Sportmobil für Spaß und Spiel
Fahrbericht Audi S 1

"Wem gehört denn der Laubfrosch?", lästert ein Kollege, über den kleinen Audi auf dem Redaktions-Parkplatz. Dabei ist unser Testwagen nicht nur schön grün, sondern auch ganz schön giftig. Vipergrün halt, wie Audi die knallige Außenlackierung des A1-Ablegers mit dem Spotlabel nennt.

S1? Richtig. Da klingelt es schon mal bei eingefleischten Audi-Fans. Vor über drei Jahrzehnten hat Rallye-Weltmeister Walter Röhrl mit so einem Teil der Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Während die Kurzversion des Quattro damals allein für den Renneinsatz gedacht war und aus Homologationsgründen zivile Abnehmer finden musste, ist der aktuelle S1 ein Spiel- und Spaßgerät.

Zugegeben: Schon ein etwas teueres. Aber Geld scheint in dieser Szene nicht die große Rolle zu spielen. Schließlich war das auf 333 Einheiten limitierte Sondermodell A1 Quattro, mit dem die Ingolstädter vor zwei Jahren die Kundenakzeptanz testeten, in wenigen Tagen so schnell ausverkauft, dass die Herren der Ringe daraus ein Serienmodell bastelten. Das hat zwar 25 PS weniger, ist dafür aber auch gute 20 000 Euro billiger.

Dabei protzt der Kraftzwerg nicht mit seinen Qualitäten. Wer den kleinen Audi im Rückspiegel auftauchen sieht, denkt im ersten Moment an einen "gewöhnlichen" A1 mit kleinen Pausbacken. Erst wenn er vorbeizieht, zeigt er seine Muskelpakete und lässt selbst die Großen und Schnellen im wahrsten Sinne in die Röhre(n) schauen. Vier Auspuffenden und ein mächtiger Dachkantenspoiler verraten dann die sportliche Zweckbestimmung.

In Nullkommanix ist der Standardsprint erledigt, nur ein paar Augenblicke später bremst die Elektronik unseren Modell-Athleten auf die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h ein. Mehr noch als die puren Leistungsdaten gefällt, wie souverän der S1 mit seiner schieren Kraft umzugehen weiß. Permanenter Allrad hält den Kleinen sicher in der Spur. Der Slogan ist bekannt, trifft aber zu: Wie auf Schienen zieht es den Audi voran.

Trotz des kurzen Radstands geht es nicht holterdipolter über schnelle Autobahn-Etappen. Und auf Landstraßen wird der Ingolstädter sowieso zum Kurvenlackl. Die sechs Gänge der Handschaltung flutschen nur so in die kurzen Schaltboxen. Selbst bekennende DSG-Fans werden die automatisierte Gangwahl nicht wirklich vermissen. Kraft ist ja im Überfluss vorhanden. Da reicht ein kurzer Tritt aufs Gaspedal, um selbst im sechsten Gang noch von unten heraus souverän durchzuziehen.

Den sportlichen Qualitäten Tribut zollen muss das Fahrwerk. Das ist selbstredend knüppelhart und lässt die Insassen niemals über die Fahrbahnbeschaffenheit im Ungewissen. Dennoch: Ganz entspannt zum Bäcker um die Ecke fahren, beim Sonntagsausflug gemütlich durch die Lande bummeln - auch das kann die Rennsemmel ohne großes Murren. Und dem Geldbeutel tut es auch gut, pendelt sich der Verbrauch dann wenigstens noch im einstelligen Bereich ein. Wenn auch ganz oben. Mit dem 45-Liter-Tank ist der Aktionsradius eh etwas begrenzt. Aber als Reiselimousine wäre der S1 sowieso zweckentfremdet. Der ist eine kompromisslose Fahrmaschine und höchstens für eine liebevolle Zweierbeziehung geeignet. Die Vorderpassagiere finden beste Verhältnisse, Hinterbänkler fühlen sich aber nicht wirklich wohl. Die beiden zusätzlichen Türen des Sportback sind eher geeignet, mal schnell die Einkaufstüten zu verstauen.
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