Spanischer Käfer

Er war ein Meilenstein für die Mobilität in Spanien: Vor rund 40 Jahren rollte nach 16-jähriger Bauzeit und 800 000 gebauten Autos der letzte Seat 600 in der Zona Franca bei Barcelona vom Band, wo im Juni 1957 die Produktion begonnen hatte. Noch 1970 war in Spanien jedes vierte Auto ein Seat 600. Der Lizenzbau des Fiat 600 sorgte ab 1957 in einem vom Bürgerkrieg zermürbten Land für den Beginn der individuellen Mobilität und ein Stück Freiheit während der Franco-Diktatur. Das Auto gehörte in den 60er- und 70er Jahren in Spanien zum Alltagsleben wie der Käfer in Deutschland.

Der 3,30 Meter lange Seat 600 wog rund 600 Kilogramm. Er leistete zunächst 18 PS mit vier Zylindern aus 633 ccm Hubraum und kostete erschwingliche 63 000 Peseten. Bis zu 90 km/h erreichte das rundum mit Trommelbremsen ausgerüstete Wägelchen. Hubraum und Leistung nahmen im Laufe der Zeit zu. Zuletzt bot er aus 767 ccm Hubraum 28 PS Leistung, die 115 km/h Höchstgeschwindigkeit erlaubten. Bis zu fünf Personen fanden in dem Auto ordnungsgemäß Platz, in der spanischen Praxis konnten es aber durchaus auch mehr Mitfahrer sein. Der Gepäckraum war allerdings auf minimalistische knapp 70 Liter begrenzt. Erst ab 1970 hatten die nach vorne öffnenden Selbstmördertüren ausgedient. Als viertürige Variante rollte zwischen 1963 und 1968 dann auch der Seat 800 vom Band.

Als Nachfolger des 600er baute Seat ab 1974 zunächst den "133", der auf dem Fiat 126 basierte, und ließ die ebenfalls auf Fiats Schwestermodellen basierenden Panda und Marbella folgen. Ab 1982 begann dann das Produktions- und Wirtschaftsabkommen zwischen Seat und Volkswagen, und bis Juni 1986 haben die Deutschen 51 Prozent von Seat übernommen, und bis zum Ende des Jahres gar 75 Prozent. Vier Jahre später hält VW fast 100 Prozent, aber Seat darf die Panda-Plattform weiter nutzen. Bei den Kleinwagen lässt Seat 1997 ein Jahr vor dem Original des auf den VW Lupo-basierten Arosa folgen. (mid)
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