Sportcoupé und Kraxelkünstler
Fahrbericht BMW X4 xDrive 20d

Wer ein bisserl in der bayerischen Nomenklatur lesen kann, der weiß: Ein X4 will zwei automobile Welten unter einen Hut bringen. Gerade Zahlen wie die "4" stehen bei den Münchnern für sportliche Coupés, das "X" für die Kraxelkünstler aus der SUV-Fraktion. Mixt man die Zutaten, wird daraus ein Fahr-Cocktail, der es in sich hat.

Crossover heißt neudeutsch diese Gattung von Fahrzeugen, die sich auf Berg und Tal ebenso wohlfühlen soll wie im städtischen Verkehrsgewühl. Wobei selbstredend die Frage nach der Sinnhaftigkeit auftaucht. Ist ein schnittiges Coupé auf Stock und Stein und - andersrum - ein massiges SUV im urbanen Umfeld nicht irgendwie "overdressed"?

Schräge Typen sind allerdings trotz des allgegenwärtigen Lifestyle-Aufschlags durchaus gefragt. Was BMW mit dem X6 und jetzt dessen kleinerem Bruder X4 vorgemacht hat, findet auch bei Mercedes mit einer neuen M-Klasse nach gleichem Strickmuster und zukünftigen Q-Varianten aus Ingolstadt Nachahmer.

Etwas länger und deutlich flacher als der X3 wirkt der X4 einfach dynamischer und gestreckter. Sportliche Accessoires haben ihm die Entwickler sowieso mit eingepackt. Fahrwerk und Lenkung garantieren eine ausgesprochen aktive Gangart. Die 190 PS des Basisdiesels in unserem Testwagen reichen dazu vollkommen aus. Schließlich sorgen 400 Newtonmeter maximales Drehmoment für einen kräftigen Schub. Der Vierzylinder spricht spontan an, die achtstufige Automatik wechselt die Gänge ruckfrei durch. Wer will, kann über den Wählhebel oder die Schaltpaddel am Lenkrad selbst Hand anlegen, notwendig ist es nicht.

Der Fahrer kann zwischen so unterschiedlichen Eigenschaften wie "Eco" und "Sport plus" wählen, wobei die Komfort-Stellung die angenehmste ist, weil sich da auch das Fahrwerk entsprechend kommod zeigt. Wo möglich, segelt der X4 und rollt im spritsparenden Leerlauf dahin. Die Start-Stopp-Automatik arbeitet tadellos.

Der Innenraum ist großzügig bis - zumindest vorne - fürstlich. Der Fahrer findet einen ausgesprochen angenehmen Arbeitsplatz. Neben den klar gezeichneten Instrumenten informiert der Bordcomputer per Knopfdruck über alle nur erdenklichen Daten in und außerhalb des Fahrzeugs. Dass diverse Assistenten hilfreich zur Hand gehen, versteht sich eh. Blickt der Fahrer von seinen ebenso sportlichen wie komfortablen Sitzen relativ gelassen auf das Verkehrsgeschehen, sollte er lieber keinen Blick zurück werfen. Das winzige Fensterchen ist keine Offenbarung, piepsende Parksensoren und eine Rückfahrkamera dagegen ein Muss.

Hinterbänkler haben es naturgemäß etwas schwerer, doch nur bei Gardemaßen über 1,80 Meter gibt es wirkliche Probleme. Der Kofferraum ist leicht zugänglich. Wer gerade keine Hand frei hat, öffnet mit einer Fußbewegung unter der Stoßstangen. Schaut für Passanten etwas blöd aus, ist aber hilfreich. Der Verbrauch geht in Ordnung, auch wenn die Werksangaben weit verfehlt wurden.

Wem rät man zu so einem Stadt-Cowboy? Menschen, die nicht einer von vielen sein wollen. Und die dafür auch gerne etwas tiefer in die Tasche greifen.
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