Schüsse bei missglückter Festnahme in Oregon
Park-Besetzung eskaliert

Eine Gruppe bewaffneter Landwirte hatte ein Verwaltungsgebäude im Malheur National Wildlife Refuge-Naturpark in Oregon als Protest gegen die Verurteilung von zwei Ranchern wegen Brandstiftung besetzt. Bild: dpa

Ein Highway im tiefsten Westen der USA. Es fallen Schüsse, ein Mensch ist tot. Eine Besetzung eines Naturparks in Oregon mündet in einer missglückten Festnahme. Die Ereignisse laufen aus dem Ruder.

Burns. Die Situation hatte alle Zutaten zu einem Desaster. Eine Gruppe, die in Cowboy-Manier das Recht selbst in die Hand nimmt. Die sich bewaffnet und sich in den Gebäuden eines Naturparks verschanzt. Das war Anfang Januar. Jetzt ist ein Mensch tot, und es bleiben Fragen.

Festnahme eskaliert


Was sich auf dem Highway 395 nahe der kleinen Stadt Burns am Dienstagabend genau abgespielt hat, ist unklar. Das FBI sagt so viel: Um 16.25 Uhr habe es einen Festnahmeversuch auf der Straße gegeben. Es seien Schüsse gefallen, eine Person sei gestorben. Fünf andere seien festgenommen worden, zwei andere später und an anderen Orten.

Unter ihnen ist auch der selbst ernannte Anführer der Gruppe, Ammon Bundy. "Wir sind die Speerspitze", hatte er immer wieder in Interviews gesagt. Die Gruppe wollte zwei Rancher unterstützen. Einen Vater und einen Sohn, die Haftstrafen wegen Brandstiftung antreten mussten. Sie sollen auf Land der Bundesregierung Feuer gelegt haben, um Spuren von Wilderei zu verwischen. Ende 2015 urteilte ein Bundesrichter, die Haft sei nach Bundesrecht zu kurz gewesen, die Männer müssten nochmals einsitzen. Am neuen Urteil entzündeten sich der Protest und eine Demonstration.

Von dieser Demonstration spaltete sich die Gruppe der Besetzer ab. Ihnen ging es um die beiden Rancher und noch um viel mehr. Um Land, um Selbstbestimmung, um den Hass auf die Bundesbehörden im fernen Washington. Rund um den Park, im gesamten Bezirk Harney County, leben nur etwa 7000 Menschen. Die nächste größere Stadt ist 250 Kilometer entfernt. Noch viel weiter die Bundesregierung. Allerdings gehören dem Staat in Teilen Oregons bis zu 90 Prozent des Landes. Darum wird seit Jahrzehnten gerungen.

Die verurteilten Rancher Dwight Hammond (73) und Sohn Steven (46) dankten für die Unterstützung, wollten mit den Männern aber nichts zu tun haben. Auch Anwohner distanzierten sich. Unter den Bewaffneten waren Veteranen. Männer von weit her, ausnahmslos Weiße. Einer sagte: "Entweder stirbst du im Gefängnis, oder hier mit uns als freier Mann. Ich will als freier Mann sterben."

Die Polizei - sowohl vom FBI als auch von den örtlichen Sicherheitsbehörden - war zwar präsent, ließ sie aber gewähren. Zuletzt sollen sich rund 40 Menschen in dem besetzten Gebäudekomplex aufgehalten haben, darunter auch Frauen und Kinder. Sie konnten sich frei bewegen. Aber es gab Berichte, dass die Situation zunehmend angespannt war. Weil die örtlichen Behörden sich bei den Bundesbehörden beschwert hatten.

Viele Fragezeichen


Wie die Lage eskaliert ist, bleibt am Morgen danach erst einmal unklar. Warum erfolgte die Festnahme jetzt? Wer hat geschossen? Was ist mit den anderen Besetzern? Laut der Zeitung "Oregonian" wollen einige weiter ausharren. Das FBI soll sie aufgefordert haben, zu gehen, es gibt Berichte über Straßensperren. Die Behörden äußern sich zurückhaltend.

Laut Medien handelt es sich um den Sprecher der Gruppe. Vor ein paar Tagen hatte er dem "Oregonian" in einem Interview gesagt, der Ton der Polizisten habe sich geändert. "Sie sind härter geworden. Wenn sie aus ihren Autos steigen, steigen sie mit der Waffe in der Hand aus."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.