Sehnsucht nach heiler Welt
Verklärter Blick auf frühere Weihnachten

Märchenhaft verschneit war es früher öfter. Doch laut Meteorologen täuscht die Erinnerung. Bild: dpa

Berlin. Die deutsche Fest-Nostalgie ist legendär. Die Verklärung der Vergangenheit hat Hochkonjunktur zur Weihnachtszeit. Aktuelle Umfrage-Ergebnisse scheinen dies zu bestätigen. Aus Sicht der meisten Erwachsenen war Weihnachten laut repräsentativer YouGov-Umfrage früher festlicher (das sagen 68 Prozent), schöner (64 Prozent) und häufiger weiß (78 Prozent). Es dominiert bei vielen die Sehnsucht nach einer vermeintlich besseren Vergangenheit.

Wunsch nach heiler Welt


In diesem Jahr scheint der Wunsch nach einer heilen Welt, besonders groß zu sein. Zumindest könnte man so den Erfolg des Musikalbums "Weihnachten" von Helene Fischer deuten - das erste Mal, dass ein Weihnachtsalbum Platz eins der Jahrescharts schaffte. Trotzdem hat eine Mehrheit der Befragten Verlustängste. Laut YouGov-Umfrage verliert das Fest von Jesu Geburt aus Sicht einer überwiegenden Mehrheit seinen religiösen Kern: 82 Prozent stimmen dieser Aussage zu, 43 Prozent davon sogar "voll und ganz". Eine breite Mehrheit (88 Prozent) hält das Fest für "zu kommerzialisiert" - trotzdem machen die Läden viel Umsatz .

Widersprüchlich ist auch das Thema weiße Weihnacht. Dass früher auch in den tieferen Lagen mehr Schnee zum Fest lag, wie viele Menschen glauben, stimme nicht, versichert der Deutsche Wetterdienst. Nach Auswertung der vergangenen 60 Jahre habe sich an der Schneewahrscheinlichkeit nichts geändert. Laut Statistik gibt es in München etwa alle drei Jahre am Heiligabend Schnee, in Berlin und Dresden alle fünf Jahre, in Hamburg alle acht. Eine flächendeckende weiße Weihnacht gab es 2010 und 1981. Auf die Frage "Gab es Ihrer Erinnerung nach in Ihrer Kindheit häufiger oder seltener als heute Weiße Weihnachten?" gehen dennoch 80 Prozent davon aus, dass es früher öfter Schnee gab. Heuer wird es wohl überall grün bleiben.
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