Schwelender Konflikt mit Laienvertretern in der katholischen Kirche?

Die Amtskirche und der Dialog:

In der Ankündigung zum Kemnather Pfingstritt stand: "Nach der Messe sucht der Bischof den persönlichen Kontakt zu den Gläubigen, hört deren Sorgen und Probleme an und spendet Trost und Segen." Da habe ich etwas anderes beobachtet. Nach der Messe erfolgte der Eintrag ins Goldene Buch, dann ein kurzes Interview und anschließend das Mittagessen. Der Dialog mit den Gläubigen: ausgefallen. So ist es bei jedem Pastoralbesuch: Morgens ein Besuch im Kindergarten, nachmittags ist dann das Altenheim dran. Ein Kontakt mit den Gläubigen: Nicht vorgesehen.

Dieses Verhalten hat System: Schon Prof. Hans Maier durfte in kirchlichen Räumen nicht seine Memoiren vortragen. Pfarrer Schüller von der Pfarrerinitiative durfte in kirchlichen Einrichtungen nicht sprechen. Zur Vorbereitung auf die Familien-Synode wurde ein Fragebogen verteilt. Papst Franziskus hat ausdrücklich die Bischofskonferenzen darum gebeten, alle Organisationen, Vereinigungen und kirchlichen Instanzen mit einzubeziehen. Im Bistum Regensburg wurde damit ein eng begrenzter Kreis beauftragt. Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Probleme in der Kirche angesichts der dramatischen Austrittszahlen inzwischen erkannt und zu Dialogveranstaltungen aufgerufen. Im Bistum Regensburg: Fehlanzeige. Unter Bischof Gerhard Ludwig Müller wurden die Laien-Vertretungen zu reinen Beratungsgremien abgestuft. Über die Arbeit in den Gremien der Pfarrgemeinde darf nicht mehr berichtet werden. Eine Vertretung im Dekanat gibt es überhaupt nicht mehr. Im Diözesanrat sind nur mehr die katholischen Verbände in beratender Funktion vertreten. Bischof Voderholzer wurde wiederholt aufgerufen, diese Regelung rückgängig zu machen. Da ist es kein Wunder, wenn immer weniger Kirchenmitglieder bereit sind, da mitzumachen.

Bischof Voderholzer sollte sich ein Beispiel an seinem Kollegen im Bistum Essen nehmen. Als dort die Bewegung "Wir sind Kirche" eine Versammlung abhielt, waren er und sein Generalvikar dabei. Im Sommer 2013 lud die Kirchenreform-Bewegung den Unternehmensberater Dr. Thomas von Mitschke-Collande zu einem Vortragsabend nach Regensburg ein. Er referierte zum Thema "Schafft sich die katholische Kirche ab?". Seine Zahlen belegen, dass inzwischen die Zahl der kritischen Kirchenmitglieder doppelt so hoch (36 Prozent) ist, als die Zahl der Kirchgänger, die loyal zur Kirche stehen (16 Prozent). Angesichts dieser Zahlen hat das Bistum Essen einen umfangreichen Dialogprozess in Gang gesetzt.

Am 31. Mai wird P. Mertes, SJ in Regensburg zum Thema "Verlorenes Vertrauen in der r. k. Kirche - wie kann es wiedergefunden werden?" sprechen. Er hat die Missbrauchsfälle in Berlin publik gemacht. Ich bin gespannt, ob sich ein Vertreter des Ordinariats sehen lässt.

Franz Gerl, 92224 Amberg
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