Staatsforsten nah am Raubbau
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Wald nützen, Wald schützen" vom 5./6. September:

Ein Dreimalhoch der Forstwirtschaft, die an den Vorgaben der heuer zehn Jahre alten Forstreform zu knabbern hat wie auch der Wald um Weiden, zu dem auch der Staatswald im Westen gehört. Der wilde Wald ist gar nicht mehr so urig, wenn er ordentlich mit schnurgeraden, plattgedrückten Rückegassen plantagenähnlich aufgegliedert ist.

Die Entnahme von bis zu einem Viertel der Bäume in einer Durchforstungsmaßnahme grenzt gar an Raubbau, zumal bei der gängigen Ganzbaum-Entnahme das sonst liegenbleibende, den Boden düngende Feingeäst als Hackschnitzelmaterial mit entfernt wird.

Kahlschläge zur Entwaldung für Industrie, Verkehr und Energie bleiben im Artikel unberücksichtigt. Diese Verluste an Waldflächen machen die Bevölkerung zunehmend hellhörig. Und sie bewirken die strikte Forderung von Naturschutzverbänden und Forstwissenschaft nach Schutzzonen wie einen neuen Nationalpark Steigerwald oder wirtschaftsfreie Anteile im "Nutzforst". So was stößt natürlich auf Widerstand von Waldbesitz und Forstpartie, die Kompetenzentzug an diesen Waldflächen fürchten. Zu dieser Entwicklung trägt leider auch Mitteleuropas größter Forstbetrieb, die Bayerischen Staatsforsten, bei. Diese Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Regensburg (Kfz-Kennzeichen R - SF ...) wurde mit dem Forstgesetz 2005 unter politischem Druck geschaffen und hat natürlich Vorbildfunktion für die übrigen Forstbetriebe.

Glänzende Betriebsergebnisse lassen sich leicht erzielen, wenn Aufwendungen für Naturschutz, Erholungseinrichtungen, Öffentlichkeitsarbeit - wie die am 13. September - nicht gegengerechnet werden müssen. Diese trägt der Steuerzahler über die Förderprogramme der Forstverwaltung. Sie wurde zur Forstaufsicht und Zuschussabwicklung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten belassen.

Noch ein kleiner Tipp an den rekordhungrigen Stadtförster, der sein Totholz - im Kasten unten links - mit Zähnen und Klauen verteidigt: Ein Anstrich des Totholzerdstückes mit in Tapetenleim gebundenem Quarzsand tut's - wie gegen Biberfraß - auch.

Ulrich KeltschWeiden

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