Simultankirchen-Radweg verbindet Gotteshäuser rund um den Steinwald
Von Kirche zu Kirche

Erbendorf/Wildenreuth. (njn) Radeln und dabei Kultur genießen - das macht ab sofort der Simultankirchen-Radweg möglich. Durch die Verbindung sollen die Schätze der Kirchen "erfahrbar" gemacht werden. Er verbindet in der nördlichen Oberpfalz 49 Kirchen miteinander, die über Jahrhunderte von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam benutzt wurden.

Die von beiden Konfessionen genutzten Kirchen, die sogenannten Simultankirchen in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, sind bayernweit einmalig. Diese Kirchen zu vernetzen und deren Kunstschätze so mit dem Rad "erfahrbar" zu machen, das macht sich seit einigen Jahren der Förderverein Simultankirchen in Rothenstadt bei Weiden zur Aufgabe.

Unter dem Initiator, dem Rothenstädter Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler, kam das Projekt ins Rollen. Als Projektmanager konnte Peter Kratzer von der evangelischen Landeskirche gewonnen werden. Herausgekommen sind zehn Radschleifen, die insgesamt 49 Kirchen miteinander verbinden. Der südliche Steinwald ist in der Schleife 10, die zu einer rund 40 Kilometer langen Radtour einlädt. Ausgangspunkte für die Route sind die Bahnhöfe in Reuth bei Erbendorf und Windischeschenbach.

Die Radstrecke, die sich an Radwegen und Wanderwegen orientiert, führt zu den ehemaligen Simultankirchen St. Johannes Baptista in Kirchendemenreuth, die Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt in Erbendorf, die St. Ägidius-Kirche in Thumsenreuth und die St. Leonhard-Kirche in Krummennaab sowie die St. Jakobus-Kirche in Wildenreuth. Sie ist eine von neun Gotteshäusern in der Oberpfalz, die noch heute von beiden Konfessionen gemeinsam genutzt wird.

Das Wort Simultaneum bezeichnet das gemeinsame Nutzungsrecht verschiedener Konfessionen an einer kirchlichen Einrichtung. 1652 führte Pfalzgraf Christian August von Sulzbach das Simultaneum ein. Er ordnete an, dass die Kirchen in seinem Herzogtum von den evangelischen und katholischen Gemeinden genutzt werden sollen.

Der Pfalzgraf wollte mit diesem Erlass die Konfessionen einander näher bringen und künftige Religionskriege verhindern. Diese religiöse Toleranz war für die damalige Zeit sehr fortschrittlich, führte in den Gemeinden aber immer wieder zu Spannungen. Viele Geschichten erzählen davon. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts endeten viele Simultaneen.

Der "Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz" will mit dem Radweg das wertvolle Erbe der Simultankirchen neu "erfahrbar" machen. Er ist Initiator und Träger des Simultankirchen-Radweges. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die evangelischen Dekanate Weiden und Sulzbach-Rosenberg sowie die Diözesen Eichstätt und Regensburg unterstützen das Radwege-Projekt.
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