Schmähgedicht
Gysi kritisiert Böhmermann

Gregor Gysi. Bild: dpa

Berlin/Mainz. Gregor Gysi (68) hat den TV-Satiriker Jan Böhmermann (35) für dessen Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten kritisiert. Er habe das Gedicht über Recep Tayyip Erdogan gelesen und finde es "nicht witzig", sagte der Politiker der Linken vor seinem Auftritt in Böhmermanns ZDF-Show "Neo Magazin Royale" der Zeitung "Freien Presse". Es würden viele Vorurteile bedient, sagte Gysi. "Das ärgert mich. Es ist eine Schmähkritik."

Über die erste Folge der Satire-Show seit rund einem Monat sagte der Politiker der "Bild" nach der Aufzeichnung: "Es ist eine schöne Jugendsendung. Die Witze darin waren so teils, teils." Böhmermann hatte angekündigt, diesmal nur Witze von Zuschauern vorzutragen. In Anspielung auf den Strafrechtsparagrafen 103 hatte er dafür 103 Euro ausgelobt. Witze über Erdogan gibt es laut Gysi nicht. Das strittige Erdogan-Gedicht von Ende März sei rechtlich gesehen eine Beleidigung, sagte der promovierte Jurist der "Freien Presse". Er sei zwar ein Verfechter der Kunstfreiheit. "Aber man sollte sie auch nicht missbrauchen. Jan Böhmermann hätte das so nicht sagen müssen." Die Justiz ermittelt gegen den 35-Jährigen Böhmermann.

Böhmermann äußerte sich zum Umgang mit seinem umstrittenen Gedicht "Schmähkritik". "Ich war dann doch überrascht, dass die Grenzen der Freiheit nicht so großzügig und weit ausgelegt werden, wie ich das bislang immer gedacht habe", sagte der Satiriker in einem Clip der ZDF-Nachrichtensendung "heute +", der am Donnerstag online ging. Es sei eher Schluss, als er das für richtig halte, sagte er weiter.
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