewertetes.

Denn das LTO eröffnet die Burgfestspielsaison am 21. Mai mit dem Stück "Die Kurpfuscherin" unter der Regie von Marlene Wagner-Müller. Leuchtenberg und die Friedrichsburg bleiben erneut nicht die einzigen Spielorte des Theatersommers. Auch das Publikum in Neumarkt, Neunburg vorm Wald oder Kemnath darf sich auf LTO-Stücke freuen.

Eine Erweiterung und Vertiefung des Einzugsgebietes, die Meiers Meinung nach Synergieeffekte schaffe: "Es ist sinnvoll, weiter in die Fläche zu gehen." Denn hier - in den "neuen" Kommunen und Kreisen - sieht der Landrat Unterstützer-Potenziale.

Daseinsvorsorge

Andere Mäzene aus dem Unternehmensbereich zu finden hält Andreas Meier dagegen für schwierig: "Viele Firmen haben Stiftungen. Außerdem werden sie ständig von verschiedenen Seiten angesprochen." Zudem seien Ausgaben für Kultur für die Kommunen ein Stück Daseinsvorsorge. "Für mich sollten sie nicht freiwillige Leistungen sein, die bei Haushaltsproblemen als erste auf den Prüfstand kommen, sondern Pflicht."

"Die zunehmende Professionalisierung kostet Geld", weiß Meier um den Balanceakt, qualitativ hochwertiges Theater zu machen. "Mit dem Überbrückungsgeld haben wir dem Landestheater Zeit erkauft, neue Partner zu gewinnen."

"Eigentlich ist es so einfach, wie es LTO-Geschäftsführer Frank Kasch in einer Gesprächsrunde sagte: ,Eine Region wird sich entscheiden müssen, ob sie sich Kultur leisten will oder nicht'", betont der Landrat. Andreas Meier hat diese Frage für sich längst beantwortet: "Zwar nicht um jeden Preis. Aber die Region muss und wird es sich leisten. Es lohnt sich."
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