Spanische Sportskanone
Fahrbericht Seat Leon ST Cupra

Der Leon ST Cupra ist ein echter Kraftlackl. Mit 265 PS in der "kleinen" Version lässt er so machen Sportwagen alt ausschauen. Bild: Seat

Vernunft und Fahrspaß, das sind eigentlich zwei gegensätzliche Auto-Welten. Aber nur eigentlich. Seat schlägt da eine Brücke und schickt mit dem Leon ST Cupra eine Rennmaschine im Kleid einer braven Familienkutsche auf die Straße. Die macht mächtig Spaß. Und weil die spanische Sportskanone auch noch ihre Transportaufgaben zur besten Zufriedenheit erledigt, kommt auch die Vernunft nicht zu kurz.

Dass "Cup Racing" angesagt ist, kommt nicht von ungefähr. Da jagte kürzlich der kompakte Renner auf dem Nürburgring dem Audi RS6 die Bestmarke des schnellsten Kombis ab und umrundete die Nordschleife in 7:58 Minuten. Gut, das war der "scharfe Bruder" mit 280 PS. Aber die 15 PS weniger unseres Testwagens stehen dem nicht viel nach.

In knapp sechs Sekunden wird der Standardsprint abgehakt, die Elektronik bremst den Vorwärtsdrang bei 250 km/h ein. Da schaut so mancher Sportwagen in die mächtigen Auspuffrohre. Mit einer Vorderachs-Differentialsperre treibt Seat dem Fronttriebler weitgehend die Traktionsprobleme aus. Der spanische Bruder ist von der zupackenden Art. Wer das Gaspedal zu heftig tritt, wird nachhaltig in die sportlichen Alcantara-Ledersitze gedrückt. Das können die Fondpassagiere dann - im wahrsten Sinne des Wortes - schon einmal übelnehmen.

Die sportlichen Ambitionen trägt der Leon auch im Innern mit etlichen Accessoires zur Schau. Ein Soundaktor verstärkt den sonoren Klang der vier Zylinder. Dabei kann der Lust-Laster ein kreuzbraver Kompakt-Kombi sein. Das riesige Ladeabteil und die mit zwei Handgriffen umgeklappten Rücksitzlehnen empfehlen den Sportstourer für Transportaufgaben jedweder Art.

Per dynamischer Fahrwerkskontrolle und Cupra Drive Profile lassen sich verschiedene Modi einstellen, von komfortabel bis individuell, wobei erstere Gangart die angenehmste ist. Da bekommen dann auch Bandscheibengeschädigte wenig Meldung von den Querfugen. Das sechsstufige Direktschaltgetriebe arbeitet famos. Wer will, kann über Schaltpaddel am Lenkrad manuell eingreifen, wirklich notwendig ist das aber nicht.

Die progressive Lenkung gibt ausreichend Rückmeldung, und die Bremsen bringen den Spanier schnell zur Räson. Ob heißer Ritt auf der Autobahn, Kurvenhatz auf der Landstraße oder samstägliche Einkaufsfahrt in die Stadt - der feurige Leon findet sich überall bestens zurecht. Start-Stopp-Automatik hilft beim Spritsparen. Wobei der Verbrauch mehr als moderat ist. Nur wer die Zügel freigibt, muss Express-Zuschlag zahlen - am liebsten in Form des allerdings teuren Super Plus.

Preislich ist der Lust-Laster in angenehmer Reichweite, selbst mit ein paar Assistenten für Fernlicht, Spurhaltung und automatischer Distanzregelung samt City-Notbremsfunktion. Das große Navi ist mit diversen Internetdiensten gekoppelt. Voll-LED-Scheinwerfer sind serienmäßig an Bord. Die 1300 Euro Aufpreis für den stärkeren Leon kann man sich sparen.
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