Shakespeares Anti-Held gastiert mit den "lustigen Weibern von Windsor" auf Burg Leuchtenberg
Falstaff wirbt um Sympathie

Ein verfressener Maulheld und Säufer steht im Mittelpunkt der klassischen Komödie, die Künstlerischer Leiter Till Rickelt im Sommer inszeniert. Die Figur Falstaff ist trotz oder sogar wegen all seiner Unzulänglichkeiten ein wahrer Publikumsliebling. William Shakespeare erfand den wohlbeleibten Soldaten für sein Drama Heinrich IV. - und die Zuschauer mochten ihn so sehr, dass ihn der englische Dramatiker in seiner Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor" erneut in den Mittelpunkt stellte.

Das alles ist lange her: Im Jahr 1597 - also bereits vor über 400 Jahren - war Falstaff erstmals auf den Bühnen Englands zu sehen - und hat seitdem einen Triumphzug durch Theater auf der ganzen Welt hingelegt. Nun macht der unverbesserliche Schürzenjäger mit seinen "Weibern von Windsor" im Juni, Juli und August die Burg Leuchtenberg unsicher.

Auch Till Rickelt ist von dem dicken Ritter begeistert. "Falstaff ist der Grund, warum man das Stück macht", betont der Regisseur. Der besondere Reiz der Figur, des Dreh- und Angelpunkts der Komödie, sei seine Ambivalenz: eigentlich ein Anti-Held, aber trotzdem sympathisch. Rickelt will seiner Version der "Lustigen Weiber" am Ende auch einige "tragische Anklänge" verleihen, das Publikum soll mit dem Tunichtgut sogar ein bisschen Mitleid haben.

Damit es die Shakespeare-Komödie überhaupt auf den LTO-Spielplan schaffte, benötigte der Künstlerische Leiter zunächst einmal die passenden Akteure - allen voran natürlich einen geeigneten Falstaff-Darsteller. Doch den hatte er schnell gefunden: LTO- und Stadtbühnen-Urgestein Rupp Grünbauer. "Das Stück kann man nur machen, wenn man einen entsprechenden Schauspieler dafür hat", erklärt Rickelt. Grünbauer passe vom Typ her auf die Rolle, habe auch die äußerlichen Voraussetzungen dafür und besitze großes komödiantisches Potenzial. "Er kann die Rolle mit Leben füllen!"

In der Komödie dreht sich alles um Falstaff, der wieder mal völlig abgebrannt ist. Aus diesem Grund macht er sich an zwei reiche Bürgersfrauen aus Windsor ran und hofft, über diese an den dicken Geldbeutel der Ehemänner zu gelangen. Die Frauen aber erkennen schnell die wahren Absichten des alten Angebers und erteilen ihm eine gehörige Lektion...

Das Stück lege den Kontrast zwischen der bürgerlichen Welt und Scharlatanen wie Falstaff offen, erklärt Rickelt - zwischen einer Kleinstadt und heruntergekommenem Adel, der es mit der Moral nicht so genau nimmt. Die andere Frage, die Shakespeare mit den "lustigen Weibern" aufwerfe: "Braucht die Welt nicht auch solche Figuren wie Falstaff, wäre das Leben sonst nicht langweilig?" Immerhin besitze der Schwerenöter auch "große Kraft und Lebensfreude, die anderen Spießbürgern abgeht".

Spielort ist die Burg Leuchtenberg - Aufführungstermine: 19., 27. und 28. Juni, 3., 11., 12., 17., 18., 25., 30. und 31. Juli, 1. August jeweils um 20 Uhr sowie am 26. Juli um 18 Uhr.
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