Sowohl dezent als auch knallig

Gleich vier neue Wohntrends für Einrichtung und Dekoration haben die Experten der Messe Ambiente ausgemacht. Sie reichen von einem hellen Raum mit ganz viel Weiß über Einrichtungen mit Handwerkskunst. Wer es ungewöhnlich mag, wohnt in Schwarz oder wählt Orangefarbenes.

(dpa/tmn) Im Trend ist nie nur eine Sache. Daher waren auf der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt am Main, die vor ein paar Tagen zu Ende ging, auch vier ganz unterschiedliche Räume zu sehen, in denen je ein Einrichtungstrend beispielhaft dargestellt wurde:

Leichtigkeit:

Die Einrichtung soll klar, schlicht, leicht und einen Hauch romantisch sein. So lässt sich die Trendwelt namens Clarity + Lightness beschreiben. Hier waren viele Spiegelflächen und Glasschalen zu sehen. Für Messeleiterin Nicolette Naumann ist dieser Einrichtungsstil derzeit das Maß aller Dinge: "Der absolut dominante Trend ist derzeit das Skandinavien-Thema, was wir aber auch schon ein paar Jahre haben."

Die Designs sind sehr schlicht. "Sie halten sich zurück", erklärt Trendexpertin Claudia Herke (Stilbüro bora.herke.palmisano), das die Schau zusammengestellt hat. Die Farben sind leicht, verwendet wurden in dem Beispielraum Lindgrün, Graunuancen und viel Weiß. Dazu passt helles Holz. Der Raum sei nicht überladen eingerichtet, er wirke auch nicht übergestaltet, erklärt Annetta Palmisano. "Die Stilwelt bietet großen Interpretationsspielraum." Die Möbel und Wohndekorationen wirken oft sehr modern, haben aber verspielte Details - etwa zarte Tröpfchen oder Muster auf weißem Geschirr.

Handwerk:

Handgeknüpftes statt Plastik aus Massenproduktion war in der zweiten Wohnwelt zu sehen - Teppiche mit folkloristischen Mustern, traditionelle Keramik und geflochtene Körbe. Damit zeigt der Bewohner: Er ist verbunden mit seiner Kultur und hat eine Nähe zur Natur. Zur Einrichtung gehört viel Braun sowie dunkles und dezentes Blau, aber es gibt rote oder gelbe Farbakzenten als Hingucker. "Kreativität und Handwerkliches stehen hier im Vordergrund", erklärt Herke den Stil.

"Junge Designer setzen sich intensiv mit traditionellen Materialien, Formen und Verfahren auseinander und setzen das in ihren Designs um." Die Verantwortlichen nannten das Thema daher auch Craft + Culture.

Dass es einen entsprechenden Aufwind für traditionelle Produkte und Herstellungsweisen gibt, merken die Mitglieder des Bundesverbands Kunsthandwerk: Gerade auf die Qualität der Ausarbeitung werde immer mehr Wert gelegt, erklärt Marianne Kassamba. Die Menschen wollen möglichst auch individuelle Produkte, die ein besonderes Design haben.

Geschichtsbewusst:

Eher auf historische Bezüge setzte die dritte Wohnwelt namens History + Elegance. Hier gab es viele Bezüge zu alten Mustern, Dekoren und Werten. Auffallend: Die Einrichtung ist dunkel, geradezu mysteriös. Die Stilexperten verwenden etwa Mitternachtsblau - sowie ein Kaviar-Schwarz. Was auch zeigt: Hier geht es um Luxus. Viele Wohndekorationen sind golden oder bronzefarben. "Schimmernde Töne setzen theatralische Akzente", sagt Palmisano. Edle Ornamente waren zu sehen, Tapeten wirken wie aus dem Kaiserpalast. Damit das Ganze aber nicht zu düster wird, hellen Elemente in Perlentönen und Roséfarben die Einrichtung auf.

"Wir hatten für eine Saison Frühjahr/Sommer ungewöhnlich viele dunkle Produkte und zwar im oberen Marktsegment", berichtet Messeleiterin Naumann. Holz ist plötzlich nicht mehr hell, sondern schwarz, dazu nimmt man Brombeere und Smaragdgrün. Naumann hat einen Grund dafür ausgemacht: "Das ist die Reaktion darauf, dass das Skandinavienthema jetzt so in der Breite angekommen ist."

Auch für Wohnexpertin Gabriela Kaiser aus Landsberg am Lech ist dieses Thema das neuartigste und interessanteste unter den Trendwelten. "Es ist hipp, wenn man in einer ganz modernen Wohnung plötzlich Knopfheftungen sieht", sagt sie. "Man sieht den Kristallschliff sogar an Plastikgläsern."

Die Einrichtungsexpertin sieht dieses Mobiliar vor allem bei jüngeren Menschen um die 30. Sie erklärt sich diese Strömung mit einem Generationswechsel: Die nun erwachsenen Enkel finden toll, was Oma einst an Mobiliar im Haus hatte. Deren Kinder haben das noch verschmäht, wie man eben halt nicht so gerne das mag, was die Eltern mögen. "Diese Elemente lässt man nun aber punktuell einfließen", betont Kaiser. Also: Zu Hause sieht man das meist nicht so in der Masse wie in der beispielhaften Wohnwelt der Messe, nur Akzente mit historischen Anleihen finden den Weg ins Wohnzimmer.

Die 70er:

Diese Einrichtung ist etwas für alle, die sich nicht so ernst nehmen. Die Trendwelt namens Humour + Curiosity war unkonventionell und schräg - und ebenfalls von etwas inspiriert, was in der Vergangenheit schon mal da war: Pop-Art und ein Hauch der 70er Jahre finden den Weg zurück in den Wohnraum. Ihre vierte Wohnwelt gestalteten die Trendexperten in den fröhlichen Farben Orange, Minze, Rosé in Kombination mit dem braunen Nougat und dem dunkelgrauen Graphit. "In der Möbelindustrie ist dieses Thema schon sehr viel stärker da", berichtet Naumann. Bei den Wohndekorationen und Konsumgütern kommt der Trend erst langsam an.

Das Besondere: "Es ist ein Design, das einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert, das ich nicht so ernst nehme, das vielleicht den Spaß und Humor herauskitzelt, den wir im Alltag missen", erklärt Herke. So stand in den Beispielraum auf der Messe eine lebensgroße Hundefigur, den der Designer als Kratzbaum ausgerechnet für Katzen erdacht hat. Oder in einem Aquariumersatz schwammen gläserne Mini-Haifische.

Wer richtet sich so ein? Palmisano stellt klar: "Dieser Stil beschreibt die Vorliebe für Ausgefallenes." Für Kaiser ist diese exzentrische Wohnwelt sogar eher ein Trendlabor: Es gebe jede Saison so launige Einrichtungsthemen. Die wenigsten Verbraucher aber setzten das zu Hause um. "Vielmehr entstehen in diesem Stilbereich viele Trends, die sich später abgemildert in anderen Themen für ein breiteres Publikum wiederfinden", erklärt Kaiser.
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