Schnäppchenparadies Südafrika

Der Tourismus in Südafrika boomt. Ebola gab es hier nie, und das begreifen langsam auch die deutschen Urlauber. Der sonnige Kap-Staat gilt mittlerweile als relativ sicheres Schnäppchenparadies für Abenteurer, Gourmets und Safari-Fans.

Das Adrenalin pumpt, der Puls rast. Kaum 20 Meter entfernt döst ein geflecktes Tier unter einer Schirmakazie. Es ist ein Gepard. Alle Viere von sich gestreckt, liegt er auf der Seite und schlummert. "Er hatte ganz offensichtlich gerade ein üppiges Mahl", sagt der erfahrene Ranger und deutet auf den erkennbar gewölbten Magen des Tieres. Doch auf einmal geht der Kopf des Raubtiers in die Höhe. Eiskalte Blicke mustern die kleine Gruppe von Touristen, die ihre Kamera-Objektive auf das prächtige Raubtier richten.

Fauchen reicht

Ein kurzes Fauchen reicht. "Das ist eine klare Warnung - kein Schritt näher", warnt der Ranger. Auch wenn der Gepard gerade Siesta hält: Ungefährlich ist er nicht. Doch der Wildhüter kennt seine Tiere. Im landschaftlich traumhaft gelegenen Samara-Wildschutzgebiet in Südafrika bekommt die Begegnung mit der Wildnis eine ganz andere Bedeutung: Der Wildtier-Tourismus ist längst auch abseits der ausgetretenen Pfade des Krüger-Nationalparks salonfähig geworden.

Klein, aber fein lautet in der Regel die Devise der vielen privaten oder öffentlichen Wildtierparks, die sich im Kap-Staat seit Jahren etablieren. Seit die Währungen vieler Schwellenländer nachgaben, hat sich Südafrika zum Schnäppchenparadies entwickelt. Gerade Urlauber aus Europa bekommen seitdem Erste-Klasse-Service zu kleinem Preis. Außerdem sind die Flugpreise dank des fallenden Ölpreises im Sinkflug. Ein weiterer Vorteil, der für Urlaub am Kap spricht: Südafrika liegt in der gleichen Zeitzone wie Europa.

Ein Nachtflug, und das Abenteuer kann beginnen. Alles also bestens beim Südafrika-Tourismus? Mitnichten. "Wir hatten 2014 ein sehr schwieriges Jahr", sagt die Leiterin des südafrikanischen Fremdenverkehrsverbands SA Tourism, Theresa Bay-Müller. Der Grund heißt Ebola. Obwohl die Krankheit fast 6000 Kilometer weiter nördlich im Westen des Kontinents grassierte, was in etwa der Distanz zwischen Hamburg und New York entspricht, geriet der gesamte Kontinent unter Generalverdacht.

Der Südafrika-Tourismus bekam das ebenso wie der in Kenia zu spüren. "Die Leute schmeißen den ganzen Kontinent in einen Topf - die geringen Kenntnisse über Afrika beeinflussen das Reiseverhalten enorm", sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV). Eine im Internet kursierende Karikatur, die das Epizentrum der nun abebbenden Seuche auf dem riesigen Kontinent farblich erkennbar darstellt, macht das deutlich: Es ist, als ob der Kleinstaat Andorra ganz Europa den Stempel aufdrücken würde.

Dennoch zählen die Deutschen nach Bay-Müllers Angaben zu den treuesten Südafrika-Touristen. "Insgesamt schneidet Deutschland überdurchschnittlich gut ab in den letzten fünf Jahren", sagt sie. Es sei das einzige Kundenland, das seit der Fußballweltmeisterschaft 2010 am Kap jedes Jahr um die 10 Prozent Wachstum bei der Zahl der Touristen verzeichnet hat.

Kultur erleben

"Wir wissen, dass die deutschen Urlauber nicht nur wegen der Wildtiere, schönen Landschaften und Strände nach Südafrika kommen, sie wollen auch unsere Kultur erleben und die Bevölkerung kennenlernen", sagt der neue südafrikanische Tourismusminister Derek Hanekom. Bei den Urlaubern aus Übersee stelle Deutschland das drittgrößte Kontingent - mit Luft nach oben. "Wir sind entschlossen, Südafrika zu einer der gefragtesten 20 Top-Urlaubsziele weltweit zu machen." Die Chancen dafür stehen gut. Der Kap-Staat ist trotz aller Probleme weit genug weg von den Konfliktherden dieser Welt, die selbst dem Türkei-Tourismus bereits erste Einbußen bescheren.

Südafrika setzt bei seinem Angebot außerdem auf Diversifizierung. Ob Wildtier-Beobachtung in den großen Parks, Tauch- und Badeurlaub am Indischen Ozean im Osten des Landes, Wein- und Schlemmerkurse auf der Kap-Halbinsel, Ballonfliegen über der Savanne oder Rafting auf dem Orange River: Das Land trumpft mit seiner Vielfalt. Oft kommt das Angebot auf hohem Niveau daher: Spitzenköche etwa machen das Picknick in der Savanne zu einem besonderen Erlebnis.

Nischen-Regionen

Dabei finden auch zunehmend abgelegenere Regionen ihre Nischen. In der an die Region um Kapstadt grenzenden Ostkap-Provinz etwa etablieren sich immer mehr Pensionen, die ihr Angebot gezielt auf Familien mit Kindern abstellen. Das von einem Aussteiger-Ehepaar aus Johannesburg betriebene "Lowlands Country House" in der trockenen Karoo ist zum Beispiel so eine Einrichtung. Es handelt sich um ein ehemaliges Farmgebäude nahe der Stadt Graaf-Reinet, das preiswerte Unterkunft mit Freizeit-Aktivitäten anbietet, die auch mit kleineren Kindern problemlos machbar sind.

"Wir wollten unser Angebot bewusst erschwinglich halten und dabei auch ein wenig Farmer-Atmosphäre vermitteln", sagt Betreiberin Anne Bowker. Ob Reiten, Angeln, Wandern oder der fachkundig erklärte Blick in den Sternenhimmel: Südafrika habe mehr zu bieten als nur Wildtier-Exotik.
Weitere Beiträge zu den Themen: Durban (27)Mai 2015 (7906)
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