Spektakuläre Prozesse in Italien
Ex-Bürgermeister und Weltmeister vor Gericht

Die "Mafia Capitale" hält Rom auch eineinhalb Jahre nach ihrer Aufdeckung noch in Atem. Jetzt begann der Korruptionsprozess gegen Ex-Bürgermeister Gianni Alemanno. Und auch ein Sportstar muss vor Gericht.

Rom/Reggio Emilia. In Rom steht seit Mittwoch der frühere Bürgermeister der Stadt, Gianni Alemanno, wegen Korruption und illegaler Finanzierungen vor Gericht. Der Prozess steht in Zusammenhang mit dem Mafia-Skandal um die engen Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und organisiertem Verbrechen in Italiens Hauptstadt ("Mafia Capitale"), der 2014 aufgedeckt worden war. Unter anderem soll der 58-Jährige zwischen 2012 und 2014 etwa 125 000 Euro Bestechungsgeld angenommen haben.

Alemanno bestreitet die Vorwürfe. "Ich werde mich in diesem Verfahren verteidigen, weil ich meine Unschuld beweisen will, auch wenn mich viele schon vorverurteilt haben", sagte er am Ende der ersten Anhörung, die nur Minuten dauerte. Der Prozess wurde auf Karfreitag vertagt, der in Italien kein Feiertag ist. Der frühere Neofaschist Alemanno war 2008 als Kandidat der PDL von Silvio Berlusconi zum Bürgermeister gewählt worden und regierte Rom bis 2013. Laut Anklage soll er hohe Schmiergelder vom Unternehmer Salvatore Buzzi angenommen haben. Seit November müssen sich in einem Prozess bereits 46 Angeklagte verantworten, darunter Buzzi.

Unterdessen hat der bislang größte Mafia-Prozess Norditaliens begonnen. Insgesamt 147 Angeklagte, darunter der italienische Fußball-Weltmeister Vincenzo Iaquinta und dessen Vater, müssen sich seit Mittwoch vor einem Gericht in Reggio Emilia verantworten. Das Verfahren in einem eigens gebauten Gerichtssaal begann unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Im Visier der Justiz steht die kalabrische Mafia 'Ndrangheta, die mehr und mehr auch im Norden des Landes aktiv wird. Iaquinta, der 2006 in Deutschland Weltmeister wurde, werden illegaler Waffenbesitz und Unterstützung der Mafia vorgeworfen. Sein Vater wird verdächtigt, Mitglied der Verbrecherorganisation zu sein.
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